1899 Hoffenheim

Fußball Bei Hertha BSC steht eine Standortbestimmung an

Hoffenheim – die große Unbekannte

Archivartikel

Zuzenhausen.Wo steht die TSG Hoffenheim wirklich? Nach acht Spieltagen rätseln Fans und Experten noch immer, wie weit der Fußball-Bundesligist unter dem neuen Chefcoach und Julian-Nagelsmann-Nachfolger Alfred Schreuder ist. Nach einem schwierigen Saisonstart gelang den Kraichgauern zuletzt ein 2:1-Coup beim FC Bayern München und ein merkwürdiges 2:0 gegen den FC Schalke 04. „Wo wir sind, das ist schwer zu sagen“, räumte selbst Schreuder vor dem Gastspiel des Tabellenelften bei Hertha BSC an diesem Samstag (15.30 Uhr) ein.

Fest steht für den 46 Jahre alten Niederländer: „Wir sind physisch sehr gut drauf, können Spiele am Ende drehen, sind sehr diszipliniert. Das sind Basics, auf denen man aufbauen kann.“ Die beiden 0:3-Niederlagen gegen Borussia Mönchengladbach und den SC Freiburg hallen aber noch nach. Gegen Schalke war die TSG rund 70 Minuten lang die unterlegene Mannschaft. Auch deshalb schwingt überall Vorsicht mit, was die Beurteilung der Mannschaft angeht. „Ich bin zufrieden“, sagte Schreuder. „Aber natürlich willst du immer mehr und mehr.“

Andrej Kramaric verwies unter anderem auf die vielen schmerzhaften Abgänge von Kerem Demirbay, Nico Schulz, Nadiem Amiri und Joelinton, auf Verletzte wie Ishak Belfodil und die vielen neuen Profis im Kader. „Wir vermissen einige Spieler“, sagte der kroatische WM-Zweite. „Wir haben die Balance nicht gehabt, aber wir kriegen das in den nächsten Spielen hin.“

Dafür soll auch der zuletzt angeschlagene Florian Grillitsch sorgen, der auf der so wichtigen Sechser-Position eine feste Größe ist und in Berlin zurückerwartet wird. Vorne soll Kramaric ein Garant dafür sein, dass die magere Torausbeute von insgesamt acht Treffern besser wird. Sein 1:0 gegen Schalke nach monatelanger Verletzungspause war für den Stürmer „ein ganz besonderer Moment: Ich bin glücklich, zurück zu sein, und bereit für die nächsten Spiele“, sagte Kramaric am Donnerstag. Gleichzeitig betonte der 28-Jährige: „Ich bin noch längst nicht bei 100 Prozent.“

Harte Leidenszeit vorbei

Er habe eine harte Leidenszeit „als Fan und Zuschauer der TSG“ gehabt. Letztendlich hatte sich Kramaric vom kroatischen Mannschaftsarzt doch am Knie operieren lassen, lange spielte er mehr Tischtennis als Fußball. Erstmals erklärte der 46-fache kroatische Nationalspieler, warum er nach der erfolgreichen WM in Russland und auch in diesem Sommer nicht zu einem größeren Club abgewandert ist. „Ich fühle mich hier rundum wohl. Ich liebe diesen Club. Ich verdanke Hoffenheim einiges“, sagte er.

Er habe auch keinen Druck verspürt, wechseln zu müssen – genauso wenig wie in den vergangenen Monaten, schnell auf den Platz zurückkehren zu müssen. Hoffenheim wiederum wollte den Angreifer, dessen Vertrag bis 2022 läuft, auch behalten – zumal die TSG in diesem Sommer ohne einen Kramaric-Verkauf Transfererlöse in Höhe von über 100 Millionen Euro erzielt hat. „Ich hoffe, dass ich der Mannschaft mehr Energie und Erfahrung geben kann“, sagte Kramaric vor seinem zweiten Saisoneinsatz. dpa