1899 Hoffenheim

Fußball Sebastian Rudy spielt bei seiner Rückkehr nach Hoffenheim, als sei er nie fort gewesen / 1:2 im letzten Test gegen Sevilla

Die Turbo-Integration

Sinsheim.Das große Missverständnis endete letztlich doch überraschend schnell. Noch vor zwei Monaten hatte Sebastian Rudy in einem Interview auf einen Neustart in Königsblau gesetzt. „Ich werde in der kommenden Saison für Schalke auflaufen, das kann ich versichern“, sagte der 29-Jährige dem Sportportal „Goal.com“. In der vergangenen Woche ging dennoch alles ganz flott: Ausleihe zu seinem Ex-Verein Hoffenheim, Medizincheck, am Samstag stand Rudy schon in der Startelf im letzten Testspiel der TSG gegen den spanischen Top-Club FC Sevilla (1:2).

„Er fühlt sich hier heimisch. Sebastian war fit, hat bei Schalke alle Einheiten in der Vorbereitung mitgemacht. Da sieht man außerdem die Erfahrung von so einem Spieler, dass er das locker hinbekommt“, begründete der neue Hoffenheimer Trainer Alfred Schreuder die Turbo-Integration des früheren Nationalspielers an seiner alten Wirkungsstätte im Kraichgau. Denn Rudy wirkte gegen Sevilla, als habe es die vergangenen beiden Jahre beim FC Bayern und in Gelsenkirchen gar nicht gegeben. Er fügte sich neben Florian Grillitsch und Dennis Geiger sofort ins Mittelfeld der Kraichgauer, ließ sogar alte Stärken aufblitzen, die bei der völlig missratenen Episode auf Schalke komplett verschüttet gegangen schienen. „Er hat viel Erfahrung, sehr viel Ruhe am Ball, ist aggressiv ohne Ball. Sebastian ist schon ein wichtiger Spieler für uns. Nur in den letzten 15 Minuten war er ein bisschen müde“, lobte Schreuder den Rückkehrer.

Am Samstag nach Würzburg

Rudy steht für Stabilität – und ist damit genau das, was diese Hoffenheimer Mannschaft nach dem Umbruch des Sommers dringend benötigt. Gegen Sevilla standen mit Torhüter Oliver Baumann, Innenverteidiger Benjamin Hübner und dem Tschechen Pavel Kaderabek auf der rechten Außenbahn nur noch drei Stammspieler aus der Vorsaison in der Startformation. Dafür funktionierte das Zusammenspiel im ersten Abschnitt der Generalprobe jedoch erstaunlich gut. Vincenzo Grifo verwandelte einen Handelfmeter zum 1:0 (30.), danach drehten die vom ehemaligen Real-Coach Julen Lopetegui trainierten Sevillaner auf und kamen durch ein Eigentor von Benjamin Hübner (39.) und einen Treffer von Ever Banego (50.) noch zu einem 2:1-Erfolg. Rudy, der schon zwischen 2010 und 2017 in Sinsheim gespielt hat, war mit seinem Comeback dennoch zufrieden: „Ich konnte es kaum abwarten, wieder hier zu spielen. Die Fans haben mich super empfangen. Ich versuche, in diesem gewohnten Umfeld wieder an meine alten Leistungen heranzukommen.“

Auch TSG-Trainer Schreuder zeigte sich mit dem Auftritt im letzten Härtetest vor der ersten DFB-Pokal-Runde am Samstag (18.30 Uhr) bei Drittligist Würzburger Kickers dennoch weitgehend einverstanden. „Nächste Woche wird es interessant. Mit der Entwicklung der Mannschaft bin ich zufrieden. Man hat gesehen, wie viele Chancen wir uns in der ersten Halbzeit herausgespielt haben“, sagte der Niederländer.

Bis zum Start in Pokal und eine Woche später in der Liga dürften sich auch seine personellen Variationsmöglichkeiten wieder erheblich vergrößert haben. Gegen Sevilla fehlten unter anderem Andrej Kramaric, Kevin Vogt, Ishak Belfodil, Adam Szalai und Leo Bittencourt im Aufgebot. Sein Debüt feierte hingegen der ebenfalls unter der Woche verpflichtete dänische Torschützenkönig Robert Skov, der aber genau wie Ihlas Bebou im Sturmzentrum noch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. „Es sind noch viele Sachen, die wir verbessern können“, sagte Schreuder nur.