Adler Mannheim

Adler Mannheim Titel 2007, Desaster 2012, Meister 2015

Ullmann, Kink und Arendt verbindet viel

Archivartikel

Mannheim.Christoph Ullmann ist nie um einen Spruch verlegen - der 31-Jährige wurde im März vor den Play-offs nicht umsonst als bester "Cable Guy" ausgezeichnet. Warum sollte das nach dem entscheidenden 3:1-Sieg im sechsten Finalspiel gegen den Titelverteidiger ERC Ingolstadt anders sein? "Ich will euch mal einen kurzen Einblick in unser Seelenleben geben. Nach dem 1:6 in Spiel drei hätten wir eigentlich einen freien Tag gehabt, doch Trainer Geoff Ward hat uns in die Kabine bestellt. Ich habe in die Runde geschaut und in den Gesichtern 25 Fragezeichen gesehen. Es herrschte die Stimmung: Diese Mannschaft können wir nicht schlagen, gegen ,Pille' können wir kein Tor mehr schießen. Die Serie wird bald durch sein."

Doch dann passierte das, was die Wende einleitete: "Wir haben uns zusammengerauft. Jeder hat gesagt, was ihm auf dem Herzen liegt. Einige meinten, dass sie nun seit zwölf Jahren Profi-Eishockey spielen würden und sie diese einmalige Chance am Schopf packen wollten. Alle haben ihre Seele geöffnet. Wir wussten dass wir unsere Füße aus dem Treibsand bekommen mussten."

Rückkehr der Comeback-Könige

Das Resultat konnte sich sehen lassen: Die Comeback-Könige schlugen einmal mehr zurück. 6:2, 3:1, 3:1 - mit drei Siegen in Folge setzten sich die Adler die Krone auf. Zum ersten Mal seit 2007. Und - wer war damals schon dabei? "Ulle" natürlich - genau wie seine Sturmkollegen Marcus Kink und Ronny Arendt. "Das ist natürlich eine ganz tolle Geschichte. Uns drei verbindet sehr viel, viele Emotionen", betonte Arendt. "Das, was wir seit Mittwoch erleben durften, kann uns keiner mehr nehmen. Daran werden wir uns in unserem Leben noch oft erinnern."

Das Trio machte aber nicht nur die guten Zeiten miteinander durch, sondern hielt auch zusammen, als es für den Klub und die Spieler persönlich nicht so gut lief. Die schwärzeste Stunde in der jüngeren Geschichte des Mannheimer Eishockeys ist ihnen noch bewusst. Mit dem 22. April 2015 haben sie jedoch den 22. April 2012 getilgt. Damals sah alles danach aus, als würden die Adler die siebte Meisterschaft nach Mannheim holen. 5:2 lag die Truppe von Trainer Harold Kreis damals im vierten Finale gegen die Eisbären Berlin vorne. 14 Minuten waren noch zu spielen. Berlin drehte nicht nur diese Partie, sondern holte sich in Spiel fünf den Titel. Ullmann wäre zum besten MVP gewählt worden, hätten sich die Blau-Weiß-Roten gekrönt. Stattdessen fühlte er sich wie ein Häufchen Elend.

Ullmann alias Helene Fischer

All das hat er im Blick, als er sagte: "Das ist ein geiler Moment." Dann nahm er seinen langen Weggefährten Kink in den Arm und jubelte: "Schau ihn dir an, schau ihn dir an, diesen geilen Typen." Gegenüber ServusTV meinte der Mittelstürmer mit einem breiten Grinsen, nachdem der Konfettiregen auf ihn niedergeprasselt war: "Wir sind alle kaputt, machen das Licht im Bus aus, fahren nach Hause und schlafen."

Stattdessen ging schon auf der Rückfahrt die Post ab. Ullmann machte einen auf Helene Fischer. "Atemlos" grölte er den 2500 Fans entgegen, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in der SAP Arena auf ihre Meistermannschaft gewartet hatten. "Wir haben acht Jahre auf diesen Titel gewartet, jetzt dürfen wir auch acht Tage feiern."

Gestern sah es ganz danach aus, als würde er diesen Worten Taten folgen lassen. Als ihm beim Empfang bei Oberbürgermeister Peter Kurz ein Glas Sekt gereicht wurde, winkte der Nationalspieler kurz ab und fragte: "Wo steht das Bier?" Seinem Teamkollege Jochen Hecht erging es ähnlich: "Ich würde heute ohne die Sonnenbrille nichts sehen."

Arendt lehnte sich in einem stillen Moment zurück. Er, der zwar im Osten Deutschlands geboren wurde, aber sich mit Mannheim identifiziert wie wenige. "Weeschd wie isch mään" lautet der Schriftzug in breitem Kurpfälzisch auf der Hülle seines Smartphones. "Für die ganze Stadt ist dieser Titel wichtig. In den vergangenen acht Jahren mussten wir viel einstecken, jetzt haben wir uns den Hintern aufgerissen." Deshalb rang auch Kink um Worte: "Es wird ein bisschen dauern, bis wir das, was wir geschafft haben, in unsere Köpfe bekommen haben."