Adler Mannheim

Adler Mannheim Ward, Woodcroft und Leach harmonieren prächtig

Drei Experten, sechs Augen, ein Ziel

Archivartikel

Mannheim.Als die Adler-Fans nach dem entscheidenden sechsten Finale "Geoff Ward"-Sprechchöre anstimmten, war das dem Mannheimer Meistertrainer fast ein bisschen peinlich. "Es geht um die Spieler - nicht um mich", unterstrich der 53-jährige Kanadier noch einmal das, was er über das ganze Jahr gepredigt hatte. Ward schuf mit seinem Stab die Atmosphäre, in der seine Schützlinge wachsen konnten: "Wir hatten die besten Plätze im Haus und konnten zuschauen, wie sich das Team entwickelt hat. Am Ende hat es sich selbst gemanagt", sagte Ward.

Christoph Ullmann bestätigte das: "In den letzten Jahren ist unsere Mannschaft von negativen Schwingungen begleitet worden. Diese Gedanken sind mit dem neuen Trainerteam weggewischt worden." Ward, der zuvor sieben Jahre als Co-Trainer für den NHL-Klub Boston Bruins gearbeitet und 2011 den Stanley Cup gewonnen hatte, initiierte den Umbau der Kabine - auch deshalb wurde der Etat um 400 000 Euro auf 7,8 Millionen aufgestockt. Wenn die Spieler zuvor vom Eis zurückkehrten, erblickten sie als Erstes auf den Massagebänken ihre verletzten oder angeschlagenen Teamkollegen, nun ist dort das Trainerbüro eingerichtet. Ein bisschen Feng-Shui also?

Auch bei den Neuverpflichtungen nahm der Klub Geld in die Hand. Harold Kreis, der an Neujahr 2014 von Hans Zach abgelöst wurde, hatte sich bei den Medienvertretern mit den Worten verabschiedet, sie sollten auf die Ausländer schauen. Das tat auch der Klub, der im Sommer den 40-jährigen Glen Metropolit aus der Schweiz oder den von vielen Seiten begehrten Jamie Tardif holte.

Stab erweitert

Bei einigen Verpflichtungen nutzte Ward seine Kontakte, andere gingen auf das Konto von Manager Teal Fowler, dem mit dem Trainer der Königstransfer glückte. Zudem wurde der Stab um einen Coach erweitert: Jay Leach kümmerte sich um die Verteidiger und das Unterzahlspiel. Als sogenannter "Skills Coach" arbeitete Craig Woodcroft individuell mit den Spielern.

"Seitdem ich in Europa bin, habe ich mit keinem Trainer zusammengearbeitet, der so gut vorbereitet ist", betonte Metropolit. Ronny Arendt ergänzte: "Man merkt, dass diese Jungs einen anderen Background haben als ihre Vorgänger. Sie gehen in der Detailarbeit auf, das kommt uns zugute. Früher haben wir uns bei Videoanalysen zum Gegner den Hintern abgesessen, Geoff und sein Team bringen alles auf den Punkt."

Ward, der vor den Play-offs als "DEL-Trainer des Jahres" ausgezeichnet wurde, ist ein Kommunikator, er sieht sich selbst in einer Lehrer-Funktion: "Ich treffe zwar die Entscheidungen, lasse die Spieler aber an den Prozessen teilhaben. Sie zahlen diese Wertschätzung zurück." In den vergangenen Jahren war im Umfeld der Adler zu hören, die Macht sitze in der Kabine. Es ließ sich der Eindruck gewinnen, die Trainer hätten sich erpressbar gemacht. Ward lässt solche Gedankenspiele gar nicht erst aufkommen, indem er alle mit ins Boot nimmt. Dass er gleich einen Drei-Jahres-Vertrag unterzeichnete, tat sein Übriges. "Die Jungs sollen wissen, dass ich den Plan habe, hier eine Weile zu bleiben. Bei Verträgen mit kürzerer Laufzeit besteht die Gefahr, dass man davor zurückschreckt, die Entscheidungen zu treffen, die getroffen werden müssen", betonte Ward.

Aggressives System

Ist das der Weg aus der Wohlfühl-oase, als die Mannheim lange galt? Mit einem aggressiven und offensiven System hat der 53-Jährige die Adler neu erfunden. Sie gingen nicht aufs Eis, um ja nicht zu verlieren - sondern, um zu gewinnen. Es war nicht davon auszugehen, dass sich der Erfolg so schnell einstellen würde. Von daher hoffen alle in Mannheim, dass Ward mit seinem Team den eingeschlagenen Weg fortsetzt. Bei den Trainern verhält es sich aber nicht anders als bei den Spielern: Ein Job in der NHL ist das Nonplusultra.

Ward verspürt jedoch nach eigener Aussage große Lust auf den Job in Mannheim. "Der Titel kommt ehrlich gesagt ein Jahr vor dem Zeitplan. Wir wissen aber jetzt, was wir brauchen, um erfolgreich zu sein. Wir genießen den Moment, aber in einem Monat beginnen wir mit dem Projekt Titelverteidigung", betonte der Coach. In erster Linie freute er sich für seine Jungs - nicht für sich selbst: "Die Spieler, die wir in der Kabine hatten, haben gezeigt, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Einzelteile. Die Meisterschaft kann ihnen niemand mehr nehmen."