Adler Mannheim

Adler Mannheim Der Mannheimer Meisterspieler von 2001 arbeitet künftig für seinen Ex-Klub / Talentspäher und Ansprechpartner für ausgeflogene Jungadler

Todd Hlushko, der Nordamerika-Botschafter

Archivartikel

Mannheim/Toronto.Es ist, als wäre Todd Hlushko nie weggewesen. Bei seinem Antrittsbesuch Anfang August ist der neue Nordamerika-Scout der Adler bestens aufgelegt. Ein lockerer Spruch hier, ein breites Grinsen da. Hlushko, der von 2000 bis 2004 das blau-weiß-rote Trikot trug und unter Bill Stewart die Meisterschaft 2001 gewann, ist ein Sonnyboy, stets gut gelaunt, immer offen.

56 Tore schoss Hlushko für die Adler, den Fans ist er aber nicht nur deswegen bestens in Erinnerung geblieben. Keiner konnte so akrobatisch feiern wie er: Die "Raupe", seine Breakdance-Einlage mit blankem Oberkörper, ist legendär. Beim Benefiz-Golfturnier verzichtete er jedoch darauf. "Meinen Rücken würdest danach selbst du nicht mehr hinbekommen", ruft er Physiotherapeut Rudi "Angel" Lang lachend zu.

Zusammenarbeit mit Hecht

Hlushko ist nicht für ein Tänzchen nach Mannheim gekommen, sondern um sich seinem alten und neuen Arbeitgeber vorzustellen - beziehungsweise dessen spielerischem Personal. Gemeinsam mit Jochen Hecht, der sich bei den Adlern künftig um die Spielerentwicklung kümmern soll, wird Hlushko in den kommenden Monaten häufig zusammenarbeiten. Anfang August hat das Duo sechs Talente auf dem Eis um sich versammelt, die in Nordamerika ihr Glück versuchen wollen. Darunter Julian Napravnik, den DNL-Spieler der vergangenen Saison.

"Sie sollen mein Gesicht schon einmal gesehen haben, wenn wir uns in Nordamerika treffen", erklärt Hlushko. Ein Teil seiner Aufgabe für die Adler ist es, mit ehemaligen Jungadlern Kontakt zu halten. "Wenn es mal Probleme gibt, kann ich eine Art Mediator sein", sagt der 46-Jährige, der auch sicherstellen soll, dass die Mannheimer erster Ansprechpartner für die Talente sind, sollten sie ihre Zelte in den USA und in Kanada abbrechen und nach Europa zurückkehren. Dass die Jungs durchaus das Zeug haben, sich in Übersee durchzusetzen - davon hat sich Hlushko überzeugt. "Ich muss zugeben, dass ich ziemlich neidisch bin. In ihrem Alter war ich lange nicht so gut."

Hlushko arbeitet nicht nur für seinen Ex-Klub, in den Jahren nach seinem Karriereende hat er sich als TV- und Radioexperte bei Rogers Sportsnet einen Namen gemacht. "Ich begleite die Spiele der Toronto Maple Leafs." Der Job ähnelt jenem, den sein ehemaliger Teamkollege Dave Tomlinson für die Vancouver Canucks ausübt. Allerdings analysiert Hlushko mehr im Hintergrund. Beide tauschen sich regelmäßig aus.

Hlushko ist daher einer, bei dem viele Fäden zusammenlaufen. Wollen langjährige Weggefährten wissen, wohin es ehemalige Teamkollegen verschlagen hat, benutzen sie nicht etwa eine Internet-Suchmaschine, sondern rufen Hlushko an. Das war auch 2011 so. Nachdem Dennis Seidenberg mit den Boston Bruins den Stanley Cup gewonnen hatte, lud er seine Adler-Kumpels vom Beginn seiner Karriere zur Feier nach Atlantic City ein. Hlushko ließ sich nicht lumpen, er trommelte sie zusammen, gemeinsam erlebten sie einen einmaligen Tag.

Nicht nur deswegen sagt der ehemalige Außenstürmer, der in der nordamerikanischen Profiliga NHL das Trikot der Philadelphia Flyers, Calgary Flames und Pittsburgh Penguins trug: "Ich habe nie aufgehört, ein Adler zu sein!" Das habe er auch in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, ohne beim DEL-Klub in Lohn und Brot zu stehen: "Ich war und bin ein Botschafter der Adler. Von der Tradition her sind sie die Toronto Maple Leafs oder die Montreal Canadiens Deutschlands. Das meine ich wirklich so - und das sage ich auch jedem."

Hlushko soll in Nordamerika allerdings nicht nur als Repräsentant der Adler arbeiten, sondern auch als Talentspäher. In seiner Funktion als TV- und Radiomann sieht er ohnehin viele Spiele - nicht nur in der NHL, sondern auch in der American Hockey League (AHL). "Der große Vorteil für die Adler ist, dass ich im Gegensatz zu großen Scouting-Büros, die allen Klubs eine vorgefertigte Liste mit Spielernamen präsentieren, ausschließlich für Mannheim unterwegs bin. Meine Arbeit ist viel spezifischer. Ich kann genau den Spielertyp finden, den die Adler gerade suchen."