1899 Hoffenheim

0:1 gegen Werder - Hoffenheim verpasst die Champions League

Sinsheim.In der Nachspielzeit stand Julian Nagelsmann frustriert in der Coachingzone. Sein Blick ging nach unten. Der 31-Jährige hatte sich sein letztes Heimspiel als Trainer der TSG Hoffenheim ganz anders vorgestellt. Es gab keine große Abschiedssause in der Sinsheimer Arena. Die Stimmung war nach der 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen im Keller. Da die Champions-League-Rivalen Leverkusen und Mönchengladbach punkteten, haben die Kraichgauer einen Spieltag vor Saisonende vier Punkte Rückstand auf Platz vier – und damit die Königsklasse verpasst. In der letzten Partie beim FSV Mainz 05 geht es für den Tabellen-Achten nun noch um das Ticket für die Europa League. Der Siebte VfL Wolfsburg, der 0:3 in Wolfsburg unterlag, hat aktuell einen Zähler Vorsprung.

Nach dem Abpfiff ergriff Nagelsmann das Mikrofon und wandte sich an die treuen TSG-Fans in der Südkurve. „Sorry für die letzten drei Spiele. Auch wenn es mir gerade nicht ganz leicht fällt, möchte ich mich für die wundervollen neun Jahre hier bedanken“, erklärte der Trainer, der zu RB Leipzig wechselt. „Das Leben bewegt sich in Kreisen. Wir werden uns auf jeden Fall wiedersehen. Danke für alles.“

Das enttäuschende Resultat, wodurch die agilen Bremer bis auf einen Punkt an die TSG heranrückten, verhinderte einen schöneren Abschied für den Coach. Viele Anhänger verließen das Stadion direkt nach dem Schlusspfiff. „Wir hätten Julian sehr gerne einen Dreier geschenkt, um ihn gebührend zu verabschieden“, erklärte Kapitän Kevin Vogt. „Wir müssen das jetzt gemeinsam runterschlucken und in Mainz gewinnen.“ Der Abwehrchef gab sich kämpferisch und ergänzte: „Man sieht, dass die Truppe lebt. Wir wollen in die Europa League – wir haben gegen Werder einfach den Ball nicht über die Linie gebracht.“

In der Tat versiebten die Hoffenheimer einmal mehr jede Menge gute Chancen. Adam Szalai (19./27./47.) verpasste gleich drei Mal einen Treffer aus guter Abschlussposition, Andrej Kramaric traf in der 38. Minute den Pfosten – es war die beste Gelegenheit für die Kraichgauer. Gleichzeitig machten es ihnen die Norddeutschen, die um ihre letzte Europachance leidenschaftlich kämpften, schwer. Ohne den verletzten Max Kruse (Oberschenkelprellung) machte Werder mächtig Dampf – und belohnte sich in der 39. Minute mit dem entscheidenden Treffer. Johannes Eggestein übersprang TSG-Abwehrmann Ermin Bicakcic und köpfte zum 1:0 ein. Dabei machte die komplette Hintermannschaft der Kraichgauer keine gute Figur. Vier Minuten später jubelten die Bremer erneut. Diesmal hatte Maxi Eggestein den Ball im Kasten von Oliver Baumann untergebracht. Doch nach Ansicht der Videobilder nahm Schiedsrichter Bastian Dankert das Tor zurück. Die richtige Entscheidung, denn vor dem Treffer hatte Johannes Eggestein Bicakcic gefoult.

Kurz vor der Pause folgte ein Schockmoment für Hoffenheim, das kurzfristig auf Nationalspieler Nico Schulz verzichten musste (Knieprobleme). Mittelfeldspieler Nadiem Amiri knickte unglücklich um und musste mit der Trage vom Feld gebracht werden. Der Ludwigshafener wurde mit Verdacht auf Knöchelbruch ins Krankenhaus gebracht. Eine genaue Diagnose stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Für ihn kam der 19-jährige Christoph Baumgartner zu seinem Bundesliga-Debüt. Er deutete in einigen Situationen sein Potenzial an, konnte die Niederlage aber nicht verhindern.

Ishak Belfodil (59.) und Kramaric (81.) vergaben weitere Gelegenheiten zum Ausgleich, so dass Werder mit einer abgeklärten Spielweise in der hitzigen Schlussphase zum verdienten Auswärtscoup kam. „Wir haben über weite Strecken ein ganz gutes Spiel gemacht. Leider schießen wir quasi ein Eigentor - und zwei, drei Strukturspieler waren nicht auf der Höhe“, resümierte Nagelsmann. „Der Abschied war daher natürlich bescheiden, weil ich vom Sieg getrieben bin.“

Werder-Coach Florian Kohfeldt erklärte: „Es war ein wildes Spiel. Wir sind sehr glücklich, dass wir gewonnen haben. Die letzten zehn Minuten waren nur leidenschaftlicher Kampf."

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