Arbeit und Karriere

Gleichberechtigung 15 Frauen engagieren sich im Verein „Working Moms“ für die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere / Regionaler Ableger eines bundesweit bestehenden Verbands

Vorbild und Austausch: Arbeitende Mütter vernetzen sich

Archivartikel

Wieder eine – aus Sicht von Befürwortern der Gleichberechtigung – entmutigende Studie: Frauen und Männer mit Kindern nutzen flexible Arbeitsmodelle wie Home Office unterschiedlich, hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in dieser Woche vermeldet. Während Väter sehr viel mehr Zeit in den Job stecken, machen Mütter etwas mehr Überstunden – vor allem aber nehmen sie sich deutlich mehr Zeit für Kinderbetreuung. Und immer wieder belegen Studien, dass Mütter auf dem Arbeitsmarkt Nachteile erleben: Auch bei gleicher Qualifikation werden sie oft gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen, wie Berliner Forscher 2018 kritisierten. Sie bekommen ein niedrigeres Gehalt und werden seltener befördert als kinderlose Frauen oder Männer.

Dafür, dass Karriere und Kinder vereinbar sind, setzt sich in der Region unter anderem ein kleiner Verein ein, der sich vor zwei Jahren gegründet hat: die „Working Moms“. Der Zusammenschluss arbeitender Mütter ist der regionale Ableger eines bundesweiten Verbands.

Monatliche Treffen in Brühl

Eine der „Working Moms“ in der Metropolregion ist Nora Legittimo, 40 Jahre alt, IT-Programmmanagerin in Vollzeit bei SAP und Mutter von zwei Söhnen. „Wir empfinden es nach wie vor als gesellschaftlich wenig akzeptiert, diesen Weg zu gehen: ambitioniert zu arbeiten und sich trotzdem für Kinder zu entscheiden“, erklärt sie. Es gehe den „Working Moms“ bei ihrer Vereinsarbeit jedoch keineswegs darum, ihr Modell als „das einzig richtige“ anzupreisen.

Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder in Brühl. Dann steht ein Impulsvortrag auf dem Programm, mit anschließender Diskussion: mal zu familien-, mal zu berufsbezogenen Themen. Es geht den Müttern um Austausch, darum, ein Netzwerk unter Gleichgesinnten aufzubauen. „Es hilft ungemein, Vorbilder zu haben“, sagt Nora Legittimo: zum Beispiel mit älteren Frauen zu sprechen, deren Kinder schon größer sind – und die sich trotz Widrigkeiten in der Arbeitswelt behauptet haben.

Es werde zwar gesellschaftlich viel über das Thema Vereinbarkeit diskutiert, beobachtet Nora Legittimo. „Jedoch noch viel zu wenig innerhalb der Partnerschaften.“ Dabei gehe es um Fragen wie: Wie wollen wir als Familie leben? Welche Modelle sind möglich? Wie teilen wir die Betreuungszeiten auf?

Ständiger Erklärungszwang

Dass es „eine Kraftanstrengung“ ist, als Mutter Vollzeit zu arbeiten, wollen die „Working Moms“ dabei nicht verheimlichen. In Deutschland müssten Mütter sich ständig erklären – egal, wie sie es machen, kritisiert Legittimo: Vollzeitmütter zu Hause genau wie vollzeitberufstätige Mütter. „Sich nicht für seine Entscheidung rechtfertigen zu müssen, das hilft schon ungemein“, glaubt die IT-Expertin.

Wenn ein Mitarbeiter drei Tage zu einer Konferenz fliegen soll, wird in der Regel der Mann mit drei Kindern gefragt, nicht die Frau mit drei Kindern, gibt Nora Legittimo ein Beispiel aus dem beruflichen Alltag vieler Frauen. „Da muss noch viel passieren.“ Und doch blickt sie zuversichtlich in die Zukunft von arbeitenden Müttern in der Region: „Es gibt Arbeitgeber, die sich schon unglaublich flexibel zeigen. Sie wissen, dass sie auf den Fachkräftemangel reagieren müssen.“

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