1899 Hoffenheim

Fußball Kraichgauer feiern als Bundesliga-Dritter die erstmalige Qualifikation für die Champions League / Kölner Bittencourt erster Neuzugang

„Das ist für die TSG Hoffenheim wie eine Meisterschaft“

Archivartikel

Zuzenhausen.Julian Nagelsmann war mitten in seinem Statement zur erstmaligen Champions-League-Qualifikation der TSG Hoffenheim, als seine Spieler mit Kapitän Kevin Vogt an der Spitze mit lauten „Europapokal“-Gesängen in die Pressekonferenz platzten. Sie enterten das Podium und verpassten dem Erfolgstrainer eine Bierdusche. Der 30-Jährige, der zuvor schon auf dem Rasen kräftig mitgefeiert hatte, quittierte die Aktion mit einem Lächeln und setzte seine Analyse nach dem 3:1-Heimsieg über Borussia Dortmund am letzten Bundesliga-Spieltag fort als wäre er noch trocken.

„Wir hatten eine sehr unruhige Saison, die durch die vielen Gerüchte um meine Person auch für mich sehr kompliziert war. Es ist unfassbar, dass wir noch Dritter geworden sind. Diese Platzierung ist historisch für diesen Club und wie eine Meisterschaft“, bilanzierte der überglückliche Nagelsmann. Nach der Party in der Rhein-Neckar-Arena feierte die TSG mit allen Clubmitarbeitern in Heidelberg bis tief in die Nacht. Zu den letzten Gästen gehörte – in weißem Hemd und in Hose mit rotem Schottenmuster – der Chefcoach. Getanzt wurde auch zur Champions-League-Hymne.

Hopp gratuliert in der Kabine

Erster Gratulant in der Kabine war Mäzen Dietmar Hopp. „Das Erreichen der Champions-League-Gruppenphase ist das fünfte Wunder von Hoffenheim. Ich bin unglaublich stolz auf diesen kleinen, aber immer weiter wachsenden Verein und diesen Erfolg. Wir sind Dritter in der Bundesliga. Als wir auf Rang neun standen, fehlte uns oft das Spielglück. Julian Nagelsmann hat im Anschluss eine Formel gefunden, um alles aus den Spielern herauszuholen.“ Mit vielen Einzelgesprächen stärkte der Coach, der das positive Denken vorlebt, Schritt für Schritt das Selbstvertrauen seiner Profis – und behob damit mit der Chancenverwertung auch die lange Zeit größte Schwäche. „Nagelsmann ist ein sehr guter Trainer, der mich weitergebracht hat. Ich bin ihm sehr dankbar“, sagte Stürmer Mark Uth, der zu Schalke wechselt. Nagelsmann gab die Blumen umgehend zurück: „Der Geist in dieser Mannschaft ist einfach außergewöhnlich. Wir haben Platz drei vor zwei Wochen als Ziel ausgegeben – und das geschafft.“

Nico Schulz, der in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Torjäger Andrej Kramaric den größten Leistungssatz machte, nannte für die anstehenden Aufgaben in der Königsklasse wie Nadiem Amiri Real Madrid als Wunschgegner. „Da will jeder einmal spielen“, betonte der Ex-Gladbacher. „Das werden tolle Herausforderungen“, schwärmte Nagelsmann mit Blick auf die potenziellen Gegner. „Ob es dazu reicht, in Barcelona oder bei Manchester City zu gewinnen, weiß ich nicht.“ Die Kraichgauer genossen den emotionalen Moment. Spätestens nach dem Urlaub wird sich der Blick der Profis aber wieder nach vorne richten. „Die nächste Saison wird vielleicht noch härter als diese“, prophezeite Kramaric – der gegen Dortmund neben Adam Szalai und Pavel Kaderabek die TSG-Treffer erzielte – schon einmal. Der Angreifer wird mit großer Wahrscheinlichkeit zum kroatischen WM-Kader gehören.

Für Manager Alexander Rosen („Mir fehlen fast die Superlative“) hat die Arbeit am neuen Kader längst begonnen. Uth, Serge Gnabry (Bayern-Leihe endet) und Routinier Eugen Polanski wurden am Samstag verabschiedet. In der Offensive muss Hoffenheim nachlegen – und auch im Mittelfeld besteht durch den Kreuzbandriss von Lukas Rupp Handlungsbedarf. Als Wechselkandidat gilt Amiri, der in seinem bis 2020 datierten Vertrag eine Ausstiegsklausel stehen hat. „Treue-Bekenntnisse mache ich nicht. Erstmal feiern, Urlaub – dann sehen wir weiter“, sagte der Ludwigshafener, der auf dem Fanzaun die „Humba“ anstimmte.

Der Transfer des Kölner Stürmers Leonardo Bittencourt für eine Ablösesumme von sechs Millionen Euro steht laut „kicker“ bereits fest. Als mögliche weitere Zugänge werden Max Meyer (Schalke) und Alfred Finnbogason (FC Augsburg) gehandelt. Bei Zusatzeinnahmen von mindestens 30 Millionen Euro durch die Champions League hat die TSG ein sehr gutes Blatt in der Hand.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/hoffenheim

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