Alstom

Strategie US-Konzern spezialisiert sich nach mauen Gewinnen künftig auf Luftfahrt, Energie und Gesundheitstechnik / Dividende geht zurück

General Electric streicht Sparten zusammen

New York/Mannheim.General Electric (GE) hat sich vom Innovationsführer zum Sorgenkind der US-Wirtschaft und Prügelknaben der Wall Street entwickelt. Der 125 Jahre alte Konzern erlebt ein schwarzes Jahr. Nun will der neue GE-Chef John Flannery das Ruder endlich herumreißen.

Der Top-Manager übernahm den Spitzenposten im August von Jeff Immelt, der stark in der Kritik stand. Doch Flannerys wichtigster Auftritt folgte gestern, als er verkündete, wie GE wieder in die Spur kommen soll. Nach der 16-jährigen Immelt-Ära soll der Siemens-Konkurrent gründlich umgekrempelt werden. Künftig soll das Geschäft kleiner und einfacher werden. Der Druck ist groß. Im US-Leitindex Dow Jones Industrial Average ist General Electric mit Kursverlusten von 37 Prozent der mit Abstand größte Verlierer des laufenden Börsenjahres.

Schwache Finanztochter

Analysten halten die Probleme größtenteils für hausgemacht. Nach schlechten Erfahrungen in der Finanzkrise hatte Immelt eine Rückbesinnung auf das industrielle Kerngeschäft durchgesetzt. Die Tochter GE Capital, deren Finanzdienstleistungen einst mehr als die Hälfte zum Umsatz beisteuerten, wurde fast vollständig eingestampft. Stattdessen setzte man aufs Energiegeschäft- mit schlechtem Zeitgespür. GE machte sich mit dem Kauf der Energiesparte des Rivalen Alstom 2015 noch abhängiger von Öl und Gas - just, als die Preise einbrachen.

Nun sollen radikale Entscheidungen den riesigen Konzern mit rund 295 000 Mitarbeitern wieder auf Kurs bringen. GE solle sich auf Luftfahrt, Energie und Gesundheitstechnik konzentrieren, kündigte Flannery an. Er bekräftigte den Plan, sich binnen ein bis zwei Jahren von Sparten oder Vermögenswerten im Umfang von 20 Milliarden Dollar zu trennen. Geprüft werden das Zuggeschäft, Industrielösungen, die Lichtsparte und zehn weitere Bereiche.

Die Mannheimer Fabrik von GE gehört zur Energiesparte. Hier werden Turbinen für konventionelle Kraftwerke hergestellt, die wegen der Energiewende aber so gut wie nicht mehr gebaut werden. Ende 2017 schließt die Fabrik. Rund 1000 Jobs gehen verloren, es gibt einen Interessenausgleich mit Sozialplan. Übrig bleibt hauptsächlich der Service mit 700 Mitarbeitern. Was mit den freiwerdenden Flächen aus der Produktion passiert, ist noch unklar. GE liebäugelt damit, den Standort zu wechseln - innerhalb Mannheims oder der Region. Ein Sprecher des Konzerns bestätigt laufende Gespräche. Entschieden sei noch nichts.

Auch um schmerzhafte Einschnitte für die Aktionäre kommt GE nicht herum. Erst zum zweiten Mal nach der großen Wirtschaftskrise in den Dreißigerjahren sinkt die Dividende. Sie wird auf 48 Cent pro Jahr halbiert. (dpa/jung)