1899 Hoffenheim

Fußball TSG Hoffenheim kann durch den 2:0-Erfolg gegen den Hamburger SV nun seriös für die Europa League planen

Nicht nur Gnabry für Löw interessant

Sinsheim.Das war wieder einmal so ein Fußball-Samstag, bei dem einfach alles stimmte – zumindest dann, wenn man Anhänger der TSG Hoffenheim ist: Traumhaftes Frühlingswetter, klasse Stimmung in der mit 30 150 Zuschauern ausverkauften Rhein-Neckar-Arena, die prima Leistung der „Lieblinge in Blau“ zumindest während der ersten 45 Minuten und der 2:0-Sieg gegen den Hamburger SV, mit dem die Kraichgauer auf Platz 6 der Tabelle sprangen. „Wieder nach Europa – TSG!“ war ein Text vieler Gesänge.

Mit nun sechs Punkten Vorsprung auf Rang acht, dem ersten „Nicht-Europa-Platz“ , müsste in den verbleibenden vier Saisonspielen schon viel passieren, wenn die TSG die zweite Qualifikation fürs internationale Geschäft noch verspielen würde – zumal Manager Alexander Rosen sagte: „Es ist ein sehr guter Trend unserer Mannschaft. Diese Art werden wir durchziehen.“

„Haben nichts verändert“

So schnell ist das gegangen: Am 24. Februar noch, nach dem 1:1 gegen den SC Freiburg, wurden Kapitän Kevin Vogt und & Co. mit Pfiffen verabschiedet. 49 Tage später standen die Zuschauer kurz vor Spielschluss auf und klatschten begeistert. Trainer Julian Nagelsmann, normalerweise für seine dezidierten Analysen bekannt, antwortete auf die Frage, was sich denn in den vergangenen 49 Tagen verändert habe, überraschend simpel: „Wir haben nichts verändert und nichts Spezielles gemacht. Die Ergebnisse sind einfach besser.“ Ein noch besseres Resultat als dieses 2:0 wäre für die TSG aufgrund der Chancen-Vielzahl möglich, wenn nicht sogar zwingend gewesen.

Gewiss, die fußballerische Grundausrichtung hat der 30-Jährige nicht verändert. Aber der Trainer hat wieder einmal sein Talent bewiesen, Spieler besser zu machen. Serge Gnabry ist so einer: Er hat in den vergangenen sechs Begegnungen jeweils ein Tor geschossen. Am Samstag war es das 1:0 gegen den HSV (18.). Bundestrainer Joachim Löw, der im Stadion war, wird es registriert haben. Und vermutlich wird ihm auch ein zweiter Spieler aufgefallen sein: Nico Schulz. Der Linksverteidiger befindet sich seit Wochen in bestechender Form und bereitete das 2:0 durch Adam Szalai zentimetergenau vor (27.).

„Ich bin Deutscher“, scherzte Schulz nach dem Spiel mit den Journalisten. Er weiß aber auch: „Fünf, sechs gute Spiele reichen nicht für die Nationalmannschaft.“ Ob Schulz bei Löw auf dem Zettel steht, weiß man nicht. Unbestritten ist aber sein derzeitiger Wert für die TSG-Mannschaft: „Er bringt unglaubliche Power über den Flügel und hat ein großes Herz. Im Moment ist er nicht zu verdrängen“, würdigte Nagelsmann seinen Neuzugang, der, wie viele andere vor ihm auch, eine Zeit lang brauchte, um mit den Hoffenheimer Anforderungen zurechtzukommen. Bei seinen wuchtigen Vorstößen kommt dem Außenbahnspieler nun auch zugute, dass er als Flügelstürmer ausgebildet wurde.

Gnabry wäre für das Spiel gegen den Hamburger SV fast noch ausgefallen, weil es ihn am Freitag während des Abschlusstrainings in seinem „Problem-Oberschenkel“ wieder „gezwickt“ hatte. So ist auch seine frühe Auswechslung in der 58. Minute zu erklären.

Die Hoffenheimer dürfen sich auf eine weitere Europa-League-Saison vorbereiten und ihren Kader dafür zusammenstellen. „Wir holen nur Spieler mit Entwicklungspotenzial. Wir können keinen gestandenen Bundesliga-Spieler holen“, sagte Trainer Julian Nagelsmann gestern am Morgen bei „Sky“. Er habe seiner Scoutingabteilung „Positionsprofile“ mitgegeben, nach denen die neuen Akteure gesucht werden. „Auch im Ausland“, ließ Nagelsmann wissen. Aber vielleicht dürfen Manager Alexander Rosen und „sein“ Trainer bei ihren geplanten Neuverpflichtungen aber auch in ein höheres Regal greifen, denn mit fünf Punkten Rückstand auf Rang vier ist sogar die Champions League noch drin, wenngleich Torhüter Oliver Baumann sagte: „An Platz vier denken wir noch nicht.“ Die letzten Gegner in dieser Bundesliga-Saison heißen RB Leipzig (am kommenden Samstag auswärts), Hannover 96 (H), VfB Stuttgart (A) und Borussia Dortmund (H). Und wenn die Mannschaft die eingangs zitierte „Drohung“ von Alexander Rosen wahr macht, dann sind da wirklich noch eine Menge Punkte drin…

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/hoffenheim

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