1899 Hoffenheim

Fußball Hoffenheimer Trainer bleibt sich vor dem Bundesliga-Spiel beim VfB Stuttgart treu und richtet den Blick nach oben

Nagelsmann kennt nur den Angriffsmodus

Archivartikel

Zuzenhausen.Julian Nagelsmanns Laune ist blendend und seine Her-angehensweise gewohnt offensiv. Der Trainer der TSG Hoffenheim will im Bundesliga-Spiel beim VfB Stuttgart am Samstag (15.30 Uhr) trotz der verletzungsbedingten Ausfälle von Serge Gnabry (Muskelbündelriss), Kerem Demirbay (Sprunggelenk) und Benjamin Hübner (muskuläre Probleme) sowie der Gelbsperre von Pavel Kaderabek am bewährten Stil festhalten.

„Wir ändern unsere Denkweise nicht. Wir wollen nicht Platz vier verteidigen, sondern vorne angreifen und vielleicht noch einen Rivalen in der Tabelle packen. Diesen Erfolgshunger haben wir“, verkündete Nagelsmann. „Jetzt haben die Spieler, die vielleicht hintendran waren, die Chance: Sie können diesen Club aus eigener Kraft in die Champions League schießen.“

Nagelsmann brennt darauf, die Qualifikation für die Königsklasse in den verbleibenden beiden Partien gegen Stuttgart und Borussia Dortmund, das als Dritter drei Punkte vor der TSG liegt, ins Ziel zu bringen. „Die Situation jetzt muss für jeden Spieler reizvoll sein. Das will ich im Abschlusstraining und am Samstag sehen. Also: Gaspedal, Ölwanne – und auf geht’s, Freunde der Nacht!“, schaltete der Coach in den verbalen Angriffsmodus. Er lebt die nötige Gier vor, findet mit seiner unaufgeregt selbstbewussten Art aber auch die nötige Balance.

Vom Jäger zum Gejagten

Die Kraichgauer strotzen durch ihre Erfolgsserie, die sie bis auf Position vier nach oben gespült hat, vor Selbstvertrauen. Seit neun Begegnungen sind sie ungeschlagen und haben zuletzt drei Siege in Folge geschafft. Doch jetzt hat sich die Ausgangslage verändert: Die Nagelsmänner sind durch den Leverkusener 0:1-Ausrutscher im Duell mit Stuttgart nun nicht länger Jäger, sondern Gejagte. Bayer, das bei Werder Bremen antritt, liegt nur einen Zähler zurück.

„Der zurückliegende Spieltag hat uns sehr angenehme Ergebnisse beschert. Jetzt kommt zum Wahnsinn noch die Gänsehaut“, beschreibt Nagelsmann plakativ die emotionale Ausgangslage. Stuttgarts Trainer Tayfun Korkut kennt der Landsberger aus dessen Zeit als Hoffenheimer Jugendtrainer „ein bisschen besser“, zuletzt traf man sich bei Trainertagungen. „Der VfB hat mit Korkut eine sehr gute Entwicklung genommen“, lobte Nagelsmann seinen Kollegen und ergänzte kritisch: „Der mediale Umgang mit ihm vor seinem Amtsantritt war nicht korrekt.“

Sportlich erwartet der TSG-Trainer eine defensivstarke Mannschaft, die mit Mario Gomez und Daniel Ginczek über „zwei wuchtige Stürmer mit starker Präsenz verfügt“. Trotzdem ist seine Vorgabe eindeutig: „Wir wollen drei Punkte mitnehmen.“ Allerdings liegen die Stuttgarter durch ihren eigenen Höhenflug nur noch einen Zähler hinter Rang sieben, der wohl zur Europa-League-Teilnahme berechtigt. „Stuttgart hat noch die Chance, international zu spielen. Die sind ähnlich wie wir mit Selbstvertrauen vollbepackt“, betonte Nagelsmann. Auf Stürmer Andrej Kramaric, der beim Heimsieg gegen Hannover einen Dreierpack schnürte, kommt erneut eine Schlüsselrolle zu. „Ganz wichtig ist, dass wir die Spannung halten und konzentriert sind. Wenn wir nicht an die Leistungen der vergangenen Wochen anknüpfen, holen wir in Stuttgart keine Punkte und dann ist alles Rechnen umsonst“, blickte der Kroate voraus.

„Sehr gute Gespräche und Treffen“

Wer in der nächsten Saison statt Mark Uth (nach Schalke) und Gnabry (Bayern-Leihe endet) an seiner Seite stürmen wird, ist noch offen. Nagelsmann verriet nun immerhin, dass die TSG in den nächsten ein, zwei Wochen wahrscheinlich Zugänge verkünden kann. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Wir hatten in den letzten drei, vier Tagen sehr gute Gespräche und Treffen“, sagte der Trainer, was auch einen Teil zu seiner blendenden Launen beigetragen haben dürfte. Zu den Gerüchten um den bei Schalke suspendierten Max Meyer erklärte er: „Meyer ist ein guter Spieler. Das weiß jeder. Im Mittelfeld sind wir aber sehr gut aufgestellt.“