1899 Hoffenheim

Hoffenheim erstmals in Champions League

Sinsheim.Mit viel Konfetti und grenzenlosem Jubel hat 1899 Hoffenheim den erstmaligen Einzug in die Champions League gefeiert. Der badische Fußball-Bundesligist gewann am Samstag mit 3:1 (1:0) gegen Borussia Dortmund und sicherte sich als Tabellendritter die Teilnahme an der Königsklasse. "Das größte Ereignis überhaupt! Das ist das fünfte oder sechste Wunder von Hoffenheim", sagte ein überglücklicher Gesellschafter und Mäzen Dietmar Hopp mit Blick auf frühere Großereignisse der Nordbadener wie den einstigen Durchmarsch von der dritten in die erste Liga oder die Rettung 2013.

Auch Trainer Julian Nagelsmann war euphorisiert und tanzte mit seinen Kollegen aus dem Betreuerteam im Kreis. "Unfassbar, dass wir Dritter geworden sind. Ich habe Tränen in den Augen", sagte der 30-Jährige nach dem letzten Bundesliga-Spieltag bei Sky, umringt von Hunderten TSG-Fans auf dem Rasen.

Dortmund ist am Ende einer schwierigen Saison dagegen gerade noch in die Champions League gestolpert. Trotz der Niederlage in einem packenden Spitzenspiel beendete das Gäste-Team zum erwarteten Abschied von Chefcoach Peter Stöger als Tabellenvierter hinter Hoffenheim die Saison - aber nur wegen einer um drei Treffer besseren Tordifferenz gegenüber dem Fünften Bayer Leverkusen.

Andrej Kramaric hatte 1899 in der 26. Minute in Führung gebracht. Marco Reus war der überraschende Ausgleich gelungen (58.), ehe Adam Szalai zum 2:1 (63.) und Pavel Kaderabek zum 3:1 (74.) traf. Beide Clubs dürfen nun mit Zusatzeinnahmen von mindestens 30 Millionen Euro planen.

Stöger erlebte bei seinem höchstwahrscheinlich letzten Auftritt auf der BVB-Bank ein Spiegelbild der Saison: Die Borussia leistete sich vor 30 150 Zuschauern in der ausverkauften Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena nicht nur haarsträubende Patzer, sondern wirkte auch nicht so motiviert wie die von Nagelsmann gepuschten Hausherren. Falls Lucien Favre wie erwartet vom OGC Nizza als Stöger-Nachfolger nach Dortmund wechselt, wird er viel zu tun haben, um diese Mannschaft wieder zu einem internationalen Spitzenteam zu formen.

Die TSG beendete ihre zehnte Erstliga-Saison mit dem besten Vereinsergebnis als Dritter. Nagelsmann gelang zudem im fünften Anlauf der erste Sieg gegen die Borussia.

Stöger hatte in der Innenverteidigung den gelbgesperrten Sokratis und verletzten Ömer Toprak durch Manuel Akanji und den zuletzt auf die Tribüne verbannten Marcel Schmelzer ersetzt. Weltmeister Mario Götze saß die komplette Partie auf der Bank, während die durch zahlreiche Ausfälle geplagten Hoffenheimer in der Offensive auf Kramaric, Mark Uth und Szalai bauten. Nagelsmann hatte erklärt: "Wir werden das nötige Risiko eingehen, ohne gleich mit offenem Visier zu agieren."

So stürmten die Gastgeber zunächst etwas verhalten, machten dennoch zunehmend Druck auf die Dortmunder. Kramaric hatte in der 20. Minute erstmals freie Schussbahn, Roman Bürki parierte den Ball aber. Ein Patzer des Torhüters ließ dann die Hoffenheimer jubeln: Der Schweizer hatte Probleme bei der Ballannahme, als Uth heranstürmte, und spielte das Leder auf Kramaric. Der kroatische Nationalspieler schoss ganz cool zum 1:0 ein - sein 13. Saisontor.

Kaum weniger schlimm dann die vergebene Konterchance von André Schürrle: Völlig alleine lief der zuletzt von Bundestrainer Joachim Löw nicht mehr berücksichtigte Nationalspieler auf das Gehäuse von Oliver Baumann zu - und setzte den Ball ans Außennetz (34.).

Die zuvor bereits in sechs Spielen auswärts sieglose Borussia sah sich nach der Pause dem Ansturm Hoffenheims ausgesetzt, überstand diesen zunächst aber mit Fortune. Reus erzielte auf Vorarbeit von Raphael Guerrero den Ausgleich. Doch Szalai mit einem Heber über Bürki hinweg brachte die ungemein starke TSG erneut in Führung. Nach dem 3:1 durch Flügelflitzer Kaderabek gab es auch bei Nagelsmann kein Halten mehr: Der Erfolgscoach brüllte seine Freude am Spielfeldrand nur so heraus, während seine Spieler sich auf Kaderabek warfen. (Von Ulrike John und Patrick Reichardt, dpa)

Zum Thema