1899 Hoffenheim

Fußball Der 30-Jährige ist am kommenden Sonntag zwei Jahre Trainer bei 1899 Hoffenheim / Branche mit lockeren Sprüchen belebt

„Mittelmaß“ ärgert Nagelsmann

Archivartikel

Zuzenhausen.Der rote Mantel, in dem Julian Nagelsmann einst auf der Tribüne in der Münchner Allianz Arena saß und damit die Spekulationen um einen Wechsel zum FC Bayern anheizte, ist aussortiert. „Nicht weil er mir nicht mehr gefällt. Ich finde ihn immer noch schön, aber ich habe ihn bei ebay reingestellt. Mal schauen, ob ihn einer gekauft hat“, sagt der Trainer-Aufsteiger von 1899 Hoffenheim in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Am Sonntag ist der 30-Jährige zwei Jahre lang jüngster Chefcoach in der Bundesliga. Derzeit beschäftigt Nagelsmann allerdings mehr die Krise im Kraichgau als eine mögliche Zukunft beim FC Bayern oder bei Borussia Dortmund.

Alle Extreme erlebt

Er habe in dieser Zeit „alle Extreme des Fußballs erlebt – zwischen großer Abstiegsangst bis hin zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte“. Doch nach zuletzt fünf sieglosen Spielen bläst dem kessen Fußballlehrer erstmals Gegenwind ins Gesicht. Auch Nagelsmann spricht von „tabellarischem Mittelmaß“ beim letztjährigen Europa-League-Teilnehmer, aber auch von „bunt gemischten zwei Jahren, die große Lust auf mehr machen“.

Nicht nur sportlich, sondern auch mit seinen Sprüchen hat Nagelsmann die Branche belebt. Nicht alle verbalen Steilpässe kamen dabei an. Sein Flirt mit dem Meister aus München („Der FC Bayern würde mich vielleicht noch ein Stück glücklicher machen“) schlug hohe Wellen.

„Es gab einige Aussagen, die mir extrem um die Ohren gehauen worden sind. Ich bin ein Mensch, der auch mal Antworten voller Ironie gibt. Aber die werden eben oftmals nicht so verstanden“, sagt Nagelsmann, der sich schon mal wundert: Wenn er mit seinem Sohn auf einem Spielplatz ist und ein Handy-Foto davon plötzlich in den sozialen Netzwerken und sogar bei einem TV-Sender auftaucht.

Einfluss auf die Familie

„Es gab schon Momente, in denen ich gesagt habe: Wenn’s schlimmer wird, dann mach ich es nicht länger“, erklärt Nagelsmann. „Wenngleich ich nie gesagt habe, ich bin kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aber wenn es die Familie mit beeinflusst, ist das nicht schön.“ Er sei immer noch derselbe Trainer, aber das alles sei schon gewöhnungsbedürftig und würde einen verändern.

Am Wochenende sah sich Nagelsmann schon genötigt zu betonen, dass „kein Bruch und kein Riss“ zwischen ihm und der Mannschaft stehe. Abwehrchef Kevin Vogt versicherte vor der nächsten Partie am Samstag in Mainz: „Wir stehen hinter Julian und Julian steht hinter uns.“

Nagelsmann stand – wenn es nach einer Begegnung beim Einkaufen geht – bereits vor dem Spiel in München sogar auf der Kippe. „Vor ein paar Tagen kam eine Frau im Supermarkt auf mich zu und sagte: ’Jetzt sollten Sie vielleicht in München schon gewinnen, wenn Sie noch länger hier Trainer sein wollen.’“ Der Hoffenheimer Trainer reagierte spöttisch: „Wenn Sie das sagen, dann probieren wir das.“ dpa