Adler Mannheim

Die Fans als Motor des Erfolgs: Traum, Treue, Triumph

Archivartikel

Mannheim.Es sind 13.600 Zuschauer, die in der SAP Arena aus 74 gespielten Minuten Eishockey einen Nervenkrimi im Rausch der Gefühle machen – und damit zum Motor des Erfolges werden, den Thomas Larkin um 22:29 Uhr und 36 Sekunden mit seinem Goldschuss zum enthusiastisch gefeierten Meistertitel für die Mannheimer Adler veredelt. Denn auch, wenn am vierten Abend der Playoff-Finals gegen den EHC Red Bull München vieles lange nach einem klaren Sieg für das Team von Pavel Gross aussieht: Dieser Freudentaumel kennt drei Phasen bis zur großen Erlösung.

Am Anfang regiert da der Traum. Die letzten drei Final-Matches hatten die Adler in Folge deutlich gewonnen, zwei davon auswärts. Selbst Mannheims Stadtoberhaupt Peter Kurz hat in der Hoffnung auf eine Vorentscheidung in der Arena Platz genommen, findet in Jutta Steinruck gar eine Gesellin von der anderen Rhein-Seite – und auch die Menge lässt sich nicht lange bitten. Mit unvergleichlicher Konsequenz peitschen ausverkaufte Reihen ihr Heimteam nach vorne und schreien die Adler zu einer souveränen 2:0-Führung nach dem ersten Drittel. Ein nur scheinbar erhabener Vorsprung.

Einer, den agiler Münchner bald schon nach allen Regeln der Kunst auf die Probe stellen. Da mögen die Adler zwischenzeitlich noch mit 4:1 in Führung gehen: Das Team aus der bayrischen Landeshauptstadt bleibt dran, legt nach und gleicht im Schlussabschnitt dank starker Einzelaktionen schließlich aus. Die Wut über den verspielten, sicher geglaubten Sieg währt bei den Anhängern in Blau-Weiß-Rot jedoch nur wenige Sekunden. Sofort ist die Fankurve wieder zur Stelle, steht auch und gerade in diesen schweren Minuten treu zu den Hockey-Pionieren und sorgt mit nimmer enden wollenden Anfeuerungsgesängen längst auch auf den Sitzrang-Tribünen für Ausnahmestimmung. Eine Philosophie, die kaum jemand präziser auf den Punkt bringt als Fan Michael Latos, der dem „MM“ im Gespräch verrät: „Wir haben viel von unseren Adlern erwartet, sie haben vieles erfüllt – dafür haben sie unsere bedingungslose Unterstützung verdient. Die Adler sind Familie. Das ist Heimat!“

Es ist genau diese Mentalität, die auch sichtlich ausgezehrten Adlern in der entscheidenden Overtime noch einmal Flügel verleiht, um schließlich zum langersehnten Triumph zu eilen. Denn auch, wenn das Momentum ab dem drittel Drittel auf Seiten der Kontrahenten zu sein scheint: Am Ende siegt hier auch der Wille gegen die Ermüdung. Dass Fans und Mannschaft gleichermaßen im Moment des großen Sieges die Courage zeigen, mit dem 782-fachen DEL-Spieler und Münchener Kapitän, Michael Wolf, einen scheidenden Stern der DEL-Geschichte mit lautstarkem Beifall zu ehren, spricht für das Herz eines Vereins, der das Gefühl für Leistung des Anderen selbst in der Euphorie des Augenblicks nicht aus den Augen verliert. Im Fachjargon nennt man das großen Sportsgeist, an diesem Abend ist es die pure Freude an einem Sport, der Rivalen kennen mag, aber auch Ehre und Wertschätzung – und das über alle Vereinsgrenzen hinweg. Großes Kino!

Zum Thema