1899 Hoffenheim

Fußball Alfred Schreuder setzt bei der TSG auf einen mutigen Spielstil – ansonsten ist der neue Trainer eher ein Mann der leisen Töne

„Neue Geschichte in Hoffenheim schreiben“

Archivartikel

Zuzenhausen.Aus der Ferne sind Hoffenheims neuer Cheftrainer Alfred Schreuder und sein Bruder Jan-Dirk, den alle nur „Dick“ nennen, kaum zu unterscheiden. Sie sehen sich fast zum Verwechseln ähnlich – und haben auch ein großes Vertrauensverhältnis. „Mein Bruder ist sehr wichtig. Er wird mir immer klar sagen, was er denkt“, berichtet Alfred Schreuder. Beim Trainingsauftakt des Fußball-Bundesligisten sind der Nachfolger von Julian Nagelsmann und sein Assistent immer wieder Seite an Seite. Im Fokus steht aber ganz klar der zwei Jahre jüngere Alfred. Der ehemalige Co-Trainer von Huub Stevens und Nagelsmann soll die TSG nach seiner Rückkehr von Ajax Amsterdam, wo er als Assistent von Erik ten Hag bis ins Champions-League-Halbfinale einzog, nun in erster Reihe führen.

„Ich fühle mich sehr stark und habe Lust, die Aufgabe hier anzugehen“, betont Schreuder, der von den 350 Zaungästen freundlichen Applaus bekommt. Mit Blick auf die großen Verdienste seines Vorgängers fügt er hinzu: „Wir sind bereit, in Hoffenheim wieder eine neue Geschichte zu schreiben.“

Schreuder ist ein ganz anderer Typ als der extrovertierte Nagelsmann, auch wenn der 46-Jährige Niederländer für eine ähnliche Spiel-Idee steht. „Alfred ist ein sehr reifer und ruhiger Mann, der aber auch einen super Humor hat. Alleine durch eine veränderte Ansprache werden sich Dinge ändern“, beschreibt Manager Alexander Rosen den neuen Hoffnungsträger, der bei seinem ersten Medientermin zwar zurückhaltend auftritt, aber auch sein Selbstvertrauen zeigt.

„Bei Ajax Amsterdam war die Erwartungshöhe ebenfalls groß. Vielleicht ist meine Erwartungshaltung viel höher als alle anderen denken“, unterstreicht er seine Herangehensweise. „Es ist wichtig, dass die Jungs Selbstvertrauen haben. Am Ende wird der Mut belohnt. Man muss Vertrauen in seine Philosophie ausstrahlen.“

Enges Verhältnis zu Spielern

Schon als Profi von Feyenoord Rotterdam betreute der spätere Kapitän Jugendteams. Schreuder wollte schon damals wissen, wie „seine Jungs“ ticken – und das ist noch immer so. „Der Mensch hinter dem Profi ist wichtig“, unterstreicht der Mann aus Barneveld – das ist eine Parallele zur Denkweise von Nagelsmann. Zu vielen Hoffenheimer Spielern hat er aus seiner Zeit als Co-Trainer ein enges Verhältnis, was sich nun als Chef natürlich etwas anpassen wird.

Die TSG sieht der Niederländer trotz der Abgänge von Nico Schulz (Dortmund) und Kerem Demirbay (Leverkusen) gut aufgestellt. „Meine Mannschaft soll mutig auftreten“, nennt er eine erste Vorgabe. Genauere Saisonziele möchte der Trainer noch nicht formulieren. „Das ist zu früh. Es wird sich an der Art und Weise, wie wir Fußballspielen wollen, nicht viel ändern. Ich muss nicht viel ändern. Die ersten sechs, sieben Wochen will ich schauen, wo die Stärken und Schwächen liegen. Ich trainiere das, was meine Spieler sehr gut können“, erläutert Schreuder, der während der U-21-EM engen Kontakt zu Nadiem Amiri hielt. Der Ludwigshafener zählt wie Stürmer Andrej Kramaric zu den TSG-Akteuren um die sich hartnäckig Wechselspekulationen halten. „Absolut ausschließen kann ich das nicht“, antwortete Rosen auf die Frage nach weiteren Abgängen.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/hoffenheim

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