1899 Hoffenheim

Interview Der ehemalige Hoffenheimer Stürmer Sejad Salihovic über die Chancen bei Hertha BSC und die Fußball-Bundesliga

„Trainer-Job nicht vorstellbar“

Archivartikel

Zuzenhausen.An diesem Samstag (15.30 Uhr) gastiert die TSG Hoffenheim bei Hertha BSC. Sejad Salihovic stammt aus Berlin, verbrachte den Großteil seiner Profikarriere im Kraichgau. Der 35-Jährige blickt im Interview mit dieser Zeitung zurück und voraus.

Herr Salihovic, wem drücken Sie als Berliner am Samstag die Daumen? Ihrem ehemaligen Nachbarn Vedad Ibisevic oder der TSG Hoffenheim?

Sejad Salihovic: Natürlich der TSG. Hier bin ich zum Profi geworden, hier hatte ich die schönste Zeit. Der ganze Verein ist mir ans Herz gewachsen.

Ihr ehemaliger Hoffenheim-Kollege Vedad Ibisevic lehrt als Hertha-Stürmer die Bundesliga-Verteidiger mit 35 Jahren immer noch Furcht und Schrecken. Was zeichnet ihn aus?

Salihovic: Solche Stürmer wie ihn, die gibt es kaum noch. Man sieht ihn kaum, dann ist er auf einmal da und trifft. Er fühlt sich fit, das weiß ich. Er spürt das Vertrauen des Vereins und des Trainers, das ist wichtig. Deshalb läuft es so gut bei ihm.

Gemeinsam mit Ibisevic, Tobias Weis und Selim Teber wohnten Sie vor zehn Jahren in einer Straße in Bad Rappenau.

Salihovic: Ach, das waren lustige Zeiten als Nachbarn. Wir haben viel gegrillt, Fußball gespielt und geschaut. Das war schön und unterhaltsam. Tobias Weis sehe ich seltener, das letzte Mal in einer Pizzeria in Sinsheim. Mit Selim Teber spiele ich ja noch zusammen Fußball.

Wo denn?

Salihovic: Bei der DJK SC Schwarz-Weiß Frankenthal in der Kreisklasse A Rhein-Pfalz. Ich hatte mich nach dem Ende der Profikarriere lange genug nicht bewegt.

Und dann wurden die Hosen zu eng?

Salihovic: (lacht) Ja, aber jetzt geht es wieder. Ich bin jetzt Stürmer, da muss ich mich schon recht viel bewegen. Wir trainieren zwei Mal die Woche. Wenn es bei mir zeitlich nicht hinhaut, spiele ich nur sonntags.

Den Ergebnissen nach ist das Verteidigen nicht die Stärke Ihrer neuen Mannschaft. Da gab es schon ein 5:10, 5:5 oder 6:4.

Salihovic: Ja, daran können wir sicherlich noch arbeiten. Aber das Wichtigste ist doch: Es macht Spaß.

Was fehlt Ihnen am meisten nach dem Karriereende?

Salihovic: Die erste Zeit nach dem Karriereende bist du froh, wenn du mal aus dem ganzen Trubel heraus bist. Aber dann vermisst man so ein volles Stadion und das Adrenalin rund um ein Spiel dann doch sehr.

Sie haben in Frankenthal bislang 13 Tore erzielt, wie viele davon waren Freistöße?

Salihovic: Drei, vier waren dabei.

Ein Freistoß-Experte fehlt bei der TSG Hoffenheim aktuell.

Salihovic: Es fallen in der Bundesliga insgesamt immer weniger Freistoß-Tore, weil kaum noch echte Freistoß-Experten existieren. Bei den Bayern schießt ja mittlerweile auch mal Robert Lewandowski die Freistöße. Das sagt doch alles.

Woran liegt das?

Salihovic: Man kann es nicht pauschal sagen, aber vielleicht sind die Jungs heutzutage etwas zu faul (lacht). Ich habe vor jedem Training eine halbe Stunde lang Freistöße trainiert. Das ist Schusstechnik, aber eben auch ganz viel Übung.

Sie sind beim Hoffenheimer Vereins-TV als Experte tätig. Ist das der Einstieg ins TV-Geschäft?

Salihovic: Das weiß ich noch nicht. Ich gebe derzeit jede Woche meine Einschätzung zu den jeweiligen Gegnern, was mir Spaß macht.

Was ist in Berlin drin für die TSG?

Salihovic: Nach den zwei Siegen in München und gegen Schalke natürlich viel, das Selbstvertrauen ist sicher da. Mindestens ein Punkt werden sie mitnehmen, sage ich.

Was machen Sie sonst beruflich?

Salihovic: Ich hatte in den vergangenen zehn Monaten wenig Zeit für anderes, weil ich in Frankenthal gerade eine alte Villa umbauen lasse. Ich wohne dann bald wieder in der Nähe von Selim Teber.

Streben Sie anschließend eine Trainerkarriere an?

Salihovic: Trainer sein, das kann ich mir nicht vorstellen. Das ist einer der stressigsten Jobs, die es gibt. Am Ende ist immer der Trainer schuld. Ich kann mir eher einen Job als Hoffenheimer Vereinsrepräsentant vorstellen, da sind wir in Gesprächen.

Florian Huber ist Sportredakteur bei der „Heilbronner Stimme“, die Mitglied der „G14plus“ ist: Eine bundesweite Kooperation von Sportredaktionen, die Beiträge austauschen. Auch diese Zeitung gehört zur „G14plus“.