Adler Mannheim

Eishockey Pinizzottos Horror-Foul gegen Adler-Angreifer Plachta drängt das Sportliche in den Hintergrund / DEL sperrt Münchens Stürmer nur für fünf Spiele

Dunkler Schatten über dem Halbfinale

Archivartikel

Mannheim.Diese Nachricht lässt die Fans der Mannheimer Adler aufatmen: Gegen 11.30 Uhr öffnete sich gestern die Kabinentür, heraus trat Matthias Plachta. Der Stürmer, der am Donnerstagabend nach Steven Pinizzottos heftigem Ellbogencheck gegen den Kopf noch minutenlang benommen auf dem Münchner Eis gelegen hatte, stand ohne fremde Unterstützung auf den Beinen.

Begleitet wurde er von Dr. Oliver Lanczik. Der Neurologe checkte Plachta durch. Ob der Olympia-Held im Halbfinale gegen München (Spiel zwei heute um 19 Uhr in Mannheim) noch einmal eingreifen kann, ist mehr als fraglich. „Wir geben zu den Gesundheitszuständen von Matthias Plachta und Carlo Colaiacovo keine Wasserstandsmeldungen ab“, erklärte Clubsprecher Adrian Parejo auf Nachfrage dieser Zeitung.

Nach Informationen von Sport 1 wird Plachta am Samstag gegen München wegen einer leichten Gehirnerschütterung nicht auf dem Eis stehen. Die Adler bestätigten auf Nachfrage diese Aussage nicht. 

Großes Aufsehen

Das üble Einsteigen Pinizzottos gegen den deutschen Nationalspieler, das den verdienten Münchner 4:2-Sieg zum Auftakt der Halbfinalserie verblassen ließ, sorgte deutschlandweit für Aufsehen. In den sozialen Netzwerken brachten viele Fans ihre Wut zum Ausdruck – teilweise mit Worten, die nicht zitierfähig sind. Der Münchner Übeltäter hatte es geschafft, dass gut einen Monat nach den Olympischen Spielen niemand mehr vom deutschen Silber-Coup sprach, sondern sich die breite Sport-Öffentlichkeit auf Pinizzottos schmutzige Spielweise fokussierte.

Gestern Morgen beantragten die Adler bei der DEL ein Ermittlungsverfahren gegen den Münchner Angreifer (siehe Interview mit Clubgesellschafter Daniel Hopp), am späten Nachmittag verkündete die Disziplinarkommission der Liga unter Vorsitz von Tino Boos ihr Urteil, sie sperrte Pinizzotto für fünf Spiele.

Bill Stewart hatte am Donnerstagabend ebenfalls eine Strafe riskiert – eine, die der Adler-Trainer gerne bereit ist zu zahlen. „Bei den beiden Schiedsrichtern herrschte das totale Chaos, von der ersten bis zur letzten Minute. Die Schiedsrichterleistung war inakzeptabel und für eine Profiliga unangemessen“, schimpfte der 60-Jährige und legte im Gespräch mit dem Rhein-Neckar Fernsehen ordentlich nach: „Diese Liga war stolz, dass ihre Spieler bei Olympia Silber gewonnen haben, aber wenn man Dinge wie heute sieht, dann ist das ein Witz! Die zwei Hauptschiedsrichter haben daraus, dass zwei Teams ziemlich hart gespielt haben, einen Zirkus gemacht.“ Es kümmere ihn nicht, wenn er für diese Aussagen von der DEL bestraft werde.

Die Partie glitt Sirko Hunnius und Marc Iwert aus den Händen. Sie lagen mit einigen Entscheidungen daneben und lieferten die Bestätigung, dass die DEL ein veritables Schiedsrichterproblem hat. Vieles wäre unmittelbar nach dem Spiel wohl kein Thema mehr gewesen, die 47. Minute änderte dies aber: Kurz bevor Pinizzotto an der Bande auf Plachta traf, riss er den Ellbogen noch einmal kurz hoch in Richtung Kopf des Adler-Stürmers. Minutenlang blieb der 26-Jährige regungslos auf dem Eis liegen, ehe er in die Kabine gebracht wurde. Zu allem Überfluss provozierte Pinizzotto mit abfälligen Gesten weiter. So deutete er an, dass er Plachta „schlafen gelegt“ habe.

Münchens Konrad Abeltshauser zeigte, was Sportsgeist ist: Er stützte Plachta und erklärte bei Sport1: „Die Ärzte, die Matthias vom Eis brachten, hatten ja nur normale Schuhe an. Ich habe auf Schlittschuhen besseren Halt und wollte sicherstellen, dass nicht noch etwas passiert.“

Leistungssteigerung nötig

Münchens Trainer Don Jackson sprach nach der Partie von einem „Clean Hit“ – also einem sauberen Check. Als er diese Aussage tätigte, soll er aber nur die Kameratotale gesehen haben, auf der die Szene nicht eindeutig zu erkennen war. Wie dem auch sei: In Spiel zwei ist heute jede Menge Gift drin. Dabei täten die Adler gut daran, in der ganzen Aufregung das erste Duell sachlich aufzuarbeiten. Um dem Titelverteidiger beizukommen, bedarf es einer Leistungssteigerung: Sie müssen ihre individuellen Fehler wie vor den ersten drei Gegentoren abstellen und ihr Powerplay zum Laufen bringen.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/adler

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