1899 Hoffenheim

Fußball Stürmer David Otto zählt zu den Gewinnern der Hoffenheimer Saisonvorbereitung / Morgen letzter Test gegen Eibar

Auf dem Sprung nach oben

Zuzenhausen.David Ottos Augen leuchten, wenn er von seinen Vorbildern spricht. Über Fernando Torres etwa, den das Hoffenheimer Stürmertalent als Poster im Kinderzimmer an der Wand hängen hatte. Mittlerweile verkörpern für den 19-Jährigen aber Robert Lewandowski und Luis Suarez den idealen Stürmertyp, an dem er sich orientiert. „Der Kopf ist sehr entscheidend. Man muss sehr schnell sein im Denken, Selbstbewusstsein haben, clever in die Zweikämpfe gehen“, berichtet Otto, der zu den Gewinnern der Vorbereitung beim Champions-League-Teilnehmer aus dem Kraichgau zählt. „Ich picke mir die Dinge heraus, die mir helfen – zum Beispiel Laufwege und Abschlusssituationen.“

Bei der Saisoneröffnung der TSG 1899 morgen (15.30 Uhr) in der Rhein-Neckar-Arena wird er im abschließenden Test gegen den spanischen Erstligisten SD Eibar erneut versuchen, sich zu empfehlen. „Ich will Gas geben und mich weiter verbessern. Torinstinkt hatte ich schon immer. Mein Ziel ist es, diese Saison den einen oder anderen Einsatz zu bekommen“, gibt sich Otto kämpferisch. In den Testspielen gegen Heerenveen (8:2) und die Queens Park Rangers (2:2) steuerte der 1,85 Meter große Angreifer jeweils zwei Treffer bei – und auch im Trainingslager in Oberösterreich zeigte der Sohn eines Lehrer-Ehepaares seine Qualitäten. „David ist total offen und sehr gut erzogen. Er versteckt sich nicht und hat ein gutes Bild abgegeben“, lobt Trainer Julian Nagelsmann den Nachwuchstorjäger, der nach Dennis Geiger das nächste Eigengewächs werden könnte, das in der Bundesliga durchstartet. „Sein Beispiel zeigt, dass man als junger Profi die Möglichkeit auf einen Stammplatz hat“, zieht Otto daraus zusätzliche Motivation.

Große Belastungsprobe

Nagelsmann räumt derweil offen ein, kurz am Hochveranlagten gezweifelt zu haben. „Ich war mir nicht sicher, ob er es schon jetzt bei den Profis packt“, sagt der Coach und liefert prompt die Erklärung für diesen Gedankengang. „In der vergangenen Saison war David bei unserer U 19 Kapitän und der wichtigste Spieler, er hat Abitur gemacht, einen Profivertrag bis 2021 unterschrieben und mit den Profis trainiert. Das war für seine Festplatte einfach zu viel.“ Doch inzwischen hat der gebürtige Pforzheimer jede Menge Pluspunkte gesammelt. „Ich hoffe, dass er das Niveau mit in die Runde nimmt, dann wird er auch Einsatzzeiten kriegen“, erklärt Nagelsmann.

Otto wirkt absolut geerdet. Er ist ein intelligenter junger Mann (Abiturschnitt 1,8) und für sein Alter körperlich sehr robust. „Ich baue schnell Muskelmasse auf“, berichtet das Herausforderer der Etablierten und muss dabei lächeln, ehe er selbstbewusst ergänzt: „Ich traue mir zu, mit Joelinton, Adam Szalai und Ishak Beldofil mitzuhalten.“ Die Bodenhaftung verliert der Blondschopf dabei nicht, er besitzt einen klaren Blick auf seine Ausgangslage: „Ich muss auch realistisch bleiben. Wenn ich irgendwann mal in die Rotation im Angriff hineinrutsche, dann bin ich froh.“

Otto ist (noch) ein Lehrling, aber einer mit großem Potenzial. In der zurückliegenden Saison war der Angreifer Top-Scorer aller drei A-Jugend-Bundesliga-Staffeln und netzte in 22 Begegnungen 27 Mal ein. 14 weitere Treffer bereitete er vor. „Wenn man es schafft, in so eine Mannschaft wie Hoffenheim reinzukommen, dann kommt der Marktwert von allein“, kommentiert er die riesigen Ablösesummen in der Branche unaufgeregt.

Die Basis für eine Profikarriere wurde im heimischen Garten gelegt, in dem sein Vater zwei kleine Tore aufstellte. „Da habe ich immer nur mit Links geschossen“, erinnert sich Otto, der in Zuzenhausen in einer WG wohnt. Bis zur U 14 spielte Otto bei seinem Heimatverein, dem 1. FC 08 Birkenfeld. Danach hatte er die Wahl zwischen dem Karlsruher SC und Hoffenheim – und entschied sich für die TSG. Dort startete Otto in der U 17 richtig durch, nachdem er in zwei Jahren noch einmal 20 Zentimeter gewachsen war.

Profi-Debüt in Europa League

Am 7. Dezember 2017 feierte der Angreifer im bedeutungslosen Europa-League-Gruppenspiel gegen Ludogorets Rasgrad (1:1) seine Premiere bei den Profis. Jetzt hofft der 19-Jährige auf weitere Einsätze – in der Bundesliga und vielleicht sogar der Champions League. Einen Plan B hat der Senkrechtstarter trotzdem in der Tasche. „Ich kann mir auch vorstellen, Lehrer zu werden – wie meine Eltern“, verrät der 19-Jährige, der vorerst allerdings ganz andere Prioritäten setzt.