1. FCK

Fußball FCK-Aufsichtsräte schließen vorerst Frieden, während ein Unternehmer aus dem Großherzogtum Geld bringen soll

Luxemburger Lösung?

Archivartikel

Kaiserslautern.Die Revolution blieb aus: Patrick Banf steht beim Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern weiter an der Spitze des Beirates und des Aufsichtsrates der in eine Kapitalgesellschaft ausgegliederten Profiabteilung. Er musste aber den Aufsichtsratsvorsitz des eingetragenen Vereins (e. V.) an seinen Kritiker Michael Littig abgeben. Flavio Becca, ein Unternehmer aus Luxemburg, soll unterdessen den chronisch klammen Club retten.

Was bedeutet der Schulterschluss der Aufsichtsräte?

Die neue Geschlossenheit sollte bei der Suche nach Geldgebern helfen. Auch der DFB dürfte mit Blick auf die Lizenzvergabe wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass am Betzenberg nicht das Chaos ausgebrochen ist. Aber: Die Differenzen von Banf und Littig bei der Investorensuche lösen sich nicht einfach in Luft auf, das gegenseitige Misstrauen bleibt und es ist denkbar, dass alle Beteiligten nur so lange stillhalten, bis der Club die Lizenz bekommt.

Worin bestehen die Unterschiede bei der Investorensuche?

Banf bevorzugt einen Einstieg des Unternehmers Becca. Mit ihm wurden auch erste Gespräche geführt. Laut „kicker“ hat Littig eine regionale Investorengruppe um sich geschart. Bereits im Januar drohte eine Eskalation des Machtkampfs, damals sollte Banf aus all seinen Ämtern gedrängt werden. Es wurde ein Burgfrieden geschlossen, aber in Aussicht gestellt, dass es nach dem 15. März möglicherweise eine Rotation bei den Spitzenposten im Aufsichtsrat des e. V. und im Beirat der GmbH & Co. KGaA gibt. Laut „kicker“ soll Banf damals bereit gewesen sein, seine Toppositionen in den diversen Gremien abzugeben. Doch das passierte nun nur zum Teil.

Gibt es Gewinner oder Verlierer nach diesem Kompromiss?

Beide Seiten verneinen das. Aber: Die wichtige Führungsposition an der Spitze des Beirats behält Banf. Dabei dürfte ihm auch die Satzung geholfen haben. Denn die sieht einen Wechsel an der Spitze nicht vor. Im Aufsichtsrat des e. V. verlor er den Vorsitz, dafür reicht eine Mehrheit im fünfköpfigen Kontrollgremium – und Littig weiß die Kollegen Paul Wüst sowie Jürgen Kind auf seiner Seite. Banf bildet in diesem Gremium eine Einheit mit Jochen Grotepaß. Das Duo wurde 2017 von Dieter Buchholz in Stellung gebracht. Der Ex-Aufsichtsratschef investierte zuletzt gemeinsam mit weiteren Unternehmen eine halbe Million Euro in den Club. Interessanterweise machte er das kurz vor der Sitzung am Donnerstag öffentlich.

Welche Rolle spielt FCK-Hauptsponsor Harald Layenberger?

Er gehört zum Lager um Littig und attackierte zuletzt Banf auf einer Podiumsdiskussion des SWR. Er drohte mehrfach, sein langjähriges Engagement zu beenden, wenn Banf weiter Aufsichtsratsvorsitzender bleibt. Man darf gespannt sein, wie Layenberger nun die neue Lösung aufnimmt. Littig sagte dazu der „Rheinpfalz“: „Herr Layenberger ist durch und durch FCK-Fan. Er wird alles tun, dass der FCK vorankommt.“

Was sagt Martin Bader zu den vorangegangenen Querelen?

„Die Wahrscheinlichkeit von Erfolg eines Vereins steigt immer, wenn Ruhe herrscht, es eine einheitliche Strategie gibt und Kontinuität in der Führung ist. Wir müssen uns nur das Beispiel SC Freiburg anschauen“, sagte der Sport-Geschäftsführer dieser Zeitung: „Freiburg ist ein Paradebeispiel, wie einheitliches Auftreten zu Erfolg verhilft.“ Und genau das erhofft er sich jetzt beim FCK.

Wie sieht die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern aus?

Eine Rettung ausschließlich über die Betze-Anleihe II und das Crowdlending (Kredite im Internet) dürfte schwierig bis unmöglich werden. Beide Modelle sind schleppend angelaufen, beim Crowdlending kamen bis gestern Nachmittag nur etwa 360 000 Euro zusammen. Der FCK muss aber noch rund vier bis fünf Millionen Euro aufbringen. Kurzum: Ohne einen Investor dürfte es schwierig werden, die im Sommer auslaufende erste Betze-Anleihe über 6,7 Millionen zu bezahlen. In diesem Fall droht die Insolvenz.

Wer ist der favorisierte Investor Flavio Becca?

Einst gehörte ihm das Radsportteam RadioShack-Leopard-Trek, nun ist er Mäzen des luxemburgischen Erstligisten F91 Düdelingen. Trainer dort: Dino Toppmöller, der Sohn von FCK-Legende Klaus Toppmöller, der laut „FAZ“ angeblich Becca in sportlichen Fragen berät. Vor einiger Zeit stieg der Multi-Unternehmer (u.a. Nahrungsmittelimport, Bau- und Immobiliengeschäfte) beim belgischen Drittligisten Virton ein. In der Provinzstadt soll ein neues Stadion entstehen, dazu ein Areal mit Wohnungen und Einkaufszentrum. Laut des luxemburgischen „Tageblatts“ soll der Verein das alles selbst dank Geldgeber Becca finanzieren. Ein ähnliches Vorhaben scheiterte vor einigen Jahren schon einmal in Liwingen. Stadionpläne verfolgte der F91-Mäzen auch in Düdelingen, doch die kamen zuletzt nicht wie gewünscht voran, weshalb es im vergangenen Herbst Gerüchte über einen Einstieg beim luxemburgischen Club Swift Hesperingen gab. Es folgte der Schritt nach Virton – und bald der nächste in die Pfalz?