1899 Hoffenheim

Fußball Nach dem 2:3 gegen Donezk bleibt Hoffenheim nur noch eine Mini-Chance auf die Europa League

Der Frust bricht sich Bahn

Archivartikel

Sinsheim.Es war schon nach Mitternacht, als ein paar enttäuschte Hoffenheim-Fans nach dem Champions-League-Spiel gegen Donezk das Stadion verließen. Als die Diskussionen über die Gründe für die TSG-Niederlage erörtert waren, sagte einer: „Ein geiles Spiel war es trotzdem.“ Die Betonung lag auf „trotzdem“, denn wieder einmal war es dem Bundesligisten trotz einer teils beeindruckenden Leistung nicht gelungen, den ersten Sieg in der Königsklasse des Fußballs einzufahren. Schlimmer noch: In der Nachspielzeit verlor 1899 die Begegnung gegen die Ukrainer noch mit 2:3 und hat damit keine Chance mehr auf die K.o.-Phase in der Champions League.

„Brutal“, nannte es Trainer Julian Nagelsmann, der sich nach dem Spiel mit der Frage konfrontiert sah, ob es in der hochturbulenten Schlussphase nicht sinnvoller gewesen wäre, lieber das 2:2 mitzunehmen, als bedingungslos auf Sieg zu spielen, um sich mit dem angestrebten Premieren-Dreier die Chance aufs Weiterkommen zu erhalten. Mit solch einem Punktgewinn hätte man zumindest die bessere Ausgangsposition besessen, um am letzten Gruppenspieltag zumindest noch in die Europa League einzuziehen. Für TSG-Profi Steven Zuber lag das auf der Hand: „Man hätte sich am Ende überlegen können, nicht lieber das 2:2 zu nehmen.“

„Ich will alles gewinnen“

Für Hoffenheims Trainer war das keine Option. Und gewiss lag es nicht nur an dem Energie-Getränk, das er während der Pressekonferenz schlürfte, dass er bei seiner Antwort voll aus sich heraus ging: „Die beste Verteidigung ist Angriff. Es ist ein völliger Trugschluss, zu sagen, ich sichere jetzt das 2:2, indem ich mich mit zehn Mann hinten reinstelle. In Donezk standen wir auch hinten drin und haben das Spiel aus der Hand gegeben. In Berlin haben wir uns auch hinten reingestellt und gar nichts verteidigt. Ich will gewinnen. Diese Unentschieden gehen mir voll auf den Sack. Ich will gewinnen, ich will immer gewinnen, jedes Spiel. Ich will sogar Darts gegen meinen Analysten gewinnen, ich will alles gewinnen. Auch gegen Schachtar wollte ich gewinnen.“ Zudem habe man das 3:2 und 4:2 machen müssen, „dann hätte Donezk auf keinen Fall gewonnen“.

Diese emotional-trotzigen Sätze des vom Ehrgeiz getriebenen Trainers waren im Grunde, bewusst oder unbewusst, eine Rundumanalyse dafür, warum Hoffenheim nicht gut genug für das Achtelfinale in der Königsklasse ist: Es sind fehlende Balance, eine gewisse Naivität und in vielen Fällen auch ein Qualitäts-Defizit, das die TSG scheitern ließ. Bei all dem spektakulären Hurra in der Offensive fehlte zu oft die defensive Absicherung, so dass Ballverluste im Mittelfeld in der letzten Reihe nicht mehr ausgebügelt werden konnten.

So auch beim 0:2 gegen Donezk, als der Ball nach einem einfachen Fehlpass von Nico Schulz nicht mehr verteidigt werden konnte. Beim „Todesstoß“, wie es Torhüter Oliver Baumann nannte, dem 2:3 in der Nachspielzeit, paarten sich zum wiederholten Mal Naivität mit fehlender Qualität.

Das ist der „tödliche“ Mix, mit dem die TSG in fünf Champions-League-Spielen satte zwölf Gegentore kassiert hat. „Wir hatten sieben Spieler hinten, es war eigentlich eine einfach zu verteidigende Situation“, legte Nagelsmann den Finger in die Wunde.

Auch die Offensive stotterte: Beim Stand von 2:2 vergaben Schulz (79.) und Reiss Nelson (81.) zwei solch klare Chancen, die man auf europäischem Spitzen-Niveau einfach machen muss. Es ehrt die TSG, dass sie sich diese Möglichkeiten auch in Unterzahl erspielte, da Adam Szalai nach zwei Fouls binnen 120 Sekunden die Gelb-Rote Karte gesehen hatte, doch was blieb ihr angesichts dieser Alles-oder-Nichts-Ausgangssituation auch anderes übrig, als alles zu riskieren. „Ich will auch bei Man City gewinnen“, sagte Trainer Nagelsmann in all seiner Emotion.

Solch ein Sieg beim Schwergewicht aus England ist Pflicht, um sich die Mini-Chance auf zumindest den Einzug in die erste K.o.-Runde der Europa League noch zu wahren. Damit dies noch Realität wird, müsste Donezk in zwei Wochen gleichzeitig daheim gegen Lyon verlieren. Nach all dem bisher Gesehenen ist das allerdings ein kaum vorstellbares Szenario.

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