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Der Traum lebt weiter

Super GT und DTM haben in Fuji ein gemeinsames Rennwochenende veranstaltet und arbeiten an einer gemeinsamen Zukunft. Der Motor-Informations-Dienst (mid) war dabei.

Der Japaner steht gerne. Stundenlang, wenn es sein muss, geordnet in einer Reihe. Dabei ausgerüstet mit einem Fotoapparat und einem freundlichen Lächeln, geduldig, voller Vorfreude. Und: stets höflich. Es ist eine faszinierende Mentalität, die auch oder gerade im Motorsport viele Facetten zeigt. Denn diesen Mix aus Euphorie, Unterstützung und Zurückhaltung gibt es nicht mehr oft. Japan ist anders. Japan ist aber auch besonders.

"Sie sind enthusiastisch und warten vor der Box vier Stunden, bis der Fahrer kommt. Und sie sind auch noch unfassbar höflich. Das gibt es in Europa nicht. Die sind hier mit ein bisschen mehr Leidenschaft und mehr Herz dabei", sagte BMW-Pilot Marco Wittmann.

Ikone Alex Zanardi, Gaststarter für BMW, war tief berührt. "Das werde ich immer in meinem Herzen behalten. Die sprachlichen Barrieren sind in sich zusammengebrochen. Es war so, als könnte ich mit ihnen reden, Emotionen mit ihnen austauschen." Eine Leidenschaft, die intensiv ist, aber gleichzeitig unaufdringlich. Auf den Tribünen ganze Hersteller-Fanblöcke, Fahnen schwenkende Fans oder in den Farben ihrer Lieblinge verkleidete Anhänger.

Beim Dream Race, der ersten gemeinsamen Veranstaltung der beiden Rennserien Super GT und DTM in Fuji mit Lexus, Nissan und Honda aus Japan und den deutschen Gästen Audi und BMW, konnte man diese Kultur in Aktion beobachten. Insgesamt rund 46.000 Zuschauer kamen an den beiden Renntagen an den Fuji Speedway.

Worum ging es beim Dream Race? Die DTM und die Super GT kooperieren bereits seit Jahren und werden 2020 mit dem gleichen Reglement und bis auf Details mit den gleichen Autos fahren. Heißt: Ein Einstieg der Japaner in die DTM und umgekehrt ist nun wesentlich einfacher. Theoretisch zumindest, ein DTM-Einstieg eines Japaners lässt noch auf sich warten.

Eine Aufbruchstimmung war aber spürbar. Zu beobachten war aber vor allem eine Seltenheit: Die Visualisierung einer möglichen Zukunft der beiden Serien, eine mögliche Verschmelzung als Testlauf sozusagen. Für DTM-Chef Gerhard Berger war es deshalb emotional, als er durch die Startaufstellung ging, die 22 Autos der fünf Hersteller sah.

Die Zukunft greifbar, in der Praxis zu bestaunen anstatt am Reißbrett. Was sportlich dabei herauskam - die Super GT dominierte die DTM und gewann beide Rennen - war am Ende gar nicht so wichtig, was zählt, ist das Zeichen: Dass es eine gemeinsame Zukunft geben kann.

"Mir wurde bewusst, was wir zusammen geschafft haben. Der Anblick von fünf Weltklasse-Marken in der Startaufstellung - und die Erkenntnis, dass wir, nach sieben Jahren harter Arbeit, zwei Motorsport-Welten zusammengebracht haben - war ein wirklich emotionaler Moment", sagte der Österreicher: "Außerdem konnte ich einmal mehr sehen, dass die Angleichung unserer beiden Serien ganz klar der richtige Weg für uns ist. Mit dieser gemeinsamen Herangehensweise bewegen wir uns in die richtige Richtung."

Wie es genau weitergeht, ist allerdings noch offen. Erst einmal mit Analysen. Auch, weil die unterschiedlichen Mentalitäten unter einen Hut gebracht werden müssen. Denn die Japaner sind nicht dafür bekannt, aus der Hüfte zu schießen.

"Wir Europäer haben die Angewohnheit, manchmal zwei Schritte auf einmal zu machen. Die Japaner sind vorsichtiger und denken zweimal nach. Wir analysieren das Rennen in Hockenheim und dieses sehr vorsichtig", kündigte Berger an. Also was die Medienaufmerksamkeit betrifft, die Kosten, die Logistik. "Dann schauen wir, was man besser machen kann, korrigieren muss und was der nächste Schritt sein kann."

Dabei gibt es viele Überlegungen: Wo kann man das nächste Event machen? Dann mit allen Autos? In welchem Land? Japan? Deutschland? Ganz woanders? Super-GT-Chef Masaaki Bandoh hat konkrete Vorstellungen. "Wir wollen weiter gemeinsam fahren, in welchem Format dann auch immer. Vielleicht auch als Winterserie, aber in einer, die auch für anderen Hersteller attraktiv ist, als eine Art WM. Wir machen es Schritt für Schritt", sagte er. Damit der Traum weiterlebt.

mid/Andreas Reiners