1. FCK

Fußball Der 1. FC Kaiserslautern darf nach dem Retterspiel gegen den FC Bayern die nächste Saison in der 3. Liga planen

Hoeneß sorgt für Artenschutz

Archivartikel

Kaiserslautern.Das Montagspiel an sich zählt unter Fans nicht zu den beliebtesten Dingen, die der bisweilen überhitzte Markt des Weltfußballs hervorgebracht hat. Und gerade in Kaiserslautern stand der Montag in den vergangenen Jahren irgendwie symbolisch dafür, dass die guten Zeiten lange vorbei sind. Wenn zu Wochenbeginn zuletzt Teams wie Fortuna Köln ins Fritz-Walter-Stadion kamen, dann blieb der Pfälzer schon mal gern auf der heimischen Couch sitzen. Dass es nun ausgerechnet ein Montagspiel sein würde, das dem FCK sein Überleben im Profifußball sichert, hat insofern auch etwas Ironisches. Mit 48 500 Zuschauern war der höchste Fußballberg Deutschlands am Montag erstmals seit dem Jahr 2015 wieder ausverkauft, was gleichbedeutend war mit 750 000 Euro an Einnahmen, die dem FCK zur Erfüllung der rechtlichen Auflagen dienen.

FCK-Pressesprecher Stefan Roßkopf war vor dem Anpfiff des sogenannten Retterspiels gegen den FC Bayern augenzwinkernd bemüht, dem Geschehen auf dem Rasen einen sportlichen Wert beizumessen: „Immerhin Pokalsieger gegen Pokalsieger“, stellte er angesichts der Tatsache fest, dass der FCK am Wochenende den Südwestdeutschen Verbandspokal gewann.

Von jeher mehr Gewicht haben die Worte des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß, der die Richtigkeit des Benefizspiels trotz der DFB-Pokalfeierlichkeiten vom Wochenende zur Halbzeitpause betonte. „Wer saufen kann, kann auch laufen“, sagte er und wollte damit erklären, dass die mitgereisten Stars auch gerne spielen wollten. Sie taten es erwartungsgemäß mehr schlecht als recht, so dass die Löhmannsröbens und Zucks, wie die FCK-Spieler heute heißen, zu mehr Spielanteilen kamen, als zunächst zu erwarten war. Bayerns Thomas Müller verließ sogar bereits nach 17 Minuten verletzt das Feld. Der spät eingewechselte Robert Lewandowski sorgte in der 80. Minute für das 1:1.

Leicht erhöhter Etat

Ohnehin lebte die Begegnung mehr von der Nostalgie: Die Stadionhymne „Zieht den Bayern die Leserhosen aus“ wurde auf dem Betzenberg in den 1970er-Jahren erfunden und auch zur 1:0-Führung am Montag durch Hendrick Zuck (9.) wieder intoniert. Hoeneß selbst erinnerte nach dem Spiel an den inzwischen legendären 7:4-Sieg des FCK vom 20. Oktober 1973: „Das war brutal. Es gab hier so viele schwierige Spiele“, sagte er. Eines, das bei Pfälzern auch im Gedächtnis geblieben ist, fand im März 2002 statt. Lauterns Ratinho hatte Stefan Effenberg zu Fall gebracht, anschließend eskalierte eine Situation zwischen dem damaligen FCK-Trainer Andreas Brehme und Hoeneß. Nach dem Spiel befand dieser seinerzeit: „Die Zuschauer benehmen sich hier teilweise wie Tiere.“ Nach dem Spiel am Montag klang das alles versöhnlicher. In Zeiten, in dem es dem FC Bayern so gut gehe wie lange nicht oder noch nie, so Hoeneß, „muss man auch an die denken, denen es nicht so gut geht“.

Von Tieren war demnach keine Rede mehr. Im Gegenteil: Das am Montag klang eher nach mehr Artenschutz für Traditionsvereine. Ein vom Feiern noch heiserer Thomas Müller zeigte sich später angetan von der Betze-Atmosphäre. Er hofft auf eine Rückkehr des FCK in die Bundesliga. „Ich bin zu weit weg, um beurteilen zu können, inwieweit das realistisch ist“, schränkte er jedoch ein.

Einer, der es realistisch einschätzen kann, ist FCK-Geschäftsführer Martin Bader, der vor Spielbeginn sagte, dass die Lage des Vereins aufgrund der Hilfe des FC Bayern mit Blick auf die Lizenz-Erteilung für die 3. Liga nun nicht mehr besorgniserregend sei. Am Dienstag sollten die finalen Unterlagen beim DFB eingereicht werden. Es habe bereits positive Signale per Mail vom DFB gegeben, hieß es. Und das an einem Montag. Der verpasste Aufstieg wurde laut Bader tiefgreifend analysiert.

„Es ist nicht zwingend nur der Austausch von Personal, sondern auch die Art und Weise, wie wir spielen wollen. Wir werden den Umbruch nicht zu groß werden lassen“, erklärte er. Dank der Gelder von Investor Flavio Becca kann der FCK mit einem leicht erhöhten Etat von 5,5 bis 6 Millionen Euro planen und ist erstmals seit Jahren wirtschaftlich nicht zu Transfererlösen gezwungen. Der Bauunternehmer aus Luxemburg soll in die wichtigen Entscheidungsprozesse involviert sein. „Es ist nachvollziehbar, dass ein Investor Einblick bekommen möchte. Wir wollen ihm transparent aufzeigen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Becca wird den Verein jetzt immer besser kennenlernen“, erklärte Bader.

Mit vielen talentierten Eigengewächsen soll der Abwärtstrend durchbrochen werden. Rund vier bis sechs Neuzugänge stellte Bader in Aussicht. In nur drei Wochen steht bereits der Trainingsauftakt an, bevor Mitte Juli die neue Runde startet. (mit dpa)