Adler Mannheim

Adler Mannheim Der gebürtige Mannheimer steuert in den Play-offs drei Tore und zwölf Vorlagen zu seiner dritten DEL-Meisterschaft mit den Adlern bei

1997, 1998, 2015: Für Hecht schließt sich der Kreis

Archivartikel

Ingolstadt.Jochen Hechts Augen funkelten, von seinen Schultern fiel eine Zentnerlast. 1998, vor 17 Jahren, war der damalige Teenager nach der zweiten von drei aufeinanderfolgenden Meisterschaften nach Nordamerika gewechselt. Er verließ das Elternhaus, seine Heimatstadt, seine Freunde, seinen Klub. In der NHL jagte er seinem großen Ziel nach: einmal den Stanley Cup gewinnen, das wäre es!

Vor der vergangenen Saison kehrte der Stürmer nach Mannheim zurück. Die Karriere ausklingen lassen? Nein, das wollte er nicht, dafür ist der heute 37-Jährige nicht der Typ. Stattdessen wollte Hecht noch mal das Gefühl des Erfolgs erleben, das süchtig machen kann. Vor einem Jahr endete die Mission Meisterschaft bereits im Viertelfinale gegen die Kölner Haie, nun wurde der Mann mit der Nummer 55 für seine Geduld die Hingabe zu seinem Sport belohnt.

Mit Instinkt und gutem Auge

"Dieser Titel fühlt sich super an. Wir wissen, wie viel Arbeit wir in diesem Jahr investiert haben. Ich bin stolz auf die Jungs", sagte der Routinier nach dem 3:1-Sieg im entscheidenden sechsten Finale in Ingolstadt. Die Partie bei den Bayern hatte einmal mehr gezeigt, dass Hecht trotz seiner Nordamerika-Erfahrung kein Torjäger mehr wird - nach Martin Buchwiesers Super-Pass vergab er in der 21. Minute die große Chance zur Führung. Andererseits hat er ein Auge für den Mitspieler, den Riecher für die richtige Entscheidung, der nicht von jetzt auf nachher erlernt werden kann, sondern der jahrelanger Erfahrung bedarf: Im Powerplay legte Hecht für Kurtis Foster auf, der zum 1:1 ausglich. Szenen wie diese hatte der Mannemer Bu in den Play-offs einige. Er wurde nicht nur zum besten Spieler der K.o.-Runde (MVP) gewählt, weil er mit drei Toren und zwölf Vorlagen die Scorerliste der Adler anführte, sondern weil er der Mann für die entscheidenden Aktionen war: "Diese individuelle Auszeichnung ist schön, ich habe in den Play-offs mein Bestes gegeben."

Das Team zählt!

Obwohl er mit seiner Erfahrung von fast 900 NHL-Spielen eine Sonderrolle hätte einnehmen können, ordnete sich Hecht - wie all seine Teamkollegen - unter. Er wusste: Nicht ich zähle, sondern der Erfolg der Mannschaft. "Unser Charakter in diesem Jahr war der Wahnsinn. Der Glaube an uns ließ sich durch nichts erschüttern", betonte der zweifache Familienvater, der dabei vor allem die historische Halbfinalserie gegen Wolfsburg im Blick hatte: "Dass wir dreimal einen 0:3-Rückstand drehen konnten, hat uns sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Deswegen wussten wir auch nach der 1:6-Klatsche in Spiel drei gegen Ingolstadt: Wir kommen da wieder raus."

Für Hecht schließt sich mit der Meisterschaft ein Kreis. "In der NHL war leider das Halbfinale das Höchste der Gefühle. Ich wollte zeigen, dass ich noch da bin. Dass ich mit diesem fantastischen Team das Ziel erreicht habe, ist einfach geil."

Wäre jetzt nicht ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören? Erst in dieser Saison hatte Hecht seinen Vertrag bei den Adlern bis 2016 verlängert. Der Frage, ob er diesen auch erfülle, wich er in der Stunde des Triumphs aus. Auf der Agenda stand erst einmal etwas anderes: Feiern!