Auto

Auf Göttinnen-Tour

DS oder La Déesse - "die Göttin" heißt eine fahrende Legende von Citroen. Sie gehört nun zu den Schmuckstücken bei der "Tour de Düsseldorf" im Rahmen des Frankreich-Fests. Wir fahren mit. An Bord: Oldtimer-Sammler Fred Krauser auf dem Fahrersitz seiner DS Pallas, Baujahr 1973, und Patrick Dinger, Deutschland-Chef der jungen Marke DS Automobiles.

Beim Einsteigen begibt man sich in die Komfortzone des mittleren 20. Jahrhunderts. Die Ansprüche waren nicht unbedingt niedriger als heute, aber anders. Beim größten Citroen der 50er bis 70er Jahre wird Bequemlichkeit ganz groß geschrieben. Beim Zurücklehnen in die mit viel Schaumstoff ausgepolsterten Sitze sinkt man einen gefühlten halben Meter ins Flauschige hinein - kein Traum für Orthopäden, aber trotzdem herrlich.

Die DS Pallas ist unterdessen kein langsames Auto. 170 km/h könne sie erreichen, sagt Fred. Doch man gleitet hier viel lieber - zumal über das Kopfsteinpflaster des Düsseldorfer Burgplatzes, wo die Tour mit der Göttin startet. Die legendäre Hydropneumatik bügelt dabei jeden Buckel schön glatt. "Ein total gechilltes Fahren", sage seine Tochter, berichtet Fred, der souverän die vierstufige Halbautomatik bedient und auch mit der Fußbremse zurechtkommt, die ein für damalige Vorstellungen zukunftsweisender Druckknopf ist.

Die "Handbremse" funktioniert wie bei früheren Mercedes-Modellen per Tritt auf ein ganz links installiertes Pedal. Auf den Mercedes-Vergleich angesprochen, sagt Fred mit wissendem Lächeln: "Jaja, aber Citroen hatte das zuerst!" Fred ist Franzose mit deutschen Vorfahren. In den 60er Jahren sei er nach Deutschland gekommen und lebe heute mal in der Nähe von Düsseldorf, mal in Frankreich, wo er Ferienwohnungen vermiete. Mit dem heutigen Grünen-Politiker und einstigen Studentenführer Daniel Cohn-Bendit sei er damals gemeinsam von Frankreich nach Deutschland gereist. "Ich habe aber nicht mit Pflastersteinen geworfen", beteuert Fred und lacht unschuldig.

DS ist heute eine von Citroen emanzipierte eigene Marke des französischen PSA-Konzerns. "Wir sagen bewusst nicht 'die' DS, sondern 'der' DS zu den heutigen DS-Modellen", sagt Patrick Dinger während unserer Fahrt durch den niederrheinischen Sommer. Das habe man sich gut überlegt. "Das machen wir vor allem aus Respekt vor der Ikone Déesse, aber auch um zu zeigen, dass wir nicht mehr Citroen sind", betont der DS-Chef. "Doch das besondere Lebensgefühl des Klassikers wollen wir in die Marke DS einbringen."

DS Automobiles ist Partner der "Tour de Düsseldorf". DS sei zwar die jüngste Marke der unter den Teilnehmern, verfüge aber über ein einzigartiges Erbe, das auf die historische DS aus dem Jahre 1955 zurückgehe. "Damit steht DS Automobiles zum einen für eine einzigartige Automobilkultur und zum anderen für neue Modelle, die die Mobilität der Zukunft mitgestalten werden."

Bei der Klassiker-Tour geht es freilich nicht um Zukunftstechnologie, sondern um den Hauch der alten Zeit, um Nostalgie-Gefühle und sentimentale Erinnerungen für jene, die solche Autos noch aus dem Straßenbild kannten und sie womöglich als persönliche Traumwagen auserkoren hatten. Und die Jüngeren unter den Schaulustigen kennen die DS vielleicht aus manchem alten Spielfilm. Ein Hingucker ist die Göttin jedenfalls geblieben.