1899 Hoffenheim

Dicke Luft in Hoffenheim: Trainer Nagelsmann rügt Einstellung

Sinsheim. Julian Nagelsmann holte kurz Luft, dann setzte der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim zu einer krachenden Generalabrechnung mit seiner Mannschaft an. "Die Champions League können wir erst einmal aus den Köpfen streichen", polterte Nagelsmann nach dem erschreckend schwachen Auftritt beim glücklichen 1:1 (1:0) gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und legte sogleich nach: "Es ist vielleicht auch gut für den einen oder anderen, dass wir da nicht in falschen Sphären herum schwirren. Wir sind jetzt auf Platz acht. Viel besser haben wir in den vergangenen Wochen - was die Ergebnisse angeht - auch nicht geliefert und heute - was die Performance angeht - auch nicht." Rumms, das hatte gesessen!

Einmal in Fahrt, war Nagelsmann kaum zu bremsen. Der Frust, der sich in den 90 Minuten zuvor mehr und mehr aufgestaut hatte, musste raus. "Wir sind unheimlich träge und schläfrig ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit waren wir fast gar nicht mehr präsent", kritisierte der 31-Jährige und stellte fest: "Es war ein ganz schwaches Spiel. Wir haben es sehr, sehr schlecht gemacht." Das Remis nach Toren von Andrej Kramaric (16. Minute/Foulelfmeter) und Rouwen Hennings (46.) war daher nicht einmal verdient.

Dabei wähnte sich die TSG nach dem 4:2-Sieg beim SC Freiburg in der Vorwoche auf dem richtigen Weg. Doch der Erfolg im Baden-Derby der Fußball-Bundesliga hatte offenbar für Selbstzufriedenheit statt Selbstvertrauen gesorgt. Was Nagelsmann zu einer weiteren öffentlichen Rüge veranlasste. "Wir sind schlecht in die Woche gestartet, nicht mit der nötigen Power, um in der Bundesliga gut zu spielen und Spiele zu gewinnen", berichtete der TSG-Trainer von einer mangelnden Einstellung im Training.

Eine deutliche Kabinen-Ansprache des Trainers unter der Woche verfehlte ihre Wirkung - seine Mannschaft enttäuschte gegen den Aufsteiger auf ganzer Linie. "Wir sind alle komplett unzufrieden. Das war gefühlt unser schlechtestes Saisonspiel", sagte Torwart Oliver Baumann - an diesem Tag der einzige Hoffenheimer mit Normalform.

Nadiem Amiri wurde noch deutlicher. "Mit so einer Leistung müssen wir gar nicht nach oben gucken, sondern erst mal an den normalen Sachen arbeiten - dass wir mit der richtigen Mentalität auftreten." Und dann gab es noch eine versteckte Kritik am Trainer, der den Mittelfeldspieler nach gut einer Stunde ausgewechselt hatte. "Mir wurde die Chance genommen, das Spiel zu entscheiden. Ich war einer der wenigen, der was probiert hat. Deshalb war ich sauer", schimpfte Amiri. "Aber ich muss das natürlich akzeptieren und weiter Gas geben."

Es liegt also einiges im Argen im Kraichgau, wo sich Nagelsmann im Sommer gerne mit dem Einzug in einen internationalen Wettbewerb gen Leipzig verabschieden will. Momentan sieht es danach jedoch nicht aus. "Wir haben unsere Ambitionen in keiner Weise untermauert", sagte der TSG-Trainer und kündigte an: "Es wird sicher noch einmal eine entsprechende Ansprache geben."

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