1899 Hoffenheim

Fußball Nach der 2:3-Niederlage in Frankfurt werfen die TSG-Verantwortlichen Frankfurts Kapitän indirekt Unsportlichkeit vor

Hoffenheimer knöpfen sich Hasebe vor

Archivartikel

Frankfurt.Es kommt nicht häufig vor, dass Alexander Rosen nach einem Bundesliga-Spiel vor die Presse tritt. Hoffenheims Direktor Profifußball ist keiner, der seine Statements in den Vordergrund rückt. Am Samstag war das anders: Entschlossen schritt der 39-Jährige aus der Kabine. Doch wer nun gedacht hatte, er würde seine Mannschaft wegen der vermeidbaren 2:3-Niederlage tadeln, der sah sich getäuscht. Das Gegenteil war der Fall: „Die Jungs haben Charakter gezeigt. Ich bin stolz auf die Haltung der Mannschaft.“

Er würdigte etwas überraschend die Einstellung jener Profis, die aufgrund der großen Verletzungssorgen übrig geblieben waren und sich in Frankfurt nicht nur lange tapfer wehrten, sondern über einige Strecken der Begegnung sogar das bessere Team waren.

Doch das war nicht seine einzige Nachricht des Managers. In klaren Worten geißelte er das Verhalten von Eintracht-Kapitän Makoto Hasebe – ohne dessen Namen zu nennen: „Im Fußball geht es auch um Werte. Mir sind Respekt und Charakter sehr wichtig. Das hat heute ein Spieler des Gegners vermissen lassen“, sagte Rosen verärgert. Der Japaner soll die „medizinische Abteilung“ der Hoffenheimer beleidigt haben, als diese in der 80. Minute den verletzten Nadiem Amiri behandelte. Und nicht nur das: Nach dem späten Siegtreffer der Hessen (90.+6) soll Hasebe vor der Hoffenheimer Bank provokant gejubelt haben. Auch deshalb schritt TSG-Trainer Julian Nagelsmann nach dem Schlusspfiff auf den Frankfurter Spielführer zu und sagte ihm ein paar Worte. Was er zu ihm sprach, wollte Hoffenheims junger Coach nicht verraten: „Ich habe zu Hasebe gesagt, was ich zu Hasebe gesagt habe, und das war auch nur für Hasebe bestimmt.“

Da nicht exakt bekannt wurde, was wirklich vorgefallen war, blieb der Hoffenheimer Vorwurf der Unsportlichkeit im Raum stehen. Und deshalb war das Vorpreschen von Rosen auch ein wenig als Ablenkungsmanöver zu verstehen. Geschickt hatte der Manager die Aufmerksamkeit auf ein ganz anderes Feld gelenkt. Kritische Fragen zu den Gründen des erneut verspielten Sieges waren ob der Fairplay-Debatte erst einmal im Keim erstickt.

Die vielen Ausfälle (siehe Infobox) halten als Argumente für die sechste Saisonniederlage nur bedingt stand. Zwar fehlten vor allem in der Defensive die Alternativen, doch die „Rumpftruppe“, die auf dem Platz stand, war einerseits namhaft und schaffte es zudem, in Führung zu gehen. Doch wie schon so häufig in dieser Saison gelang es der TSG nicht, einen Vorsprung ins Ziel zu retten. Klar fehlte nach dem Platzverweis für Kasim Adams am Ende die Kraft, doch eine Portion Naivität war eben auch wieder dabei.

Selbstkritisch hinterfragte sich Rosen, ob er im Winter nicht zu viele Spieler abgegeben habe, kam aber zu dem Entschluss, dass man mit so vielen Verletzten nicht habe rechnen können. Fehlende Substanz gepaart mit einem Schuss Leichtfertigkeit bei der Chancenverwertung und beim Verteidigen sind schlechte Voraussetzungen, um das Saisonziel „Europa“ noch zu erreichen.