1899 Hoffenheim

Fußball 1899 Hoffenheim verliert 1:2 bei Ludogorets Rasgrad / Manager Rosen "langweilt" die Diskussion um Trainer Nagelsmann

Chancen-Wucher rächt sich

Archivartikel

Rasgrad.Als gestern Nachmittag die Meldung von der Trainer-Freistellung beim FC Bayern München in Rasgrad die Runde machte, geriet der eigentliche Grund der Hoffenheimer Reise dorthin, das Europa-League-Auswärtsspiel in Bulgarien, für ein paar Stunden in den Hintergrund. "Unser Trainer ist noch da", meldete sich Pressesprecher Holger Kliem humorvoll, nachdem ihn der Anruf dieser Zeitung erreicht hatte. Klar, Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann gilt, auch aufgrund eigener Aussagen, seit Monaten als einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf die Ancelotti-Nachfolge.

"Ich habe mich nicht damit beschäftigt. Die Medienabteilung hat alles von mir weggehalten, damit ich mich auf das Spiel konzentrieren kann. Ich war genau so aufgeregt wie vor jedem anderen Spiel", sagte Nagelsmann vor dem Anpfiff und schob nach: "Ich befasse mich nicht mit Spekulationen."

Gestern Abend gab es dann eine bittere Niederlage. Die TSG unterlag Rasgrad mit 1:2 (1:0). Dabei waren die Kraichgauer in ihrem ersten Europa-League-Auswärtsspiel bereits in der zweiten Minute in Führung gegangen: Kaderabek eroberte engagiert den Ball im Mittelfeld, schickte Uth auf dem Flügel und sprintete selbst in den Strafraum, wo er vom Stürmer wieder bedient wurde und den Ball zum 1:0 über die Linie drückte. Weiter ging es: Uth lief alleine auf Torhüter Broun zu, doch anstatt selbst zu schießen, wollte er quer auf Kramaric legen - allerdings machte er das viel zu schlampig (16.). Rasgrad hatte zwei Chancen im ersten Durchgang: Abel schoss aus etwa acht Metern vorbei (19.), und in der 42. Minute lenkte Baumann einen Schuss von Natanael gerade noch über die Latte.

Profi-Debüt von Posch

Insgesamt hatte "Hoffe" das Spiel im Griff. Gefährlich wurde es nur, wenn Lukoki auf der rechten Außenbahn seine Sprints anzog. Doch Schulz stellte sich mit zunehmender Spieldauer besser darauf ein. Ordentlich präsentierte sich auch Debütant Stefan Posch auf der linken Seite der Dreierkette. Die übrigen "Bubis", die Nagelsmann aufgrund von neun Ausfällen mit nach Rasgrad genommen hatte (wir berichteten) nahmen zunächst einmal auf der Bank Platz.

Noch schneller als "Hoffe" in der ersten Hälfte machte Rasgrad im zweiten Durchgang das 1:1: Nicht einmal eine Minute war gespielt, als der Schuss von Dyakov fies vor Baumann auftischte und im TSG-Tor einschlug. Doch schon im Gegenzug hätte Rupp das 2:1 für die Gäste machen müssen, als er aus zehn Metern freistehend dem Ludogorets-Keeper in die Arme statt ins Tor schoss (48.). Das Spiel war nun deutlich offener, und erneut war es Rupp, der eine Riesen-Möglichkeit vergab; dieses Mal hielt Broun allerdings stark (67.).

Dieser Chancen-Wucher sollte sich, wie schon im ersten Gruppenspiel gegen Braga rächen, denn in der 71. Minute ballerte Lukoki den Ball sehenswert vom Strafraumeck zum 2:1 in den Winkel. Die TSG Hoffenheim hatte erneut eine Führung aus der Hand gegeben und schaffte es im Schlussspurt auch nicht mehr, zumindest noch den ersten "europäischen Punkt" zu ergattern

Übrigens: Konkreter als der Trainer wurde Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen, der einen Abgang Nagelsmanns zu den Münchnern fast schon kategorisch aus. "Die Gefahr ist so gering, ich kann gar nicht sagen, wie gering sie ist", äußerte der Sportchef: "Ich würde ja sagen, dass mich das Thema nervt. Aber das tut es nicht mal. Es langweilt mich einfach nur." Das Thema wird das Hoffenheimer Umfeld aber sicher noch weiter beschäftigen. . .