1899 Hoffenheim

„Eine Revolution hat stattgefunden“

Daniel Memmert, Studiengangsleiter Spielanalyse der Sporthochschule Köln

Herr Memmert, welche Bedeutung hat die Spielanalyse heutzutage im Profifußball?

Daniel Memmert: Eine herausragende. Jeder Bundesligaverein hat inzwischen mindestens zwei Spielanalysten. Und die werden immer häufiger als Co-Trainer geführt, was ihre Stellung deutlich aufwertet. Wie wichtig sie sind, sieht man auch daran, dass viele Trainer bei einem Vereinswechsel nicht nur ihre Co-Trainer mitnehmen, sondern auch ihre Analysten – wie Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann.

Wie hat sich die Spielanalyse in den letzten Jahren verändert?

Memmert: Es hat eine Art Revolution stattgefunden, weil wir viel mehr Daten haben und diese mit Hilfe von Computerprogrammen deutlich besser analysiert werden können. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Positionsdaten. Sie zeigen an, wo ein Spieler sich auf dem Feld befindet – und das jeweils mit Bezug zum Ball und zu den gegnerischen Spielern.

Was bringt das?

Memmert: Damit kann man tiefer in das Spiel eindringen und den Fußball besser verstehen. So werden Muster sichtbar, etwa wie eine Mannschaft ihre linke Seite verteidigt. Zudem gewinnt man weitere komplexere Parameter wie Raumkontrolle: Wir können in Sekundenschnelle erkennen, welche Räume auf dem Feld ein Spieler kontrolliert, also in welchem Bereich er als Erster am Ball wäre. Das ist vor allem im Angriffsdrittel interessant. Denn daraus können wir ableiten, wie erfolgreich einzelne Aktionen vermutlich sein werden. Diese kann man dann im Vorfeld trainieren – was die Wahrscheinlichkeit erhöht, Tore zu erzielen und Spiele zu gewinnen. mig (Bild: Beele)

Das Interview wurde telefonisch geführt und zur Autorisierung vorgelegt