1899 Hoffenheim

Fußball TSG Hoffenheim soll sich für den Drittliga-Trainer des FC Bayern als neuen Coach entschieden haben

Karrieresprung für Hoeneß

Archivartikel

Zuzenhausen.In den vergangenen zwölf Monaten führte Sebastian Hoeneß ein Fußball-Leben auf der Überholspur. Am Ende krönte der 38-Jährige mit dem FC Bayern München II sein bisher erfolgreichstes Trainerjahr mit dem Meistertitel in der 3. Liga – und der Höhenflug des Sohnes von Dieter Hoeneß ist noch nicht vorbei. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat ihn die TSG Hoffenheim als neuen Cheftrainer auserkoren. Die Verhandlungen stehen laut „SWR“ kurz vor dem Abschluss. Am 2. August startet der Europa-League-Teilnehmer aus dem Kraichgau mit Corona-Tests seine Saisonvorbereitung.

Der steile Aufstieg von Hoeneß bei seinem „Herzensclub“ in München hat den 38-jährigen Familienvater ins Rampenlicht katapultiert – und in der Bundesliga das Interesse geweckt. Zur TSG Hoffenheim, die seine Entwicklung als Trainer schon länger verfolgt, hat Hoeneß ein besonderes Verhältnis. Als Spieler war der frühere Mittelfeld-Mann in der Saison 2006/07 für die Kraichgauer am Ball, allerdings nicht im Profiteam. Trainer war damals Ralf Rangnick, der ihn später als Jugendcoach zu RB Leipzig lockte. Weitaus länger war Hoeneß aber für Hertha BSC Berlin auf dem Rasen aktiv. Insgesamt lief er 172-mal in Dritt- oder Viertligaspielen auf. Mit 28 Jahren, ähnlich früh wie Onkel Uli, beendete er dann die Spielerlaufbahn.

Hospitanz bei Guardiola

Hoeneß gilt als loyal und bodenständig, die fachlichen Qualitäten sind ohnehin unbestritten. Hospitationen bei Huub Stevens, Thomas Tuchel und Pep Guardiola betrachtet er als faszinierende Erfahrungen. Vor einem Jahr schwärmte er von einem einstündigen Gedankenaustausch mit Guardiola. „Pep hat sich spontan Zeit genommen, um mit mir über Fußball zu reden. Das war ein besonderes Erlebnis. Wir waren nur zwei ganz normale Trainer“, sagte Hoeneß. Einfach nur der „Sebastian“ sein, nicht über seinen bekannten Nachnamen definiert zu werden – so will Hoeneß seinen Job machen.

Zu Schulzeiten war das anders. „Da gab es schon Situationen, in denen ich mir gewünscht hätte, als Sebastian wahrgenommen zu werden“, verriet der Meistercoach der Bayern-Amateure vor dem Start in sein erstes Trainerjahr im Männerbereich vor einem Jahr. Der Name polarisiert nun mal – auch beim FC Bayern. Bei seinem Amtsantritt als Drittliga-Coach gab es Fanproteste, weil für ihn der beliebte Holger Seitz gehen musste.

Und auch Onkel Uli hatte anfangs Bedenken. „Uli war nicht angetan von der Idee“, erinnert sich Sebastian Hoeneß. „Mein Onkel hatte die nachvollziehbare Sorge, dass meine Arbeit nicht objektiv betrachtet wird.“ Im Sommer 2017 musste Fürsprecher Hermann Gerland („Sebastian ist ein großes Trainertalent“) also große Überzeugungsarbeit leisten, um Sebastian zunächst die Aufgabe als U-19-Trainer zu ermöglichen – und es zahlte sich aus.

Die Art und Weise, wie er spielerische Dominanz und defensive Stabilität im Spiel der jungen Drittliga-Mannschaft nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr erfolgreich verzahnte, wird als sein großer Verdienst eingestuft. „Ich bin ganz glücklich, dass er einen so tollen Job macht, denn so gut hat die zweite Mannschaft noch nie dagestanden“, lobte Uli Hoeneß schon vor den Hoffenheim-Spekulationen. Bundesliga-Trainer Hansi Flick hält ebenfalls sehr viel von Sebastian Hoeneß und hätte ihn gerne in München gehalten. Doch der Assistentenjob bei ihm ist schon an Miroslav Klose vergeben. Daher verwundert es nicht, dass sich der Umworbene nach einer Bedenkzeit für das Engagement in Hoffenheim entschieden hat.

Spannende Aufgabe

Auf Hoeneß wartet eine spannende Aufgabe mit einer entwicklungsfähigen Mannschaft, die im Saisonendspurt ihr Potenzial gezeigt hat. Das nach der Trennung von Alfred Schreuder am 9. Juni eingesprungene Trainerteam um Manager Alexander Rosen, Co-Trainer Matthias Kaltenbach und U-19-Coach Marcel Rapp war von Beginn an nie als Dauerlösung gedacht. Es ist aber gut möglich, dass zumindest Kaltenbach wie auch Torwartcoach Michael Rechner im Trainerstab bleiben werden. (mit dpa)

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