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100 Jahre Opel-Werksbahn

Archivartikel

Opel feiert ein rundes Jubiläum: 100 Jahre Werksbahn. Alles begann mit rußschwarzen Dampf-Loks, die ab 1920 über die Gleise schnauften. Die heutigen Schienenfahrzeuge gleiten sauber im Dienste der Logistik übers Gelände. Der Standort war von Anbeginn klug gewählt.

Schon Firmengründer Adam Opel wählt 1868 für seinen Fabrikneubau einen Standort unmittelbar am Rüsselsheimer Bahnhof. 50 erfolgreiche Jahre später, nach Jahrzehnten der Expansion bei der Nähmaschinen-, Fahrrad- und Automobilproduktion, wird seinen Söhnen klar, wie vorteilhaft ein eigener Gleisanschluss sein würde. Die Anlieferung von Rohstoffen und Komponenten ist hier ebenso im Blick wie der geschmeidige Versand der fertigen Produkte.

Daher nimmt Carl von Opel 1918 mit der "Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion" in Mainz Kontakt auf und verhandelt über einen eigenen Anschluss für das Werk. Sein Anliegen wird befürwortet und schon zwei Jahre später kann die erste werkseigene Rangierlokomotive ihre Arbeit aufnehmen - ab jetzt heißt es Volldampf voraus für die Opel-Werksbahn.

Die älteste überlieferte Dampfmaschine ist eine Rangierlok der Düsseldorfer Lokomotivfabrik Hohenzollern. Das Stahlross vom Typ "Oberkassel", Baujahr 1914, wird um 1920 gebraucht von der Zuckerfabrik Dormagen übernommen. Wie alle Opel-Werksloks ist es eine "Normalspur"-Lok, hat also eine Spurweite von 1.435 Millimetern - dieses Maß ist auch heute noch in Europa, Nordafrika, Nordamerika und China die Standardspurweite. Die Gleisanlagen in Rüsselsheim sind also von Anbeginn voll kompatibel mit dem internationalen Schienennetz.

Das Dampfzeitalter währt bei Opel nur kurz. Zwei nagelneue Diesel-Loks ergänzen 1927 den Fuhrpark. Die von der Motorenfabrik Oberursel gebauten Deutz PMZ 203 R werden durch 55 PS starke Zweizylinder-Zweitaktdiesel angetrieben. 1928 stößt eine 83 PS starke PMD 230 R dazu, 1942 eine mit Leuchtgas betriebene Deutz GA6M 420 R mit Sechszylindermotor.

Zwei Dinge sind für die Werksbahn charakteristisch. Zum einen die Besonderheit, dass die Opel-Loks auf öffentlichen Gleisen Waggons von der DB übernehmen beziehungsweise an sie übergeben. Das erfordert ein großes Maß an Überblick und Koordination. Zum anderen sind Fahrten auf dem Werksgelände anspruchsvoll, weil rund die Hälfte der Gleise aus Straßenschienen besteht - Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger bewegen sich gleichberechtigt nebeneinander.

Alle Lokomotiven werden in eigenen Werkstätten regelmäßig penibel gewartet. Dabei sind strenge Bestimmungen und Vorschriften einzuhalten. Im 100. Jahr der Werksbahn stehen in Rüsselsheim immer noch fünf knallgelbe Loks zur Verfügung.