Adler Mannheim

Pinizzottos Foul überschattet Halbfinal-Niederlage der Adler

Archivartikel

München.Die Adler Mannheim haben das erste Halbfinale im Kampf um die deutsche Eishockey-Meisterschaft verloren. Beim EHC Red Bull München unterlag die Mannschaft von Trainer Bill Stewart am Donnerstagabend mit 2:4 (1:2, 1:1, 0:1). Überschattet wurde die Partie von einem ebenso unnötigen wie brutalen Foul des Münchners Steven Pinizzotto gegen Mannheims Matthias Plachta. Die Serie wird am Karsamstag (19 Uhr) in Mannheim fortgesetzt. „Wir haben es München zu einfach gemacht“, sagte Adler-Kapitän Marcus Kink.

Mannheim kam stark aus der Kabine. Matthias Plachta prüfte Danny aus den Birken im Münchner Tor nach gerade einmal acht Sekunden. „Danach haben wir München zu viele Spielanteile gelassen, statt kompakter zu stehen“, kritisierte Christoph Ullmann in der ersten Pause. Stimmt. Mads Christensen hatte das 1:0 auf dem Schläger, Dennis Endras klärte aber spektakulär (2.). Als Carlo Colaiacovo mit Jerome Flaake unglücklich zusammenprallte, blieb der Adler-Verteidiger auf dem Eis liegen und musste ich auf der Bank behandeln lassen (3.). Der Kanadier kam nicht mehr zurück. Doch damit nicht genug: Die Blau-Weiß-Roten gerieten mit einem Tor in Rückstand, das so nie und nimmer hätte fallen dürfen. Statt an der Bande den Körper des Gegners zu spielen, wollte Daniel Sparre den Puck aus der eigenen Zone dreschen. Markus Lauridsen spritzte dazwischen, seinen Pass verwertete Maximilian Kastner zum 1:0 (6.). Im Powerplay hatten die Adler die Chance, zurückzuschlagen. Nach Luke Adams Schuss stocherte Chad Kolarik nach. Die Scheibe lag im Tor, allerdings hatten die Schiedsrichter Sirko Hunnius und Marc Iwert die Partie zuvor unterbrochen, da der Puck unter aus den Birkens Schoner lag (7.). Mit Ablauf der Strafe gegen Keith Aulie zog Kolarik noch einmal ab, aus den Birken packte beherzt zu (9.).

Der Ausgleich war ein Musterbeispiel dafür, wie München beizukommen ist: Marcus Kink räumte Konrad Abeltshauser vor dem gegnerischen Kasten ab, Brent Raedeke ging seinem eigenen Schuss nach, passte mit der Rückhand zum völlig freien Ullmann, der Routinier ließ sich nicht zweimal bitten – 1:1 (13.). Mannheim war jetzt wieder im Spiel. Andrew Desjardins visierte das kurze Eck an, traf aber nicht (17.). Dann zeigten die Referees eine Strafe gegen Ullmann an, Sinan Akdag hakte gegen Jon Matsumoto. Ende des ersten Drittels sahen sich die Adler plötzlich einer zweiminütigen doppelten Unterzahl gegenüber. Das konnte nicht gutgehen – und das ging auch nicht gut: Nach Yannic Seidenbergs Pass hob Dominik Kahun die Scheibe zum 2:1 unter die Latte (20.). Während Adler-Trainer Bill Stewart die Schiedsrichter zur Rede stellen wollte, sagte Ullmann zu den beiden Strafen: „Ich weiß nicht, ob man die so pfeifen muss.“ Auch Teammanager Youri Ziffzer wollte sich nicht zu lange damit aufhalten: „Drei gegen Fünf ist nie eine schöne Situation – diese kam zu einem besonders unglücklichen Zeitpunkt, aber wir müssen sie akzeptieren.“

Die 5870 Zuschauer im ausverkauften Olympia-Eisstadion kamen auch im zweiten Drittel voll auf ihre Kosten. Hier vergab der quirlige Kahun das 3:1 (22.), dort verpasste Daniel Sparre bei angezeigter Strafe gegen Lauridsen das 2:2 (23.). David Wolf leitete den Ausgleich ein. Er verzögerte so lange, bis Mark Stuart mit nach vorne gestürmt war. Der Verteidiger bekam den Puck und zog ab. Aus den Birken konnte ihn nicht festhalten, Kolarik setzte energisch nach, und Luke Adam besorgte den Rest – 2:2 (26.).

Die Adler erkannten, dass sie die richtigen Waffen haben, um München im Halbfinale gefährlich zu werden. Um den Titelverteidiger zu stürzen, müssen sie aber in der eigenen Zone konsequenter arbeiten, größeren Fokus auf die Defensive legen. Einmal mehr passten sie nach einem eigenen Treffer nicht auf. Keiner sammelte den verlorenen Puck auf, Michael Wolf musste nur noch seinen Schläger in den harten Pass von Ryan Button halten, um das 3:2 zu erzielen. Patrick Mullen war zwar am Münchner Torschützen dran, ließ ihn aber gewähren. 34 Sekunden nach dem 2:2 mussten die Mannheimer wieder einem Rückstand nachlaufen.

Einfach war das nicht – erst recht nicht in Unterzahl. Die Schiedsrichter lagen mit ihren Entscheidungen nicht immer richtig. Patrick Hager legte David Wolf, im Fallen ging dessen Schläger nach oben und traf Hager im Gesicht. Ja, der Münchner Stürmer blutete. Aber was war in dieser Situation die Aktion, was die Reaktion? Hunnius und Iwert schickten den Adler-Angreifer jedenfalls für vier Minuten in die Kühlbox. Das Stewart-Team überstand diese heikle Phase zwar, weil Endras gegen Jason Jaffray glänzte (36.), die Unterzahl kostete aber Kraft.

Die packende Begegnung riss die Fans mit – nur einer sorgte für einen ganz faden Beigeschmack. Erst haute Steven Pinizzotto Adler-Verteidiger Mark Stuart den Schläger gegen den Kopf (45.), dann brannten ihm die Sicherungen völlig durch. Mit einem ganz üblen Ellbogencheck gegen den Kopf streckte er Plachta nieder (47.). Der Mannheimer blieb lange benommen auf dem Eis liegen. Die Betreuter brachten eine Halskrause, der Olympia-Held musste zur Behandlung in die Kabine. Obwohl einer der beiden Schiedsrichter direkt daneben stand und freie Sicht auf die unfaire Aktion hatte, sprach er keine Strafe aus. Dabei hätte für Pinizzotto die Partie beendet sein müssen! Die Adler drehten zwar noch einmal auf, nach Adams unnötigem Foul nahm das Schicksal aber seinen Lauf. Die Scheibe fiel Wolf auf den Schläger, der mit der Rückhand zum 4:2 vollstreckte (55.). Kolarik hätte noch einmal für Spannung sorgen können (57.), doch der Mannheimer Toptorjäger wartet weiter auf sein erstes Play-off-Tor. Stewart nahm Endras zwar zwei Minuten vor Schluss zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, doch das erste von maximal sieben Halbfinalspielen ging an München.

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