1899 Hoffenheim

Fußball Hoffenheims Nadiem Amiri räumt Fehler ein und träumt vom Sprung in die A-Nationalmannschaft

Das Edeltalent zieht Lehren

Garmisch-Partenkirchen.Nadiem Amiri fällt auf in diesen ersten Tagen des Hoffenheimer Trainingslagers in Garmisch-Partenkirchen. Der Offensivspieler haut sich in jeder Einheit voll rein. Er bietet sich immer an, geht keinem Zweikampf aus dem Weg, und wenn er den Ball am Fuß hat, geht es volle Pulle in Richtung Tor. „Ein geiles Jahr wird kommen. Deshalb muss ich in jedem Training an meine Grenzen gehen, um mich zu entwickeln“, sagt der 21-jährige Fußballprofi aus Ludwigshafen.

Rückblende: Auch in die vergangene Saison ging der TSG-Offensivspieler mit großen Ambitionen. Als frischgebackener U-21-Europameister verkürzte er sogar seinen Urlaub, um früher am Hoffenheimer Mannschaftstraining teilnehmen zu können. „Doch das war ein Fehler. Als junger Spieler macht man eben Fehler“, berichtet Amiri am Fuße der Zugspitze. Körperlich kam der Hoffnungsträger nie ans Maximum, deshalb spielte er nicht regelmäßig.

Trotzdem gab es von Januar bis Mitte Mai Gerüchte um einen vorzeitigen Wechsel des Dribblers, der sich auch bei einer Fußverletzung zu spät behandeln ließ. Angeblich sollen Schalke, Leipzig und Tottenham die Fühler nach Nadiem Amiri ausgestreckt haben, schließt besaß der Deutsch-Afghane zum 30. Juni 2018 eine Ausstiegsklausel. Ablösesummen von bis zu 20 Millionen Euro waberten durch den Kraichgau. Doch Ende Mai entschied sich der 21-Jährige ganz bewusst für einen Verbleib bei der TSG. Ein wichtiger Grund war die Qualifikation für die Champions League.

Yoga als Hilfe

„Das ist natürlich ein Traum“, betont Amiri. Und deshalb schuftet er hart. Bereits im Urlaub, so versichert der Profi, habe er viele Läufe absolviert. Dazu hat er Yoga gemacht. „Das tut mir gut“, verrät der frühere Jugendspieler des SV Waldhof. Bereits in der vergangenen Spielzeit habe dies der Verein zur Regeneration angeboten. Sein Ex-Teamkollege und Kumpel Serge Gnabry habe ihm damals zugeraten.

Doch nicht nur die Champions League war ein Grund für den Verbleib bei 1899 Hoffenheim, sondern auch Trainer Julian Nagelsmann, mit dem Amiri bereits in der U 19 zusammenarbeitete – und Deutscher Meister wurde. Voller Respekt spricht er noch heute von „Herr Nagelsmann“. Auch für ihn, den Coach, in dessen letztem Jahr bei der TSG, will er alles geben. Hoffenheims Nummer 18 vertraut auf die „Bessermacher-Qualitäten“ des Trainers.

Doch in welchem Bereich will er seine Leistung vor allem optimieren? Amiri grinst: „In allen. Effektiver muss ich auch werden.“ Er hat aber während der Trainingsspielchen im Stadion „Am Gröben“ nicht nur den Vorwärtsgang eingeschaltet, sondern wetzt auch eifrig mit zurück, wenn seine Mannschaft den Ball verloren hat. Das Defensivverhalten des Offensivspielers war es vor allem, das Nagelsmann in der Vergangenheit oft bemängelt hatte.

Nun ist es aber nicht so, dass man bei der TSG uneingeschränkt auf die Entwicklung des Edeltalents setzt: Mit Vincenco Grifo und Leonardo Bittencourt wurden zwei weitere Offensivspieler mit ähnlicher Positionsdefinition wie Amiri verpflichtet. Doch deshalb hat sich der 21-Jährige nicht beleidigt in sein Schneckenhaus zurückgezogen: „Dieser Konkurrenzkampf freut mich. Es sind beides Topspieler, die uns weiterbringen werden.“

U-21-EM als Sprungbrett

Weiter als diese Saison schaut er übrigens auch schon: „Bei der U-21-EM im nächsten Sommer will ich vorangehen.“ Amiri weiß, dass der Schiffbruch der A-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft auch eine Chance für ihn sein könnte. Schließlich muss Bundestrainer Joachim Löw neu aufbauen. „Von Hoffnung möchte ich nicht sprechen. Aber es wäre ein Traum für mich, einmal für Deutschland zu spielen“, unterstreicht der U-21-Europameister.

Gestern Nachmittag hatte die Mannschaft frei. Nur das Trainer- und Funktionsteam ging am „Alpspitz“ klettern. „Das wäre eh nichts für mich. Ich regeneriere mich“, berichtet Amiri und radelt von dannen. Anscheinend hat er wirklich seine Lehren gezogen…