Adler Mannheim

Adler Mannheim Manager Teal Fowler über die Saison und die Gefahr von Abgängen nach Nordamerika

"Haben Sicherheit eingebaut"

Archivartikel

Mannheim.Der Pokal kehrt in die Eishockey-Stadt zurück, die Adler feiern die erste Meisterschaft nach 2007. Manager Teal Fowler äußert sich zu den Erfolgsfaktoren und der Gefahr, dass Spieler dem Lockruf der NHL erliegen könnten.

Herr Fowler, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Meister-Saison zurück?

Teal Fowler: Ich glaube, dass wir sehr attraktives Eishockey geboten haben. Ein großer Siegeswillen hat unsere Mannschaft ausgezeichnet, der uns bis zum Titel geführt hat. Das Produkt hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren verbessert.

Wie hat das Umfeld die Leistungen honoriert?

Fowler: Unsere Fans haben uns eine zweite Chance gegeben, nachdem die letzten Saisons mit einer Enttäuschung endeten. Dass eine andere Mannschaft auf dem Eis steht, war schon im Freundschaftsspiel vor der Runde gegen die Frankfurt Löwen zu erkennen. Wir zeigen den Sport, den unsere Fans sehen wollen.

Welche Rolle hat gespielt, dass mit "Chef" Geoff Ward und seinen Assistenten Craig Woodcroft sowie Jay Leach erstmals drei Trainer hinter der Bande standen?

Fowler: Wir haben nicht nur den Trainerstab neu zusammengestellt, sondern auch die Kabine renoviert. Auch für die Spieler, die schon länger das Adler-Trikot trugen, war das ein Zeichen, dass etwas Neues beginnt. Ich bin überrascht, dass alles auf Anhieb so gut geklappt hat. Wir haben auch auf die Teambuildingmaßnahmen großen Wert gelegt. Der Erfolg auf dem Eis gab uns recht.

Auch die Familien der Spieler wurden verstärkt eingebunden.

Fowler: Vor den Play-offs haben wir mit den Familien beispielsweise einen Casino-Abend veranstaltet, das war ein Hit! Die Spieler hatten mit ihren Frauen und Freundinnen sowie mit den Adler-Angestellten Spaß abseits des Eises, fern vom Büro. Auch in der Vergangenheit bestand die Möglichkeit, das so zu handhaben, aber Geoff Ward ist im Vergleich zu seinen Vorgängern mehr der Typ, der sagt: Wir machen das jetzt so!

Der Vertrag von Jay Leach läuft aus, wird er bleiben?

Fowler: Das hoffen wir, Jay will aber ein bisschen abwarten. Was er in seinem ersten Trainerjahr umgesetzt hat, macht ihn zu einem sehr attraktiven Coach. Wir konkurrieren nicht mit Klubs aus Europa, sondern mit Vereinen aus Nordamerika.

Kaum hat Ward Boston verlassen, haben die Bruins die Play-offs verpasst. Der Erfolgstrainer kommt im Sommer wieder, oder?

Fowler: Geoff hat bei uns einen Vertrag. Aber natürlich ist es normalerweise so, dass ein Spieler oder ein Trainer geht, wenn die NHL ruft. Was unser Trainerteam geleistet hat, hat sich bis nach Nordamerika herumgesprochen. Mit einem Coach wie Geoff gewinnt man mehr internationale Präsenz.

Spielen die Adler Boston-Bruins-Eishockey?

Fowler: Nein, Geoff hat eine andere Vorstellung. Viele Trainer in Nordamerika versuchen, ein Spiel nicht zu verlieren. Geoff gibt Vollgas, es gibt nur ein paar wenige Coaches mit dieser Mentalität. Bei den Bruins galt es immer, zunächst sicher in der Defensive zu stehen.

Wie groß sind die Befürchtungen, dass Jungs wie Denis Reul, Sinan Akdag oder Matthias Plachta ihr Glück in Nordamerika suchen?

Fowler: Wir haben mit einigen Transfers Sicherheit eingebaut für den Fall, dass uns einige Spieler trotz eines gültigen Vertrags verlassen. Für uns ist das keine einfache Situation, weil der deutsche Markt dicht ist. Einen Plachta kann man von seinen Fähigkeiten her nur mit einem Ausländer ersetzen. Selbst dann stellt sich die Frage, ob du einen besseren Spieler findest. NHL-Klubs haben Interesse an ihm, weil er ein guter Spieler ist - nicht, weil er einen deutschen Pass besitzt.

Haben Sie deswegen Philip Riefers und Brent Raedeke geholt?

Fowler: Wir informieren erst nach der Saison über unsere Transfers, aber es wird die eine oder andere Änderung geben. Das steht fest. In den Play-offs haben wir die Verhandlungen mit den Profis, die noch keinen Vertrag über diese Saison hinaus haben, abgebrochen. Die Spieler sollten nichts anderes im Kopf haben als Eishockey.

Was bedeutet der Abstieg von Kooperationspartner Heilbronner Falken in die Oberliga?

Fowler: Das bedeutet in erster Linie Unsicherheit. Wir haben neun Spieler in der DEL2 untergebracht, leider hat das nicht für den Klassenerhalt gereicht. Natürlich sind wir darüber enttäuscht. Jetzt müssen wir analysieren, was der beste Weg für beide Klubs ist. Am Ende mussten wir erkennen, dass die jungen Spieler mehr profitiert haben als der Verein.

Kann die Kooperation mit Heilbronn überhaupt fortgesetzt werden?

Fowler: Wir können weiter mit Heilbronn kooperieren, sind aber gleichzeitig verpflichtet, mit einem Klub aus der DEL2 zusammenzuarbeiten. Für uns war die kurze Entfernung zu unserem Partner sehr wichtig, weil die jungen Spieler in Mannheim gewohnt haben und Teil der Adler waren. Dorian Saeftel hat beispielsweise einen Zwei-Jahres-Vertrag, er studiert in Mannheim - wo geht er hin? Und die Kader von Bietigheim und Frankfurt, die um den Titel mitspielen wollen, sind anders aufgebaut als der von Heilbronn.