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Aston Martin in der DTM: Da schämt sich sogar James Bond

Archivartikel

Aston Martin ist eine Legende auf Rädern. Die Autos der britischen Marke lassen die Herzen der vielen Bewunderer höherschlagen. Auch als Dienstwagen des berühmten Geheimagenten "007" spielt der Sportwagen in so manchem Kino-Film eine tragende Rolle. Doch beim Einsatz in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) ist der Lack schnell ab.

Da sieht Aston Martin in der Premieren-Saison 2019 auf der Rennstrecke gegen die beiden Platzhirsche Audi und BMW kein Land. Die wunderschönen Sportwagen fahren hoffnungslos hinterher. Ganze 64 Punkte springen am Ende der Saison heraus. Zum Vergleich: Hersteller-Champion Audi sammelt mehr als 1.000 Zähler. Bei dieser trostlosen Ausbeute schämt sich sicher auch "James Bond", der Geheimagent Ihrer Majestät.

"Die Ergebnisse sind nicht besonders toll. Wir haben ein paar Punkte geholt, haben nichts gewonnen und sind auch nicht auf dem Podest gestanden", sagt Aston-Martin-Geschäftsführer Andy Palmer im Interview mit dem Fachportal "Motorsport-Total.com". So weit so gut. Doch dann schiebt er noch ein paar Worte hinterher, die für Kopfschütteln sorgen: "Dafür, dass es unser erstes Jahr war, haben wir uns nicht blamiert. Wir haben sogar ein paar Leute überrascht."

Dass der Chef das DTM-Trauerspiel auch noch schönredet, zeigt das ganze Dilemma. Die Meinung vieler Fans ist jedenfalls eine andere. Ihrer Meinung nach hat die Marke Aston Martin nichts in dieser Serie zu suchen. Die Autos fahren nur mit, um das nach dem Mercedes-Ausstieg viel zu kleine Starterfeld etwas aufzufüllen. Der Aston Martin Vantage als Lückenbüßer - das ist für die vielen Bewunderer dieser edlen Autos wirklich eine Schande.

Angesichts der peinlichen Talfahrt auf der Rennstrecke ist es ganz sicher keine Überraschung, dass es jetzt zur Trennung zwischen Aston Martin und Antriebspartner und Einsatzteam HWA gekommen ist. "Bedauerlicherweise haben wir für die weitere Zusammenarbeit mit der HWA AG keinen Konsens hinsichtlich der Durchführung unseres DTM-Engagements finden können, sodass uns in letzter Konsequenz nur eine Beendigung der gemeinsamen DTM-Teilnahme mit HWA mit dem Fokus in die Zukunft bleibt", erklärt Teamchef Florian Kamelger.

Wie kam es überhaupt zur Trennung? HWA hatte dem Aston-Martin-Team R-Motorsport angeblich ein Angebot für eine Verlängerung des Einjahresvertrags gemacht, das wurde aber von Teamchef Kamelger und seinem Partner Andreas Baenziger nicht angenommen.

Ein Problem sind die hohen Kosten, wie bereits HWA-Vorstand Ulrich Fritz im Interview mit "Motorsport-Total.com" klarstellte: "Man muss sich in einem Wettbewerb mit Werksteams wie Audi und BMW gut überlegen, ob man die Ressourcen zur Verfügung hat oder bereitstellen will, um dort wirklich vorne mitzukämpfen." Das klingt vernünftig. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen für den Einsatz von Aston Martin ebenfalls so einsichtig sind und die Konsequenzen aus der Pleite ziehen.

Und das kann nur heißen: Raus aus der DTM, bevor die ruhmreiche Marke dort einen Totalschaden erleidet. Denn zum Hinterherfahren sind diese Autos zu schade.

Ralf Loweg / mid