1899 Hoffenheim

Fußball Die Hoffenheimer Saisonfinals sind oft spektakulär verlaufen / Am Samstag geht es in Dortmund um die Europa League

Tage der Entscheidung

Archivartikel

Zuzenhausen.Der 34. Spieltag war für die TSG Hoffenheim schon oft ein Tag der Entscheidung. An diesem Samstag geht es für die Kraichgauer bei Borussia Dortmund im Fernduell mit dem VfL Wolfsburg um Rang sechs und den Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Ein Blick zurück auf Hoffenheimer Saisonfinals der Vergangenheit.

2000/2001

Die TSG Hoffenheim schafft durch ein 3:0 beim VfR Heilbronn am 34. Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg den Sprung in die drittklassige Regionalliga. Im Heilbronner Frankenstadion kriecht eine Kraichgauer Jubel-Raupe über die rote Tartanbahn. Hoffenheimer Trainer ist damals übrigens ein gewisser Hansi Flick. Seit wenigen Tagen nicht nur Oberliga-Meister-Trainer 2001, sondern mit dem FC Bayern München deutscher Meister 2020.

2007/2008

Hoffenheim hat den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga am 34. Spieltag in eigener Hand. Beim 5:0-Heimsieg gegen Greuther Fürth erledigt sich der Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz. Der 19. Mai 2008 wird zum höchsten Feiertag in der bis dorthin 109-jährigen Vereinsgeschichte. Das kleine Stadion zur größten Partymeile im Kraichgau, die später bis zur Messe Sinsheim reicht. „Ich hätte nie gedacht, dass wir es in diesem Jahr schon schaffen. Mein Ziel war der Klassenerhalt“, sagt Mäzen Dietmar Hopp.

2012/13

Das Wunder von Dortmund ist einer, wenn nicht der emotionale Höhepunkt der 1899-Geschichte. Lange Zeit ganz schwache Hoffenheimer sind praktisch abgestiegen, führen dann urplötzlich spät durch zwei Salihovic-Elfmeter mit 2:1 beim BVB und profitieren vom 0:3 von Fortuna Düsseldorf in Hannover. Dann kommt Robert Lewandowski in der Nachspielzeit und trifft. 2:2 – der Abstieg. Manager Alexander Rosen leidet an jenem Tag im dunklen Jackett auf der Tribüne mit. Mit aufgerissenem Mund. Die Hände vors Gesicht geschlagen. „In diesen 30 Sekunden nach dem Tor zum 2:2 ist die Zeit stehengeblieben“, sagt Rosen hinterher. Den Videobeweis gibt es noch nicht. „Du hoffst auf die Fahne des Linienrichters.“ Sie kommt sehr spät. Tatsächlich rettet das geschulte Abseits-Auge von Benjamin Brand Hoffenheim Rang 16 und die Relegation, die mit zwei Siegen gegen Kaiserslautern erfolgreich endet.

2016/17

Rang drei und somit die direkte Qualifikation für die Champions League ist im Saisonfinale möglich. Die TSG hat ein Heimspiel gegen den FC Augsburg. Ein Patzer des BVB muss im Fernduell her. „Ich bin am Ende froh, dass Dortmund noch zum 4:3 getroffen hat, sonst hätte es sehr wehgetan“, sagt Julian Nagelsmann. „Bei einem Dortmunder Unentschieden hätten wir uns ein bisschen in den Arsch gebissen“, sprach Stürmer Sandro Wagner nach der eigenen Nullnummer gegen Augsburg. Hoffenheim muss sich mit Rang vier (Champions-League-Qualifikation) begnügen. Gegen den FC Liverpool wird später im K.o.-Duell der Einzug in die Gruppenphase verpasst.

2017/18

Im direkten Duell gegen Dortmund geht es am letzten Spieltag um einen Platz unter den Top vier, der zur Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League berechtigt. Der Hoffenheimer Mai-Mittag endet nach dem hochverdienten 3:1 mit Rang drei und in Konfettiregen. Die Fans stürmen den Stadionrasen. Jubel paart sich mit der Vorfreude auf große internationale Gegner.

2018/19

Im Abschiedsspiel von Erfolgstrainer Julian Nagelsmann wird beim FSV Mainz 05 aus einem 2:0 ein 2:4. Die Schützenhilfe des FC Bayern (5:1 gegen Eintracht Frankfurt) hilft nicht, weil die TSG Hoffenheim ihre Aufgabe selbst nicht löst. „Manchmal ist es auch nicht schlecht, wenn man wieder ein bisschen Hunger bekommt“, orakelt Julian Nagelsmann mit Blick auf die verpasste Europa League und die folgende Saison ohne ihn. Ein Hunger, der nun ein Jahr später tatsächlich gestillt wird.

Florian Huber ist Sportredakteur bei der „Heilbronner Stimme“, die Mitglied der „G14plus“ ist: Eine bundesweite Kooperation von Sportredaktionen, die Beiträge austauschen. Auch diese Zeitung gehört zur „G14plus“.