Adler Mannheim

Teamcheck Auf der Torwartposition und bei der aktuellen Formkurve hat Mannheim leichte Vorteile gegen München – ansonsten herrscht Ausgeglichenheit

Adler müssen sich nicht verstecken

Archivartikel

Mannheim.Für viele ist es das vorweggenommene Finale: Ab Donnerstag (19.30 Uhr) kämpfen die Adler Mannheim gegen den EHC München um den Einzug in die Endspielserie der Deutschen Eishockey Liga. Um den vorletzten Schritt auf dem Weg zum Titel zu machen, sind vier Siege nötig. Wir haben die Meisterschaftsfavoriten verglichen:

Tor

In Pyeongchang hatte Danny aus den Birken klar die Nase vorne. Der Münchner Torhüter führte die deutsche Mannschaft mit starken Leistungen zur olympischen Silbermedaille, während Dennis Endras nur die Zuschauerrolle blieb. Der Adler-Schlussmann hat sich im Saisonverlauf aber kontinuierlich gesteigert, war im Viertelfinale gegen Ingolstadt großer Rückhalt und wirkte zuletzt sicherer als aus den Birken. E Vorteil Mannheim

Abwehr

Das Defensivverhalten der Adler hat sich unter Trainer Bill Stewart gebessert, mit Patrick Mullen verpflichtete der Club gegen Ende der Hauptrunde einen laufstarken Verteidiger mit gutem Aufbaupass. Sicher wie Fort Knox ist die Mannheimer Abwehr deshalb aber noch lange nicht. Die Adler dominierten die Partien gegen Ingolstadt bis auf wenige Ausnahmen. Sie fanden durch Aussetzer in der eigenen Zone aber immer wieder einen Weg, sich das Leben schwerzumachen. Bei Red Bull sieht die Sache anders aus, dort simmt die Mischung aus Verteidigern mit Offensivdrang und Abwehrspielern, die vor dem eigenen Kasten aufräumen. Der umgeschulte Ex-Adler Yannic Seidenberg hat eine traumhafte Entwicklung zurückgelegt, Derek Joslin steht für das körperliche Element. E Vorteil München

Angriff

Bis vor wenigen Wochen hätte das Urteil in diesem Punkt noch gelautet: Vorteil München. Im Viertelfinale gegen Ingolstadt überzeugten jedoch drei der vier Mannheimer Angriffsformationen. Plachta-Desjardins-Wolf sind über jeden Zweifel erhaben, Sparre-Festerling-Hungerecker machten mit ihren Toren den Unterschied, und auch der nominell vierte Sturm Kink-Raedeke-Ullmann, in dem zunächst Devin Setoguchi bis zu seiner Verletzung ansteigende Form bewiesen hatte, erfüllte die Erwartungen. Um gegen den Titelverteidiger eine Chance zu haben, müssen Kolarik-Goc-Adam eine Schippe drauflegen. Bei Red Bull lief zuletzt auch nicht alles nach Wunsch. Während vor allem die Olympia-Helden Dominik Kahun, Patrick Hager, Frank Mauer (sechs Tore) und Brooks Macek ihr Team trugen, war von anderen vermeintlichen Leistungsträgern wie Jon Matsumoto oder Steven Pinizzotto wenig zu sehen. Von Keith Aucoin, der zum „Spieler des Jahres“ in der DEL gewählt wurde, darf sich der Meister auch noch mehr erwarten. E Unentschieden

Über- und Unterzahl

In der Hauptrunde war das Münchner Unterzahlspiel besser als das der Adler, im Viertelfinale trumpfte Red Bull mit einem bärenstarken Powerplay auf (24,0 Prozent Erfolgsquote), während sich die Mannheimer mit einem Mann mehr auf dem Eis nicht gerade geschickt anstellten (8,7 Prozent). Aber: Die Adler treffen auf die statistisch schlechteste Unterzahl des Viertelfinals. E Unentschieden

Schlüsselspieler

Dominik Kahun hat sich zurecht in den Fokus der NHL gespielt. Bevor er in der nächsten Saison für die Chicago Blackhawks stürmen soll, will er München zum Titel-Hattrick führen. Im Viertelfinale gegen Bremerhaven traf der Ex-Jungadler einmal und bereitete sechs Tore vor. Kahun ist schnell und technisch versiert. Gegen die manchmal schwerfällige Adler-Abwehr kann er Löcher reißen. Mannheim stellt einen anderen Sturmtyp dagegen: David Wolf ist der X-Faktor im Adler-Spiel. Der 28-Jährige ist der emotionale Führungsspieler des Herausforderers. Auch wenn es ihm schwerfiel, ließ er sich im Viertelfinale auf keine Provokationen ein. Die Ausbeute: drei Tore, eine Vorlage, keine einzige Strafminute. Zusammen mit Andrew Desjardins und Matthias Plachta stellt er den Angriff mit der größten Durchschlagskraft. Diese „großen Jungs“ müssen erst mal gestoppt werden. E Unentschieden

Trainer

Es ist schon paradox: Don Jackson hat die Eisbären Berlin in ihrer erfolgreichsten Zeit von einem Titel zum nächsten geführt, in München knüpft er an diese Serie an – dennoch wurde der US-Amerikaner von der DEL noch nie zum „Trainer des Jahres“ gewählt. Der Stanley-Cup-Sieger mit den Edmonton Oilers (1984 und 1985) weiß wie kein Zweiter, wie eine Mannschaft zu führen ist. Er ist der Spiritus Rector. Auf der anderen Seite steht mit Bill Stewart ein Coach, der mit allen Wassern gewaschen ist. Der Kanadier hat in dieser Saison seine Klasse bereits gezeigt: Er hat aus einer labilen Truppe ein Team geformt, das dem Titelverteidiger gefährlich werden kann. E Kleiner Vorteil München

Form

München hat die Hauptrunde dominiert, im Viertelfinale hat es aber noch nicht in seinen Rhythmus gefunden. Kann Red Bull einen Gang hochschalten? Die Adler spielen zurzeit ihr bestes Eishockey – dann, wenn es darauf ankommt. Seit der Olympia-Pause sind sie das heißeste Team der Liga. E Vorteil Mannheim

Prognose

Zwar hat Mannheim alle vier Hauptrundenduelle gegen München verloren (5:15 Tore), doch die Adler haben sich seit dem letzten Aufeinandertreffen am 30. Januar kontinuierlich gesteigert. Kommt die Mannheimer Sturmreihe Kolarik-Goc-Adam ins Rollen und funktioniert das Powerplay, müssen sich die Münchner warm anziehen.

E Mannheim erreicht das Finale, wenn das Powerplay funktioniert

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