1899 Hoffenheim

Fußball TSG 1899 Hoffenheim hat „95 Prozent“ des Kaders beisammen / Gelassenheit trotz der Gerüchte um Kramaric

„Beim Mittagessen nicht nervös“

Garmisch-Partenkirchen.Wie zwei übermütige Schuljungen bolzten gestern Morgen Julian Nagelsmann und Alexander Rosen den Ball kreuz und quer über den Fußballplatz. Dabei wurde viel gelacht. Die Stimmung beim Coach und beim Direktor Profifußball der TSG Hoffenheim ist prächtig während des Trainingslagers in „Garmisch“. Die Laune beim Führungspersonal ist wohl auch deshalb so gut, weil die Kaderplanungen für die neue Saison weit fortgeschritten sind. „Unser Ziel war es, bis zum ersten Trainingslager 95 Prozent der Mannschaft zusammenzuhaben – und das haben wir“, sagte Rosen gestern.

Auch die erstmalige Qualifikation für die Champions League hat die TSG bei der Team-Zusammenstellung nicht in Aktionismus versetzt. Es wurden bis heute keine Stars eingekauft, sondern es wurde bei den Transfers weiter darauf geachtet, Spieler mit Entwicklungspotenzial zu holen. Doch wie stark ist der Kader der TSG für die Saison 2018/19 wirklich? Grundsätzlich denken Rosen und Nagelsmann eher über Abgänge des 33-köpfigen Kaders als über weitere Zugänge nach.

Torhüter: Oliver Baumann ist und bleibt die unumstrittene Nummer eins im Tor. Dahinter reihen sich der erfahrene Alexander Stolz und der junge Gregor Kobel ein. Damit ist die TSG erst einmal gut aufgestellt. Baumann gehörte in der vergangenen Saison zu den fünf besten Keepern der Bundesliga.

Abwehr: Mit Kevin Vogt, Benjamin Hübner, Kevin Akpoguma, Stefan Posch, Justin Hoogma, Ermin Bicakcic und Harvard Nordtveit ist das Team für eine Grundordnung mit Dreier-Abwehrreihe quantitativ gut besetzt. Für eine (seltenere) Ausrichtung mit Viererkette kämen noch Kaderabek, Steven Zuber, Nico Schulz und Neuzugang Joshua Brenet in Frage. Die letzten Vier können in einem 3-5-2 aber auch die Außenbahnen im Mittelfeld bekleiden. Vogt (zentral) und Hübner (links) sind in einer Dreierreihe gesetzt. Rechts hatte zuletzt Akpoguma die Nase vorne. Doch er bekommt von Norwegens Nationalspieler Nordtveit Konkurrenz. Auch Posch macht nach überstandener Schambeinentzündung einen guten Eindruck. Bicakcic hatte in der zurückliegenden Saison nur wenige Einsätze und seine Chancen sind nicht gestiegen. . .

Mittelfeld: Hier hat der Coach „tausend“ Möglichkeiten: Vier Mann auf einer Linie, Doppel-Sechs, einfacher zentraler defensiver Mittelfeldspieler mit zwei „Achtern“ und einem „Zehner“ und, und, und. Da Dennis Geiger und Lukas Rupp immer noch verletzt sind, wird Florian Grillitsch als „Sechser“ zunächst gesetzt sein, auch Kerem Demirbay ist Stammspieler. In einem 3-5-2 agierten zuletzt Schulz und Kaderabek auf den Außen so gut, dass ein Bankplatz für beide nur schwer vorzustellen ist. Die Neuzugänge Brenet (Eindhoven) und Pires (war zu Austria Wien verliehen) werden sich erst einmal hinten anstellen müssen. Den Konkurrenzkampf im offensiven Mittelfeld belebt haben hingegen Rückkehrer Vincenzo Grifo und der Ex-Kölner Leonardo Bittencourt.

Angriff: Die TSG erzielte in der vergangenen Saison hinter Meister Bayern München (92) die meisten Tore – 66. Nun haben die Kraichgauer mit Mark Uth (14 Treffer) und Serge Gnabry (10) zwei ihrer drei Top-Stürmer verloren. „Für uns hieß es jetzt aber nicht: wir haben Uth verloren, also brauchen wir auch wieder einen Uth“, sagte Alexander Rosen. Ishak Belfodil kam aus Bremen, der an Rapid Wien ausgeliehene Joelinton ist zurückgekehrt. Beide sind in ihrer Spielart allerdings ziemlich gleich: bullig und robust. Mit Adam Szalai hat man einen weiteren solchen Angreifer-Typen im Kader. Deshalb ist es gut möglich, dass Joelinton wieder ausgeliehen wird. „Wir sehen aber eine Chance, dass er sich auch hier durchsetzt“, sagte Rosen. Ähnliches gilt für den zuletzt an Bochum ausgeliehenen Philipp Ochs, der dort kaum Einsätze bekam. „In ihm steckt etwas. Doch er kann jetzt nicht noch ein Jahr nicht spielen“, stellte der der Manager klar. Alle Hoffnungen ruhen beim Toreschießen momentan auf WM-Halbfinalist Andrej Kramaric (13 Saisontreffer). Doch auch Rosen muss eingestehen: „Ich rechne mit einem Interesse am Markt bei ihm.“ Gut möglich, dass der Kroate den Hoffenheimer noch weggekauft wird. „Doch deshalb sitzen wir nicht nervös beim Mittagessen“, sagte Rosen. Er ließ zudem durchblicken, dass die TSG unabhängig von einem eventuellen Kramaric-Verkauf „immer noch finanziell Luft hat, um etwas zu tun“.