1899 Hoffenheim

Fußball Bei der TSG Hoffenheim gibt es einige Baustellen, die bearbeitet werden müssen – doch 13 Profis sind auf Länderspielreise

Großes Effizienzproblem

Zuzenhausen.Drei Heimniederlagen innerhalb von einer Woche schlagen deutlich auf das Gemüt. „Aktuell haben wir die Qualität nicht so, dass wir die Spiele gewinnen“, kommentierte Julian Nagelsmann die für ihn ungewohnte Situation als Trainer der TSG Hoffenheim. Der überaus ehrgeizige 31-Jährige wirkt zunehmend genervt und gereizt. Durch das jüngste 1:2 gegen Eintracht Frankfurt sind die Kraichgauer in der Bundesliga-Tabelle auf Platz 13 abgerutscht. Mit bislang sieben Punkten auf dem Konto sind die Abstiegsplätze nur zwei Zähler entfernt – und auch in der Champions League konnte in den Duellen mit Donezk sowie Manchester City erst ein Punkt eingefahren werden.

„Jeder, der von Glück spricht, ist immer in der Opferrolle. Und da begebe ich mich sehr, sehr selten und sehr ungern rein“, will Nagelsmann keine Entschuldigungen gelten lassen und selbst Lösungsansätze finden. Seine größten Baustellen sind die fehlende Effizienz im Angriff und die Abschlussschwäche der Mittelfeldspieler. „Der Gegner kommt mit sehr wenigen Chancen zu meist doppelt so vielen Toren wie wir mit sehr vielen Chancen“, bemängelt der Trainer. „Es ist am Ende so, dass wir die Qualität in Tore ummünzen müssen.“ Andrej Kramaric ließ beim 1:2 in Düsseldorf eine Großchance leichtfertig liegen, Ishak Belfodil beim 1:1 im Duell mit Dortmund. Das sind nur zwei Beispiele. Vize-Weltmeister Kramaric läuft seiner Form WM-bedingt hinterher, kam gegen die Eintracht gar nicht erst zum Einsatz. Joelinton zeigt sehr gute Ansätze, hat in sieben Ligaspielen aber erst einmal getroffen. Belfodil (5 Spiele/1 Tor) und Adam Szalai (7/3) wirken momentan ebenfalls überspielt. Hoffnung macht dafür Reiss Nelson. Die 19-jährige Leihgabe von Arsenal London hat als Joker schon für Schwung gesorgt und bereits zwei Mal getroffen. Die fehlende Torgefahr der Mittelfeldspieler ist ein weiteres Problemfeld. In der Bundesliga gelang Kerem Demirbay, Florian Grillitsch und Co. kein einziger Treffer. Nadiem Amiri braucht nach seiner Mittelfuß-Operation zwar keine Krücken mehr, eine Rückkehr wird aber noch dauern. Daher stehen Demirbay und Leonardo Bittencourt – der ebenfalls schon einige Topmöglichkeiten ausgelassen hat – in der Pflicht.

Erschwerte Krisenanalyse

Die Krisenaufarbeitung wird allerdings unter erschwerten Bedingungen ablaufen. Während der Länderspielpause sind 13 Profis mit ihren Nationalteams unterwegs. Das sind Nico Schulz, Nelson, Szalai, Pavel Kaderabek, Havard Nordtveit, Belfodil, Kramaric, Steven Zuber, Gregor Kobel sowie die Talente Justin Hoogma, Robin Hack, Alfons Amade und Meris Skenderovic. Daher ist Nagelsmann in erster Linie als Psychologe gefragt. Hoffnung macht, dass die TSG trotz der hohen Belastung durch die Englischen Wochen, fehlendem Spielglück, mangelhafter Chancenverwertung oder der langen Verletztenliste in keiner Partie chancenlos war. Nagelsmann fing mit taktischen Finessen vieles auf. Doch jetzt braucht er dringend die Rückkehr einiger verletzter Leistungsträger, um wieder einen erfolgreichen Matchplan umsetzen zu können. In der Abwehr hat die eigentlich vorgesehene Dreierkette Kevin Vogt, Benjamin Hübner und Kasim Adams noch kein einziges Mal zusammen auflaufen können. Vogt hat seine Oberschenkelprellung überwunden und Adams steht nach seiner Sprunggelenksverletzung vor dem Comeback, doch bei Hübner (Gehirnerschütterung im Trainingslager) gibt es noch keinen Rückkehrtermin. Der zweikampfstarke Vize-Kapitän fehlt vor allem in seiner Funktion als Anführer.

Hoffnung gibt es dagegen bei Mittelfeld-Taktgeber Dennis Geiger, der nach seiner Muskelsehnenverletzung und siebenmonatiger Zwangspause nach der Länderspielpause wieder voll mit der Mannschaft trainieren soll.

Am 20. Oktober beginnt für Hoffenheim dann der nächste Kraftakt. Innerhalb von drei Wochen stehen sieben Partien an – gegen Nürnberg, Lyon (zwei Mal), Stuttgart, Leipzig, Leverkusen und Augsburg. Nagelsmann ist jetzt als Krisenmanager gefordert.

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