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Test Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Das vierblättrige Kleeblatt ist das Erkennungszeichen des aktuell potentesten Alfa / 510 PS starker V6-Zylinder mit Heckantrieb

Betörend sportliche Mittelklasse-Limousine

Archivartikel

Der Name Giulia klingt fast schon aufreizend. Das Design dieses Mittelklassewagens ist betörend. Und mit dem V 6-Zylinder des Spitzenmodells Quadrifoglio werden Alfa-Fans wunschlos glücklich.

Der Alfa Romeo Quadrifoglio ist das aktuell flotteste Modell der Traditionsmarke. Es ist eine Verpflichtung zur Sportlichkeit, wenn man das vierblättrige Kleeblatt als Erkennungszeichen tragen darf. Schon der erste Rennwagen, mit dem die Italiener 1923 einen Doppelsieg bei der Targa Florio landeten, trug das vierblättrige Kleeblatt. Entsprechend schwer wiegt die Bürde, die die sportlich-elegant gezeichneten Giulia zu tragen hat. Denn sie ist nicht als reiner Sportwagen konzipiert, sondern als Mittelklasse-Limousine. Salopp erklärt bedeutet dies, dass nicht ein rennsporttaugliches Fahrzeug um die Antriebseinheit herum erfunden wurde, sondern dass man das potente Triebwerk in einen reisetauglichen Wagen gesteckt hat.

Der Kompromiss, der dahinter steckt, wird den meisten gut passen. Schließlich ist man selten auf der Rennstrecke unterwegs. Da weiß man es zu schätzen, wenn die Federung nicht ganz so brottrocken anspricht und der Motor auch seine sanften Qualitäten hat, mit denen es sich entspannt cruisen lässt.

Dass hier der Wolf im Schafspelz stecken würde, lässt sich hingegen kaum behaupten. Die tief auf der Straße kauernde Karosserie, die fetten Breitreifen unter ausgestellten Kotflügeln, die Seitenschweller, Front- und Heckspoiler, vor allem aber der mächtige Heckdiffusor und die Vierrohr-Auspuffanlage lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass man gerade keinem Allerweltsauto begegnet ist.

Dabei liegt der wirkungsvollste Teil des technische Aufwands, den man bei Alfa Romeo betrieben hat, weitgehend im Verborgenen. Er steckt zum Beispiel im besten Leistungsgewicht seiner Klasse.

Mit hochfestem Stahl für die Karosserie, Aluminium für Kotflügel, Türen und Radaufhängung sowie Kohlefaser für Motorhaube, Dach, Antriebswelle und aerodynamische Komponenten wurden die Pfunde weitgehend wieder abgespeckt, die durch den größeren Motor und andere Teile dazu kamen, um aus der Giulia einen Quadrifoglio werden zu lassen.

Die Pfunde verteilen sich ausgewogen 50:50 zwischen vorne und hinten. Beste Voraussetzungen also für eine gute Straßenlage.

Die Praxis muss dafür den Beweis liefern. Da gibt sich der potente Italiener keine Blöße. Gleichgültig, wie eng der Kurvenradius ausfällt, das flotte Gefährt krallt sich in den Asphalt. Am Kurvenausgang sollte man möglichst nicht zu früh und nicht zu vehement aufs Gaspedal steigen, denn Alfa überlässt die 600 Nm Drehmoment ausschließlich der Hinterachse.

Entsprechend neigt das Heck selbst in der dritten und vierten Fahrstufe noch zu einem gewissen Eigenleben. Das ist in Maßen sogar erwünscht, um die Agilität zu fördern, wird aber etwas lästig, sobald das elektronische Stabilitätsprogramm regelnd eingreift.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt dann die Abstimmung der Lenkung. Gleichgültig, ob man nun das komfortable oder das sportliche Programm wählt, fehlt es bei Richtungswechseln an einer präzisen Rückmeldung der Servounterstützung.

Unter normalen Bedingungen freut man sich daran, vom Vortrieb in die bequemen und für die sportliche Fahrt ausgeformten Polster gedrückt zu werden. Um auf Tempo 100 zu kommen, muss man nicht einmal auf Fünf zählen können (0-100 km/h in 3,9 Sekunden). Nach oben setzt Alfa keine elektronischen Grenzen. So wäre theoretisch erst bei 307 km/h Schluss.

Dass der Sechszylinder mit dem ungewöhnlichen 90-Grad-V solche Ergebnisse nicht zum Nulltarif bietet, war zu befürchten. Der Normverbrauch liegt schon bei 9,2 Litern. Und um den Testverbrauch von 10,4 Litern zu erzielen, musste mit Gefühl und Verstand statt Spaß am Gasgeben agiert werden.

Spaß macht die Giulia auf jeden Fall. Sie schafft den Spagat zwischen Reise- und Sportlimousine in Bezug auf Ausstattung, Komfort und Fahrwerksabstimmung.