1899 Hoffenheim

Fußball Mit dem FC Schalke 04 spielt heute das Team bei der TSG, das letztmals in Sinsheim siegte

Verzockt bei der Platzwahl

Archivartikel

Zuzenhausen.Tack, tack, tack - der Spielrhythmus bleibt weiter hoch bei der TSG Hoffenheim. Nach den ersten Europapokalpartien endet heute (15.30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 (bisher 29 500 Karten verkauft) die englische Bundesliga-Woche für die TSG. Schalke 04? Da war doch etwas? Ja genau: Die "Knappen" aus Gelsenkirchen sind die Mannschaft, die als Bundesligist letztmals in der Rhein-Neckar-Arena gewonnen hat, und zwar mit 4:1 am 14. Mai 2016. Das heißt: Seit nunmehr 20 Punktspielen ist 1899 daheim unbesiegt.

Das ist fast schon eine FC-Bayern-Bilanz. Und noch eine Parallele zum FC Bayern gibt es: Die TSG-Konkurrenten begegnen den Hoffenheimern auf Sinsheimer Terrain mittlerweile fast schon so ehrfürchtig wie dem Rekordmeister. Bremen und Berlin spielten äußert defensiv. Solch ein Vorgehen erwartet 1899-Trainer Julian Nagelsmann heute allerdings nicht: "Sie haben einen klaren Plan, haben schon in drei Grundordnungen gespielt und haben ein torgefährliches zentrales Mittelfeld", zählte er die Vorzüge der Schalker auf und fügte nach einer kleinen Pause die Gefährlichkeit bei Standards an.

"Es gibt aber", so der gewiefte Coach, "Situationen im Spielaufbau, die sie weniger gerne verteidigen wie andere. Aber da bedarf es ein wenig Geduld, um sie nicht einzuladen." Das hört sich mal wieder nach einem ausgeklügelten Plan an.

Auch der Coach gegenüber gilt als Talent, hat er doch 2016 den Fußballlehrer-Lehrgang in Hennef mit der Traumnote 1,0 als Jahrgangsbester abgeschlossen: Domenico Tedesco. Auch er entstammt der Hoffenheimer Schule, Nagelsmann und Tedesco kennen sich gut. Beide fuhren gemeinsam im Auto nach Hennef und philosophierten über Fußball. "Wir tauschen uns aber nicht mehr dauernd aus", berichtete Nagelsmann gestern, hatte aber noch eine witzige Geschichte aus der gemeinsamen Zeit auf der Sportschule parat: Tedesco saß in der letzten Reihe, Nagelsmann in der ersten. "Ich wollte am ersten Tag nicht schon Viertel vor acht drin sitzen und einen auf Oberstreber machen, sondern wollte ganz knapp kommen. Das sollte den Eindruck erwecken, dass ich das ganz cool auffasse. Leider hatten alle anderen die Idee mit Viertel vor acht und ich war der Einzige mit fünf vor acht. Da war nur noch der Platz in der ersten Reihe frei. Da musste man sich zum Streber entwickeln und konnte nicht ,Herr der Ringe, Teil 1 bis 3' schauen."

Bicakcic mit Kreuzbandverletzung

Typisches Beispiel von "verzockt", könnte man sagen. Das soll taktisch heute freilich nicht passieren, wenngleich Nagelsmann erstmals in dieser Saison einen Langzeitverletzten beklagen muss. Die Knieblessur von Ermin Bicakcic stellte sich nach weiteren Untersuchungen als Teilruptur des Kreuzbandes im rechten Knie heraus; "Mindestens", verkündete Nagelsmann; eventuell ist das Kreuzband sogar ganz gerissen. Minimum drei Monate wird der Abwehrspieler ausfallen.

Gewiss zwei, womöglich aber vier Wochen lang fehlt Mittelfeld-Ass Kerem Demirbay, der sich einen Muskelfaserriss im Beckenkamm zugezogen hat. Dafür könnte der zuletzt verletzte Serge Gnabry wieder fit für den Kader sein.

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