1899 Hoffenheim

Fußball Die TSG Hoffenheim hat durch ihre Erfolgsserie im Bundesliga-Endspurt wieder realistische Champions-League-Chancen

Die Überflieger

Archivartikel

Zuzenhausen.Die TSG Hoffenheim ist die Mannschaft der Stunde in der Fußball-Bundesliga. Die Kraichgauer haben in den vergangenen sechs Spielen 16 Punkte geholt (fünf Siege/ein Unentschieden) und sind damit auf den sechsten Tabellenplatz geklettert. Plötzlich ist im Endspurt sogar die Champions League möglich. In der folgenden Analyse beurteilen wir die Chancen des Teams von Trainer Julian Nagelsmann in den verbleibenden vier Partien.

Die Ausgangslage: Hoffenheim belegt mit 50 Punkten aktuell den sechsten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Eintracht Frankfurt, das als Vierter den letzten Champions-League-Rang einnimmt, liegt nur noch drei Zähler vor den Kraichgauern. Die Tordifferenz der TSG ist um einen Treffer besser. Der Fünfte Borussia Mönchengladbach rangiert einen Punkt vor Hoffenheim. Leverkusen (48), Bremen (46) und Wolfsburg (46) befinden sich im Kampf um das Ticket für Europa in Lauerstellung.

Die Formkurve: Die TSG verfügt durch ihren Lauf über das größte Selbstvertrauen. Mönchengladbach konnte auch nach der Bekanntgabe des Trainerwechsels im Sommer (Marco Rose für Dieter Hecking) nicht überzeugen. Die Leistungen waren wechselhaft. Zuletzt gab es eine 1:2-Heimniederlage im Schlüsselspiel gegen Leipzig. Kapitän Lars Stindl fällt nach seinem Schienbeinbruch für den Rest der Runde aus. Die Eintracht zieht ihre Energie aus der Europa-League-Euphorie, doch das Erreichen des Halbfinales gegen den FC Chelsea hat viel Kraft gekostet. Das zeigte das jüngste 1:1 in Wolfsburg, davor ging das Heimspiel gegen Augsburg 1:3 verloren.

Das Restprogramm: Hoffenheim trifft noch auf die direkten Kontrahenten aus Wolfsburg (Sonntag), Mönchengladbach (4. Mai/auswärts) und Bremen (11. Mai). Am letzten Spieltag steht das Match bei Mainz 05 auf dem Programm. Frankfurt empfängt am Wochenende Hertha BSC, danach folgen das Spiel in Leverkusen sowie das Rhein-Main-Derby gegen Mainz. Der Schlussakt steigt bei Bayern München. Mönchengladbach gastiert am Samstag in Stuttgart, ehe es zum Duell mit Hoffenheim kommt. Am 33. Spieltag geht es nach Nürnberg, am 34. kommt Dortmund an den Niederrhein.

Psychologischer Vorteil: Die Kraichgauer haben in den bisherigen 13 Rückrunden-Spielen 25 Punkte geholt – das sind genauso viele wie in der kompletten Hinserie. Ein Grund für den Leistungssprung könnte die Bekanntgabe von Alfred Schreuder als Nachfolger von Nagelsmann sein. Zumindest wirken die Profis seitdem im Kopf freier. Ein anderer ist, dass die Mannschaft ihrem Erfolgscoach einen schönen Abschied bereiten möchte, das betonen die Spieler immer wieder und sprechen nach Siegen von „Geschenken“ für ihren Förderer. Mit jedem Sieg steigt zudem das Selbstvertrauen – und auch die Torquote (18 Treffer in den vergangenen sechs Partien bei fünf Gegentoren) stimmt endlich.

Hoffenheimer Erfolgsfaktoren: Auf dem Platz fällt auf, dass die TSG-Defensive wesentlich stabiler steht und das Aufbauspiel präziser ist. Das liegt vor allem an der Rückkehr von Kapitän Kevin Vogt und seinem Vize Benjamin Hübner. Beide haben in einem für sie persönlich schwierigen Jahr rechtzeitig ihre Krisen überwunden. Im Mittelfeld harmonieren die Taktgeber Kerem Demirbay und Florian Grillitsch prächtig, wovon vor allem die Torjäger Andrej Kramaric und Ishak Belfodil profitieren. Ihre Leistungsexplosion lässt die Verletzung von Joelinton untergehen. Kramaric hat in 26 Liga-Spielen 16 Mal getroffen – davon in der Rückrunde allein zehn Mal. Belfodil kommt in 24 Partien auf 15 Treffer – in der Rückserie gelangen dem algerischen Nationalstürmer elf Tore. Zuletzt sorgte außerdem der Ludwigshafener Nadiem Amiri wieder verstärkt für Torgefahr aus dem offensiven Mittelfeld.

Prognose: Die TSG Hoffenheim hat in der aktuellen Verfassung sehr gute Karten ihr Ziel, zum dritten Mal in Folge in Europa aufzulaufen, zu erreichen. Durch den Einzug des FC Bayern und von Leipzig ins DFB-Pokalfinale reicht dafür jetzt sogar Platz sieben. Die Europa League ist also greifbar – doch das Team will mehr. „Natürlich hoffe ich darauf, dass wir noch die Champions League erreichen. Die anderen Mannschaften haben aktuell einige Probleme. Wenn wir so spielen wie zuletzt und mehr Glück auf dem Platz haben als zu Saisonbeginn, dann ist in dieser Spielzeit noch etwas möglich“, betont Kramaric. Die Tabellenkonstellation verspricht Spannung bis zum letzten Spieltag.