Adler Mannheim

Adler Mannheim Meister-Premiere für Goc/ Nummer drei für Kink

„Warten auf den ersten Titel hat sich gelohnt“

Archivartikel

Mannheim.Kaum hatte Thomas Larkin seine Kollegen, die Trainer, Betreuer und Fans mit dem Siegtreffer erlöst und lagen sich die Spieler siegestrunken in den Armen, fuhr Marcel Goc zu den Plätzen, auf denen die Familien mitgezittert hatten. Sohn Jonas, Tochter Leonie und Frau Susanne winkten mit ebenso freudestrahlenden Augen ihrem Papa und Mann, wie der zurück.

„Diese Meisterschaft hat einen sehr hohen Stellenwert für mich. Ich habe jetzt 20 Jahre Eishockey gespielt und es ist mein erster Titel“, berichtete Goc nach Siegerehrung, Konfetti-Regen und von Bier und Sekt durchtränkt „Das Warten hat sich aber gelohnt. Ich war nah dran 2003 auch mit Mannheim, da haben wir gegen Köln verloren. Solche Möglichkeiten kommen nicht so oft. Wir hatten häufiger sehr gute Mannschaften, auch in der NHL. Aber in den Play-offs werden die Karten eben neu gemischt“, hat der mittlerweile 35-Jährige in der nordamerikanischen Profiliga in fast 700 Spielen 80 Tore erzielt.

Eines seiner vielleicht wichtigsten war der erlösende Treffer zur 1:0-Führung gegen München nach sechs Minuten. Dass es noch einmal eng wurde, die Adler die Fans in die Gefühlsachterbahn Verlängerung schickten, war dank des geglückten Endes kein Thema mehr. Deshalb blieb der Olympia-Held von Pyeongchang, Goc führte die Nationalmannschaft 2018 sensationell zur Silbermedaille, gewohnt bescheiden: „Dennis Endras hat ein paar Super-Paraden gemacht und ich muss gestehen, dass ich das Tor von Thomas Larkin gar nicht richtig gesehen habe. Aber ist ja auch egal, Hauptsache es war drin.“

Goc, der 2015 aus Nordamerika zu den Adlern zurückkehrte, nannte die mannschaftliche Geschlossenheit als Hauptgrund für den perfekten Abschluss einer phänomenalen Saison: „In den letzten Jahren hat uns im Spiel die Konstanz gefehlt. Dieses Jahr haben wir, auch wenn es mal nicht optimal gelaufen ist, meist einen Weg gefunden, die Partien zu gewinnen. In den Play-offs haben wir dann unser bestes Eishockey gezeigt.“

Nicht zuletzt der Mittelstürmer spielte seine Ruhe und Übersicht aus, als Regisseur der vierten Reihe – und das, obwohl ihn ein Kniescheibenbruch bis Mitte Februar außer Gefecht gesetzt hatte. Goc ließ sich von einer Operation nicht aus der Bahn werfen, er kämpfte. „Es war befreiend und erlösend, dass sich die ganze Arbeit in der Reha gelohnt hat. In den letzten Jahren ist bei mir der Wurm dringewesen mit meinen Verletzungen“, blickte er auf harte Zeiten zurück. „Ich glaube, ich bin den Physios ein bisschen auf den Geist gegangen als Dauergast. Ich muss so vielen Leuten danken, dass ich sie gar nicht alle auflisten kann. Die wissen aber, dass ich sie meine.“

Einen nannte der gebürtige Calwer dann aber doch: „Daniel Hopp ist der größte Fan, den die Adler in Mannheim haben. Er steht bei jedem Spiel hintendran und fiebert mit und würde die Pucks am liebsten selbst ins Tor drücken, falls nötig. Mich freut es unglaublich für ihn, dass wir die Meisterschaft geholt haben.“ Bevor Goc mit seinen Kollegen Party machte, stellte er klar, wie seine Zukunft aussieht: „Ich habe noch ein Jahr Vertrag und weiter schaue ich jetzt nicht.“

Mannschaft geht vor

Ab der Halbfinalserie hatte er das Kapitänsamt von Marcus Kink übernommen, der dienstälteste Adler musste die folgenden Spiele von der Tribüne aus mitverfolgen. Trotzdem war es selbstverständlich, dass der 34-Jährige als Erster die Hand am Pokal hatte, nur um ihn gleich an Torhüter Dennis Endras weiterzureichen. Nach etlichen Sekt- und Bierduschen war Kink selig. „Das ist einfach unglaublich. Allein diese Fans, dieser Ausnahmezustand war all die Mühen wert. Es macht mich stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Wir hatten eine Mission und wir haben sie erfüllt. Das ist nach all der harten Arbeit eine Genugtuung.“

Seine besondere Situation kommentierte der Mittelstürmer nach seinem dritten Meistertitel mit den Adlern gewohnt diplomatisch: „Ich habe so etwas nicht zum ersten mal erlebt. Aber ich habe mich trotzdem als Vorbild verstanden. Eishockey ist ein Mannschaftssport. Da geht es nicht um einen einzelnen Spieler. Jeder hat seine Aufgabe erfüllt.“

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