Adler Mannheim

Adler Mannheim Großer Aufwand bei den Play-off-Übertragungen

ServusTV transportiert Emotionen

Archivartikel

Mannheim.Basti Schwele sieht aus wie David Hasselhoff in seinen besten Jahren. Die Badehose sitzt, die Sonnenbrille verdunkelt die Augen, die Badelatschen hängen bequem an den Füßen, dazu macht der 39-Jährige lässig das bei Surfern bekannte "Hang-Loose"-Zeichen mit gespreiztem Daumen und Zeigefinger. Der Kommentator von ServusTV hat keine Wette verloren, er nimmt bei diesem dritten Finalspiel der Adler gegen Ingolstadt auch niemanden auf die Schippe, sondern aus reiner Notwendigkeit legt er diese besondere Arbeitskluft an.

"Hier oben ist der heißeste Ort in ganz Eishockey-Deutschland", sagt Schwele und deutet auf seine Sprecherkabine: "Im letzten Drittel herrschen hier Temperaturen von gut und gerne 40 Grad." Auch die eingebauten Ventilatoren schaffen kaum Kühlung, ein Luftaustausch findet wenige Meter unterm Hallendach der Mannheimer SAP Arena nicht statt. Ein Techniker kommt vorbei, überprüft ein paar Kabel und kriegt Schweles Klagen mit. Er lacht und sagt: "Wenn du weißt, wo der nächste Kühlschrank ist, machst du dir unter Kollegen schnell Freunde."

Schwele, der mit Eisbären-Urgestein Sven Felski das Mannheimer 1:6-Debakel kommentiert, gehört zur 70-köpfigen Crew, die ServusTV in den Play-offs in die DEL-Stadien schickt. Bei einem "normalen" Hauptrundenspiel reicht dem österreichischen Privatsender mit Sitz in Wals-Siezenheim im Bundesland Salzburg ein 50-Mann-Team, beim Winter Game zwischen Düsseldorf und Köln waren es aber 100.

5,1 Kilometer Glasfaserkabel

Hinter der Produktion steht ein großer logistischer Aufwand. Pro Partie werden 5,1 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, dazu kommen weitere 1,5 Kilometer Verkabelung für Bild und Tonsignale. Bis zu 23 Kameras sind im Einsatz - darunter die Seilkamera, die unter dem Hallendach angebracht ist, sowie eine Helmkamera, mit der ein Linienrichter actiongeladene Bilder einfängt. Für die 21-köpfige Technikcrew fallen um die 260 Arbeitsstunden an.

Trotz dieses Gigantismus ist Frank Potrykus die Ruhe selbst. Drei Stunden vor dem ersten Bully versammelt der Leiter der Sendung seine Mannschaft um sich, um die dreistündige Übertragung durchzusprechen. "Lasst uns die Einlaufshow mitnehmen, außerdem will ich Bilder von der Ankunft des Ingolstädter Busses haben", instruiert Potrykus seine Mitarbeiter.

Vieles geplant, einiges spontan

Vieles ist bis ins kleinste Detail geplant, einiges geschieht spontan. Ein Marathonspiel wie im Viertelfinale 2008, als die Adler den Kölner Haien erst nach 168:16 Minuten mit 4:5 unterlagen, sei für ihn kein Horrorszenario: "In den ersten zwei Verlängerungen gibt es genügend Material, das wir einspielen können - und danach? Dann lassen wir es laufen", erklärt der Produktionsleiter, der zum Vergleich den "Torfall von Madrid" heranzieht, als Marcel Reif und Günther Jauch am 1. April 1998 den um 76 Minuten verzögerten Anpfiff des Champions-League-Halbfinals zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund überbrücken mussten.

Seit drei Jahren ist ServusTV der Fernsehpartner der DEL, der Vertrag läuft bis Ende der Saison 2015/2016, eine weitere Kooperation wäre ein logischer Schritt. Um die Faszination des Sports in die heimischen vier Wände zu transportieren, lässt der Sender nichts unversucht, jeden Spieltag "das beste serielle Eishockeyprodukt Europas" anzubieten. So werden unter anderem die "Cable-Guys" mit Mikrofonen ausgestattet, um Emotionen einzufangen. "Eishockeyspieler stehen nicht in kurzen Hosen und Trikots vor dir. Daher ist es wichtig, hinter den Helm zu schauen", verdeutlicht Potrykus. Jungs wie die Mannheimer Christoph Ullmann oder Sinan Akdag seien vor diesem Hintergrund nicht nur ein gefundenes Fressen für die Fernsehmacher, sondern auch unersetzliche Botschafter ihrer Sportart.