Adler Mannheim

Eishockey Bei den eigenen Fans ist Adler-Neuzugang Brendan Shinnimin beliebt, Anhänger anderer Clubs sehen ihn kritisch

Mann mit Ecken und Kanten

Mannheim.Die Szene ließ nichts Gutes erahnen. Brendan Shinnimin lag reglos auf dem Eis, der Neuzugang der Adler Mannheim aus der Deutschen Eishockey Liga musste kurzzeitig sogar um seine Karriere bangen. Im Spiel gegen die Malmö Redhawks kassierte der Kanadier in Diensten der Växjö Lakers einen heftigen Check und knallte in die Bande. Sanitäter stabilisierten den Stürmer, legten ihm eine Halskrause an und fuhren ihn auf einer Trage behutsam aus dem Stadion. Noch am selben Abend des 7. März 2020 gaben die Lakers direkt aus dem Krankenhaus aber Entwarnung: Shinnimin habe großes Glück gehabt und sei glimpflich davongekommen.

„Das war schon ein ziemlich harter Bandencheck, glücklicherweise ist aber eigentlich nichts Schlimmes passiert. Brendan hätte spielen können, wäre die Saison fortgesetzt worden“, sagt Adler-Sportmanager Jan-Axel Alavaara. Doch auch die Svenska Hockeyligan musste kapitulieren und wegen der Corona-Pandemie die Play-offs absagen, für die sich die Lakers als Tabellenzehnter noch geradesoeben qualifiziert hatten.

Am Montag stieg Shinnimin in seiner Heimat Winnipeg in den Flieger, am Dienstagmorgen landete er in Frankfurt. Wann der 29-Jährige ins Training einsteigt, hängt davon ab, wann das Ergebnis des obligatorischen Corona-Tests vorliegt. Alavaara ist davon überzeugt, dass der flexibel einsetzbare Angreifer eine Verstärkung für die Adler sein kann. „Brendan ist ein Wettkampftyp. Mit seinen läuferischen Qualitäten passt er in unser Konzept.“ Dass der Kanadier kein Kind von Traurigkeit ist, stört den Sportlichen Leiter genauso wenig wie die Punkteausbeute, die in der vergangenen Saison nach unten ging. Nachdem Shinnimin in seinem ersten Jahr mit Växjö die schwedische Meisterschaft gewonnen und danach eine 20-Tore-Saison in der nach der nordamerikanischen NHL und der osteuropäischen KHL drittbesten Liga der Welt hatte folgen lassen, brachen seine Statistiken ein. Fünf Treffer und 17 Vorlagen standen zuletzt für ihn zubuche.

„Chicken Shinnimin“

„Vor zwei Jahren hat Brendan gezeigt, was für ein guter Spieler er ist“, betont Alavaara. Der Schwede hofft, dass Shinnimin unter Adler-Trainer Pavel Gross sein Potenzial wieder voll ausschöpft. Dass der Linksschütze einiges drauf hat, bestätigt Robin Olausson, der für die Internetseite „Hockeysverige.se“ schreibt, die über die schwedische SHL berichtet. Olausson hat aber auch eine fehlende Konstanz erkannt: „An einem Tag ist Shinnimin ein herausragender Spieler, in der vergangenen Saison haben seine Leistungen aber etwas nachgelassen“, sagt der Experte im Gespräch mit dieser Redaktion. „Shinnimin spielt mit Herz. In den vergangenen drei Jahren hat er 260 Strafminuten gesammelt – so viele wie kein anderer Spieler in der SHL in dieser Zeit.“

Der Kanadier weiß seinen Körper einzusetzen. Ihm wird jedoch auch vorgeworfen, Strafen zu provozieren, die eine oder andere Schwalbe soll gesichtet worden sein. „Das hat ihm bei den gegnerischen Fans den Spitznamen ,Chicken Shinnimin’ eingebracht“, sagt Olausson: „Daraufhin ist er vor einem Spiel in einem Hühner-Kostüm auf dem Eis aufgetaucht. Shinnimin ist schon eine Nummerviele hier werden ihn vermissen.“

Wie Borna Rendulic, der den umgekehrten Weg gegangen ist und bei Örebro HK eine neue Herausforderung gefunden hat, ist auch Shinnimin ein Charakterspieler mit Ecken und Kanten. „Rendulic hat im Vergleich wohl den besseren Schuss“, meint Olausson. „Aber eines eint die beiden: Sie sind in ihren bisherigen Clubs schnell zu Publikumslieblingen avanciert.“

Die Personalplanungen der Adler sind mit dem Shinnimin-Transfer fast abgeschlossen, nur noch ein weiterer ausländischer Stürmer soll kommen. Dass dieser Jan-Mikael Järvinen heißt, wird immer unwahrscheinlicher – nicht nur, aber auch, weil Shinnimin wie der Finne ein Linksschütze ist und die Mannheimer mit Rendulic einen rechtsschießenden Angreifer ersetzen müssen. „Mit der Shinnimin-Verpflichtung hat es Järvinen noch schwerer, einen Platz in unserem Kader zu erhalten“, bestätigt Alavaara entsprechende Gedankenspiele.

Während Ligakonkurrent München am Sonntag bereits gegen Bern sein erstes Testspiel absolvierte, sind die Adler noch nicht so weit. Und das aus gutem Grund: Am Dienstag verschob die Champions Hockey League (CHL) ihren für Anfang Oktober geplanten Saisonstart auf den 17. November. „Daran werden wir unser weiteres Vorgehen ausrichten, es liegen bereits einige Pläne in der Schublade“, sagt Alavaara. Da jetzt Klarheit herrscht, wollen die Adler auch wieder das Gespräch mit den San Jose Sharks suchen und mit dem NHL-Club abklären, ob es Sinn macht, dass Nationalspieler Lean Bergmann in der CHL für die Adler aufläuft.

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