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AKKA baut sich um

Archivartikel

Mitten in einer der schwersten Krisen der Wirtschaft wird AKKA mit Sitz in Sindelfingen gerade vom Kopf auf die Füße gestellt. Der Ingenieurs-Dienstleister will sich vom schwerfälligen Containerschiff in eine Flotte aus 17 Schnellbooten verwandeln und damit zurück zu Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit finden. Warum der schlechteste aller Zeitpunkte inmitten der Krise dafür genau der richtige ist, erklärt Derrick Zechmair, CEO der BU Germany, im Interview mit dem Motor-Informations-Dienst (mid).

mid: Herr Zechmair, wie sehen Sie die aktuelle Lage der Automobilindustrie angesichts dramatischer struktureller Veränderungen?

Derrick Zechmair: Aktuell wird viel über Gefahren in der Automobilindustrie gesprochen, Neudeutsch umschrieben mit großen Disruptionen, die vor uns liegen. Unabhängig von der Corona-Krise. Es geht um die Elektrifizierung, das automatisierte Fahren mit dem Themenkomplex der Konnektivität sowie die digitale Revolution. AKKA verfügt über tiefgreifende Kompetenzen in diesen Bereichen. Ich sehe die Zukunft daher sehr optimistisch und sehr viele Chancen für uns.

mid: Wie ist die Situation für AKKA in Deutschland?

Derrick Zechmair: Wir sind ein stabiles Unternehmen mit hervorragenden Mitarbeitern. Als Ingenieurs-Dienstleister mit einem starken F&E-Fokus sind wir in allen der Technologiefelder aktiv, in denen an der Zukunft gearbeitet wird. Unser Schwerpunkt ist dabei die Mobilität. Wir sprechen hier über die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie sowie die Luftfahrt und Schiene. Aber auch im Bereich Life Science und Digital sind wir sehr aktiv. Wir sind gut aufgestellt, müssen dies aber für Bestands- wie für Neukunden deutlich sichtbarer kommunizieren.

mid: Wie sieht der Umbau aus?

Derrick Zechmair: Bislang haben wir aus meiner Sicht noch nicht genug von dem enormen Wissen im Unternehmen und daher noch nicht ausreichend von den möglichen Synergien profitiert. Bislang waren diese quer über das Unternehmen verteilt und nicht immer erkennbar, dass sie sich ergänzen können. Ein Hauptbestandteil des Umbaus ist daher eine neue Struktur für AKKA: Wir teilen das Unternehmen in Deutschland in 17 Einheiten auf, die sogenannten Center of Expertise.

mid: Und wie sieht diese Aufteilung im Detail aus?

Derrick Zechmair: Diese sogenannten Center of Expertise sind die 17 starken Säulen des Unternehmens, die unser Rückgrat bilden. In jedem dieser CoEs finden Sie die Kernkompetenzen aus allen Bereichen des Unternehmens für die spezifischen Themen des CoEs. Wenn es für Ihr Projekt jedoch nötig ist, sind wir agil in einer horizontalen Ausrichtung aktiv und können genauso auf das Expertenwissen der anderen CoEs zugreifen. So gibt es CoEs für die digitalen Themen und für den Bereich Automotive. Darüber hinaus gibt es auch CoEs für weitere Geschäftsfelder, wie beispielweise Consulting, Railway oder Aerospace & Defense. Jedes dieser CoEs hat einen verantwortlichen Experten, den Unternehmer im Unternehmen, an seiner Spitze. Wir sind daher gut aufgestellt, um Ihre Projekte effizient voranzubringen.

mid: Sie begreifen die Krise auch als Chance. Aber wie sieht die Zukunft aus?

Derrick Zechmair: Diese Krise ist eigentlich unsere Rettung. Sie bietet uns die einmalige Chance, jene Veränderungen im Unternehmen voranzutreiben und zum Erfolg zu führen, die wir im normalen Geschäftsbetrieb wohl kaum erreicht hätten. Die Krise offenbart mit brutaler Härte die eigenen Schwächen. Wir hätten sicher auf längere Sicht viel zu hohe Kosten mitgeschleppt und dadurch unter Umständen auch die Zukunft des Unternehmens gefährdet. Wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere Situation zu analysieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Wir kommen daher sehr stark aus der Krise, werden mit viel Elan neue Projekte und neue Aufträge generieren.

mid: Und wie reagiert die Belegschaft auf die Veränderungen?

Derrick Zechmair: Viele Mitarbeiter finden es positiv, dass sich endlich etwas verändert. Sie sehen das Unternehmen jetzt wettbewerbsfähig aufgestellt. Mittel- bis langfristig wollen wir damit ja wachsen und auch die Belegschaft aufbauen. Derzeit bieten wir den Mitarbeitern an, sich innerhalb der Center of Expertise abhängig von der Vorbildung und Berufserfahrung zu bewerben und sich neu einzubringen. Es gibt auch Maßnahmen im Bereich Weiterbildung - Reskilling -, das betrifft zirka 400 der rund 4.800 Beschäftigten in Deutschland, um diese in künftigen neuen Projekten sinnvoll weiterbeschäftigen zu können. Aber wir müssen leider einen Stellenabbau verkraften. Er betrifft rund 800 Mitarbeiter, von denen wir uns nach derzeitigem Planungsstand trennen werden. Dies findet im Rahmen von Verhandlungen mit den Betriebsräten und eines Sozialplans statt. Dies ist leider wirtschaftlich notwendig, aber für uns menschlich gesehen auch schmerzlich.

mid: Wie kann AKKA für seine Kunden künftig attraktiver sein?

Derrick Zechmair: Wir bieten ein großes Portfolio für unsere Kunden an, mit denen diese ihre Kostenstrukturen und auch Risiken reduzieren sowie ihre anspruchsvollen Projekte effektiver abarbeiten können. Unsere Kernkompetenz ist es, den Product-to-Market-Cycle zu reduzieren. Zeit ist Geld. Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, sich mit einem Partner wie AKKA einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

mid: Welche Vorteile sehen Sie durch den Umbau für das Unternehmen?

Derrick Zechmair: Ich sehe das Unternehmen künftig entscheidend wettbewerbsfähiger aufgestellt. Der Umbau macht uns dynamischer und bietet uns die große Chance, unseren Kunden einen deutlichen Mehrwert zu bieten sowie schneller zu sein als andere Markteilnehmer.

mid: Was unterscheidet AKKA in der aktuellen Krise von anderen Unternehmen?

Derrick Zechmair: Es gibt Unternehmen, die ignorieren Veränderungen, andere wiedrum Unternehmen laufen den Veränderungen hinterher und die erfolgreichen, wie AKKA, treiben Veränderungen voran. Sie profitieren langfristig am meisten von den Veränderungen und sichern so auch ihre wirtschaftliche Zukunft.