1899 Hoffenheim

Fußball Die Trainer prägen das Hoffenheimer Gastspiel in Düsseldorf – Friedhelm Funkel könnte Julian Nagelsmanns Vater sein

Senkrechtstarter fordert Routinier

Zuzenhausen.Nicht einmal halb so viele Lebensjahre wie Friedhelm Funkel kann Julian Nagelsmann vor dem Duell zwischen dem jüngsten und dem ältesten Bundesliga-Trainer aufweisen. Die Partie der TSG 1899 Hoffenheim bei Fortuna Düsseldorf zeigt dennoch, dass der 31-Jährige Senkrechtstarter inzwischen zum Establishment der Fußball-Bundesliga gehört: Nagelsmann bestreitet an diesem Samstag bereits sein 85. Spiel als Chefcoach für die Kraichgauer und zieht damit mit seinen Vorgängern Markus Gisdol und Ralf Rangnick gleich.

Zu diesem Anlass freut sich Nagelsmann ganz besonders darauf, Branchen-Oldie Funkel „persönlich am Spielfeldrand zu sehen und mit ihm zu quatschen.“ Der 64 Jahre alte Funkel steht vor seiner 460. Begegnung als Erstliga-Trainer. Er hatte sich in der vergangenen Saison mal wohlwollend über seinen jungen Kollegen geäußert – was Nagelsmann nicht vergessen hat, weil das in einer Phase geschah, als es bei der TSG nicht so rund lief.

„Am Anfang war ich sehr skeptisch, dass ein 28-Jähriger einen Bundesligisten übernimmt“, sagte Funkel gestern. „Aber er hat alle eines Besseren belehrt. Gleich nach Julians erster Pressekonferenz habe ich gesagt: Der weiß, wovon er spricht. Der Erfolg spricht für ihn.“

Als Nagelsmann 1987 geboren wurde, hatte Funkel bereits 254 Bundesliga-Spiele als Fußball-Profi bestritten und mit Uerdingen den DFB-Pokal (1985) gewonnen. Gleichwohl will er die Partie nicht auf das reizvolle Trainer-Duell reduzieren. „Es spielen ja Gott sei Dank jeweils elf Spieler. Wenn wir beide gegeneinander spielen würden, hätte ich im Eins-gegen-Eins keine Chance gegen Julian“, sagte Funkel schmunzelnd.

„Er hat ein paar Spiele mehr auf dem Buckel als ich“, meinte Nagelsmann vor der Partie zwischen dem Aufsteiger und dem Champions-League-Teilnehmer. „Er hat unglaubliche Erfolge in seiner Karriere. Das wird ein interessantes Duell. Weniger wegen unseres Alters, sondern wegen der beiden Teams.“ Düsseldorf habe eine „absolute Entwicklung gemacht, das ist größtenteils seine Handschrift“. Die Hoffenheimer blicken längst weit über das Spiel in Düsseldorf hinaus, denn es ist die erste von sieben Partien innerhalb von nur 22 Tagen. Am kommenden Mittwoch steht in Charkiw (Ukraine) gegen Schachtjor Donezk der erste Auftritt der Vereinsgeschichte in der Champions League an. Drei Tage später kommt Borussia Dortmund zum Spitzenspiel nach Sinsheim. Das stramme Programm fordert natürlich auch Nagelsmann und sein Team: „14 Besprechungen in den nächsten 22 Tagen – und da ist noch keine Nachbesprechung dabei.“

Es gebe einige Profis, die diese sieben Begegnungen durchspielen müssten. Das liegt an der weiterhin angespannten personellen Situation: Mit Kerem Demirbay, Nadiem Amiri, Benjamin Hübner, Kasim Adams, Ermin Bicakcic, Kevin Akpoguma, Lukas Rupp und Dennis Geiger fallen viele wichtige Spieler derzeit aus. Nationalspieler Demirbay stand diese Woche immerhin schon wieder auf dem Trainingsplatz. „Ich denke nicht, dass er für das Spiel am Wochenende in Frage kommt“, sagte jedoch Nagelsmann. dpa