1899 Hoffenheim

Fußball Beim 1:1 in Bremen muss Hoffenheim am Ende zittern, weil die Stürmer ihrer Form hinterherlaufen

Kramaric als tragische Figur

Bremen.Andrej Kramaric schlich wortlos in die Kabine. Die riesige Enttäuschung war dem Angreifer der TSG Hoffenheim nach dem 1:1 bei Werder Bremen ins Gesicht geschrieben. Seit Monaten läuft der kroatische Nationalstürmer seiner Form hinterher und wartet sehnsüchtig darauf, dass er seinen Torbann endlich brechen kann. Doch auch beim Abstiegskandidaten von der Weser schlüpfte Kramaric wieder in die Rolle der tragischen Figur. Sieben Minuten nach seiner Einwechslung für Mark Uth vergab er eine 100-prozentige Chance (64.).

„Andrej macht so einen Ball in acht von zehn Fällen rein. Wenn wir dieses Tor machen, geht das Spiel anders aus“, meinte Stürmerkollege Serge Gnabry. Es war die Schlüsselszene des Duells zum Rückrunden-Auftakt der Fußball-Bundesliga. Eine Minute zuvor hatte Theodor Gebre Selassie die Hoffenheimer Führung durch Benjamin Hübner (39.) egalisiert. „Ich werde nicht immer draufhauen. Andrej weiß selbst, dass er die Chance machen kann. Ich wünsche mir für ihn, dass der Knoten platzt. Man hat gemerkt, dass er verunsichert ist“, versuchte TSG-Trainer Julian Nagelsmann, der mit Kramaric vor einigen Tagen ein langes Gespräch geführt hatte, seinen Spieler in Schutz zu nehmen.

Lange Tor-Flaute

Doch der Kroate schafft es einfach nicht, den Bock umzustoßen. Sein letzter Pflichtspieltreffer gelang am zweiten Liga-Spieltag gegen Leverkusen, seitdem herrscht absolute Flaute. Dabei braucht die TSG dringend einen Torjäger wie Kramaric zu seinen besten Zeiten. Zumal auch Gnabry, bis auf seine Vorlage zu Hübners Treffer, und Mark Uth am Osterdeich überhaupt nicht ins Match fanden und ausgewechselt wurden.

„Die anderen Stürmer haben es auch nicht besser gemacht. Uth hat einfach keinen guten Tag erwischt. Da muss und wird in den nächsten Wochen mehr kommen“, legte Nagelsmann den Finger in die Wunde. Das Duell mit den tapferen, aber in der Abwehr sehr anfälligen Bremern hat deutlich gemacht, wo der TSG-Schuh am meisten drückt – im Angriff. Nationalspieler Sandro Wagner ist zum FC Bayern gewechselt, Kramaric ein Schatten seiner selbst und Adam Szalai nach seiner Verletzung noch nicht in Topform. Wenn dann Gnabry und Uth nicht zünden, wird es eng. Auf Nachfrage, ob er bis zum Ende der Wechselfrist am 31. Januar im Sturm noch einmal personell nachlegen wolle, antwortete Nagelsmann: „Spieler, die uns besser machen, sind für uns im Winter finanziell nicht zu realisieren.“ Eine klare Aussage. Punkt.

So wird es ein weiter Weg bis zur anvisierten Qualifikation für einen Europapokalplatz. In Bremen wackelte die TSG in der Endphase bedenklich und hatte Glück, dass Werder seine Chancen nicht nutzte. „Wir haben nach der Führung nicht mehr all zu viel nach vorne gespielt und unsere Konterchancen nicht genutzt“, analysierte Gnabry. Innenverteidiger Ermin Bicakcic, der nach seiner Kreuzbandzerrung sein Comeback feierte, erklärte: „Wir haben keinen Dreier verdient.“

Die TSG muss sich schon im Heimspiel gegen Leverkusen am nächsten Samstag erheblich steigern, um mithalten zu können. Der am Samstag vermisste Mittelfeld-Taktgeber Kerem Demirbay wird dann weiter verletzt fehlen. Immerhin gibt es Hoffnung auf eine Rückkehr von Nadiem Amiri. „Normalerweise müsste er am Dienstag wieder ins Training einsteigen“, berichtete Nagelsmann.

„Teilweise zu schläfrig“

Der Coach arrangierte sich mit dem Unentschieden. „Wir waren 60 Minuten spielbestimmend. Aber nicht so, dass wir die Partie gewinnen müssen. Ich kann aufgrund der Möglichkeiten auf beiden Seiten mit dem Punkt leben“, sagte der 30-Jährige und fügte an: „Wir waren im letzten Drittel teilweise zu schläfrig und hatten durch Kramaric und Eugen Polanski zwei hundertprozentige Chancen. Bremen wird oft nicht so stark dargestellt. Ich finde die Mannschaft gut.“

Das ändert allerdings nichts daran, dass die Leistung nicht dem eigenen Anspruch genügt hat. Das verdeutlichte auch die Aussage von Oliver Baumann. „Wir wollen in der Tabelle oben dran bleiben, dafür brauchen wir in der Rückrunde bessere Spiele als in Bremen. Wir müssen uns steigern“, forderte der starke Torhüter – und meinte nicht nur Andrej Kramaric.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/1899

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