1899 Hoffenheim

Fußball Nach dem 3:1-Befreiungsschlag in Hannover atmet die TSG Hoffenheim auf

Riesige Erleichterung

Archivartikel

Hannover.Die Gesichter passten nicht zur Körpersprache: Müde und ausgelaugt schleppten sich die Hoffenheimer Spieler die paar Stufen vom Spielfeld hinauf zu den Umkleidekabinen der Arena. Doch dabei strahlten sie allesamt, mancher stieß sogar einen Schrei der Freude aus. Die Erleichterung über den 3:1-Erfolg in Hannover war enorm groß nach anstrengenden Wochen mit zu wenigen Punkten. „Es war ein sehr intensives Spiel. Am Ende haben wir vielleicht glücklich, aber nicht unverdient gewonnen“, bilanzierte TSG-Trainer Julian Nagelsmann.

Verdient war der Erfolg, weil die Kraichgauer vor allem während der ersten 60 Minuten die bessere, reifere Mannschaft waren und, wie in den Wochen zuvor, ein klares Chancenplus verzeichneten. Glücklich war der zweite Dreier, weil sie es erneut nicht verstanden, den Sack zuzumachen. Nach dem 1:2-Anschlusstreffer durch Niclas Füllkrugs Foulelfmeter traf derselbe Spieler in der 77. Minute per Kopfball nur den Pfosten, und das 2:2 eine Minute später wurde wegen Abseits nicht gegeben. „Wir müssen nach dem 1:2 ruhiger bleiben“, monierte Ermin Bicakcic.

Der Abwehrrecke stellte in der 17. Minute im Grunde die Weichen auf Sieg. Hannovers Ihlas Bebou hatte da aus fünf Metern das leere Tor vor sich, doch Bicakcic rettete mit einer beherzten Grätsche noch kurz vor der Linie und verhinderte den Rückstand. „Da habe ich mich kamikazemäßig reingeworfen“, freute sich der 28-Jährige. Drei Minuten später besorgte Joshua Brent mit seinem ersten Bundesliga-Tor die Gästeführung. Das 2:0 machte Pavel Kaderabek mit einem Linksschuss aus 18 Metern (49.). Das Zittern der letzten 20 Minuten beendete der eingewechselte Ishak Belfodil mit einem „außergewöhnlich schönen Tor“, so Trainer Nagelsmann (90.+3).

Anfällig für Gegentore

Dass die Hoffenheimer erneut ans Limit gehen mussten, war wieder einmal der mangelnden Chancenverwertung, aber auch der Tatsache geschuldet, dass es Kapitän Kevin Vogt & Co. nicht gelang, ohne Gegentor zu bleiben. Die TSG hat bisher in jedem Pflichtspiel mindestens einen Treffer geschossen, aber auch mindestens ein Gegentor kassiert. „Das ist unserer offensiven Spielweise geschuldet, da fängt man eher mal einen“, erklärte Abwehrboss Vogt. Nagelsmann denkt ähnlich über dieses Defizit: „Wir spielen mutig und pressen hoch. Da gibt man schon einmal Räume frei.“ Eine grundsätzliche Abwehrdiskussion erstickte der 31-Jährige im Keim: „Dortmund hat nur zweimal aufs Tor geschossen.“

Am neuen Torhüter lag es gewiss nicht, dass die Hoffenheimer erneut nicht ohne Gegentor blieben. Überraschend stand Gregor Kobel bei der TSG zwischen den Pfosten und debütierte damit in der Bundesliga. Er hielt beim Stand von 1:2 noch zweimal sehr gut und rettete damit den Sieg. Stammkeeper Oliver Baumann saß nicht einmal auf der Bank, sondern war ganz daheim geblieben – aus Gründen der „Belastungssteuerung“, wie es im Fußball-Neudeutsch so schön heißt. „Es kommen bis zur Länderspielpause noch drei hochintensive Spiele, und da wollten wir ihm Erholung im Kopf geben, damit er mental auf der Höhe bleibt“, erklärte Nagelsmann den Torwartwechsel für ein Spiel.

„Als Oliver Baumann nicht im Flieger saß“, antwortete Gregor Kobel lässig grinsend auf die Frage, wann er erfahren habe, dass er in Hannover auflaufen würde. „Vor dem Spiel war ich schon nervös, doch während des Spiels habe ich es genossen“, sagte der 20-Jährige.

Und während Gregor Kobel diese Worte sprach, tönte aus der Hoffenheimer Kabine laute Partymusik. „Wir haben schon so ein paar Gute-Laune-Bären in der Mannschaft“, erklärte Kevin Vogt mit einem breiten Grinsen die dröhnenden Bässe. Für die war dieser 3:1-Erfolg vor dem Leipzig-Spiel am Samstag natürlich eine Steilvorlage.