1899 Hoffenheim

Fußball Zweite Europapokal-Teilnahme der TSG Hoffenheim hätte höheren Stellenwert als die erste / Offensiv-Verpflichtungen nötig

Alle Trümpfe in der Hand

Hoffenheim.Der 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga war in der vergangenen Saison ein ganz besonderer für die TSG Hoffenheim. Damals, es war ein Freitagabend, spielte 1899 beim 1. FC Köln 1:1; damit war klar, dass sich der Kraichgau-Club erstmals für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert hatte. Knapp ein Jahr später sind erneut 30 Saisonspiele absolviert. Mit dem 2:0 gegen den Hamburger SV sprang die TSG auf Rang sechs der Tabelle und hält nun alle Trümpfe in der Hand, sich ein zweites Mal für internationale Begegnungen zu qualifizieren. Eine Bestandsaufnahme über eine bemerkenswerte Entwicklung.

Warum hätte die mögliche zweite Europapokalteilnahme der TSG einen höheren Stellenwert als die erste?

In der vergangenen Saison hatte Hoffenheim niemand auf der Rechnung. Zudem hatte die TSG in der aktuellen Spielzeit im Vergleich zum Vorjahr mit diversen Erschwernissen zu kämpfen: Mit Sebastian Rudy und Niklas Süle verließen zwei tragende Säulen die Mannschaft; im Winter mit Sandro Wagner ein „Charakterspieler“. 1899 hatte mit Champions-League-Qualifikation und Europa-League-Begegnungen insgesamt acht Partien mehr zu absolvieren als in der Runde 2016/17. Aus dieser Mehrbelastung resultierten viele Verletzungen. Serge Gnabry fiel in der Vorrunde, Kerem Demirbay in der Rückserie über Wochen aus; dazu steckte Andrej Kramaric lange in der Formkrise. Trainer Julian Nagelsmann würde eine zweite Europapokalteilnahme nicht als wertvoller, aber als „interessanter für die Erweiterung des Erfahrungsschatzes“ bezeichnen. „Das erste Mal war für den Club und die Region wertvoll“, so der 30-Jährige.

Was erhoffen sich Nagelsmann & Co. von einer zweiten Saison im internationalen Wettbewerb?

„Wir haben nach der ersten Teilnahme bestimmt Rückschlüsse gezogen und würden gerne überprüfen, ob sie richtig waren.“ Mit dieser Aussage zielt der Coach vor allem auf die Belastungssteuerung der Mannschaft ab, die „beim ersten Mal“ natürlich für fast alle Neuland war. Eine zweite Europa-League-Saison würde dem Trainerteam, aber auch dem gesamten Verein zeigen, ob man sich weiter entwickelt habe.

Welches sind die Gründe dafür, dass es nun deutlich besser läuft?

„Ich hatte immer den Eindruck, dass nur eine Kleinigkeit fehlt“, sagte Alexander Rosen, der Direktor Profifußball bei der TSG, nach dem 2:0-Erfolg gegen den Hamburger SV. Vor der Winterpause hatte Trainer Nagelsmann „versprochen“, dass die Mannschaft in der zweiten Halbserie wieder besser spielen würde, weil sie wieder mehr zusammen trainiere. Das hat eine Weile gedauert, aber jetzt sieht auch Alexander Rosen einen Grund für die Leistungssteigerung in dem Mehr an gemeinsamen Übungseinheiten: „Unsere Neuzugänge haben sich über Training entwickelt. Man sieht, welche Power wir jetzt zeigen können.“ Tatsächlich wirken die Spieler im Liga-Endspurt dynamischer, spritziger, schneller als noch in den Wintermonaten. Zudem wurde Nagelsmann bei Profis wie Dennis Geiger, Nico Schulz, Florian Grillitsch, Kevin Akpoguma und auch Gnabry seinem Ruf als „Bessermacher-Trainer“ wieder einmal gerecht. Dazu kommt, das Baustellen im Umfeld nun geschlossen sind: Von Geschäftsführer Sport Hansi Flick hat man sich getrennt, der Vertrag mit Demirbay ist verlängert.

Wie ist das Restprogramm zu beurteilen?

Die letzten vier Gegner in dieser Spielzeit heißen Leipzig (A), Hannover (H), Stuttgart (A) und Dortmund (H). Die Leipzig-Begegnung am kommenden Samstag wird einen entscheidenden Fingerzeig geben, ob Hoffenheim noch Fünfter oder sogar Vierter werden kann. Dazu müsste aber ein Sieg her. Die Tatsache, dass die Leipziger aufgrund der vielen Spiele müde sind, wird sich bis dahin relativiert haben, weil nun auch RB eine Woche lang Pause hat. Hannover und der VfB sind Gegner, welche die TSG in der augenblicklichen Verfassung schlagen müsste. Dann könnte es sogar auf ein echtes „Finale um Champions-League-Platz 4“ am letzten Spieltag gegen den BVB hinauslaufen.

Was ist bei der Kaderplanung zu beachten?

Vor allem in der Offensive muss nachgelegt werden. Mit den Abgängen von Mark Uth (12 Tore) und Serge Gnabry (9) fehlen der TSG schon jetzt die Torschützen für 21 Saisontreffer. Hier darf man auf die nötigen kreativen Lösungen gespannt sein, „weil wir keinen gestandenen Bundesliga-Spieler holen können“, so Trainer Julian Nagelsmann.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/1899

Zum Thema