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Die mid-Zeitreise: Accord zum Sechsten: Dynamischer und europäischer

Archivartikel

Am 31. August 1998 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 47. Jahrgang über den Honda Accord.

Dynamischer kommt der neue Honda Accord daher. In der Außenlänge ist die Limousine um 9 Zentimeter auf 4,60 Meter geschrumpft. Dennoch bietet der Japaner in seiner sechsten Auflage fast 5 Zentimeter mehr Kniefreiheit im Fond und bis zu 3 Zentimeter mehr Kopffreiheit. Das Kofferraumvolumen wurde um 22 Liter auf annehmbare 427 Liter gesteigert. Das Ganze versteckt sich hinter einer leicht keilförmigen Karosserie, die das Fahrzeug gefälliger macht. Der Einstieg in den neuen Accord wird ab rund 36.500 DM möglich sein. Ende Oktober steht der Wagen bei den Händlern.

Die Ausstattungsvarianten heißen S, LS und ES. Schon der Basistyp S hat alles Wesentliche an Bord. Dazu gehören neben den üblichen Airbags für Fahrer und Beifahrer Seitenairbags, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Dreipunktsicherheitsgurte auf allen Sitzen und elektrische Fensterheber vorn.

Für die Motorisierung stehen wahlweise ein 1,8- oder ein 2-Liter-Vierzylinder-Leichtmetallmotor mit der bewährten variablen Einlassventilsteuerung VTEC zur Verfügung. Sie sind in der Leistung mit 100 kW/136 beziehungsweise 108 kW/147 PS nicht weit voneinander entfernt und begnügen sich im Alltagsbetrieb bei Fünfgang-Handschaltgetriebe mit 8,4 beziehungsweise 8,6 Liter Super-Benzin auf 100 Kilometer. Die Abgasnorm nach D3 wird erfüllt.

Die Spitzengeschwindigkeit ist nach Herstellerangaben bei 205 km/h beziehungsweise 210 km/h erreicht. Ein sportlicher 2,2-Liter-Motor und satte 156 kW/212 PS bleiben dem Topmodell "Type R" vorbehalten. Er genehmigt sich 9,6 Liter Super plus auf 100 Kilometer. Hier wird die Spitzengeschwindigkeit mit 228 km/h angegeben. Das Fahrzeug wird im Frühjahr 1999 angeboten. Später wird es dann noch ein 1,6-Liter-Aggregat mit 85 kW/115 PS und einen Turbodiesel-Direkteinspritzer von Rover geben.

Beide Benziner lassen sich mit einer neuen Viergangautomatik kombinieren, die auch ein sequentielles Durchschalten von Hand erlaubt. Sie mindert aber die Höchstgeschwindigkeit um deutliche 10 km/h und raubt dem Wagen auch beim Spurt etwas von seiner Geschmeidigkeit. Ansonsten haben die Japaner bei den Aggregaten wie immer gute Arbeit geleistet.

Beim Wunsch nach flotterer Fahrweise ist man mit dem 2-Liter-Motor besser bedient. Er erweist sich etwas durchzugsstärker und hat auch beim schnellen Sprint für ein Überholmanöver auf der Landstraße mehr Puste. Aber das Basis-Aggregat mit einem maximalen Drehmoment von 175 Nm gegenüber 184 Nm im Motor mit 2 Liter Hubraum reicht durchaus, zumal der Accord mit dem schwächeren Motor bei der Vollkasko-Einstufung mit der Typklasse 15 gegenüber dem größeren Bruder mit der Typklasse 20 erheblich günstiger wegkommt. Honda geht davon aus, dass 70 Prozent der Käufer zum 1,8-Liter-Motor greifen.

Kompliment für das Interieur des neuen Accord. Hier haben die Japaner dank ihrer europäischen Designer wirklich dazugelernt. Das Cockpit präsentiert sich ebenso gefällig wie solide. Der komplett aus Polypropylen gefertigte Armaturenträger - Ökologen wird es freuen - lässt sich zu 100 Prozent recyceln. Fahrwerksseitig vertraut der Hersteller vorn auf eine modifizierte Doppelquerlenkerachse, während hinten eine neue Fünffachlenker Achse zum Zuge kommt, die sowohl Fahrstabilität als auch Federungs- und Abrollkomfort verbessert hat. Die Sitzflächen vorne sind jedoch zu kurz.

Alles in allem: Im englischen Swindon erblickt der europäischste aller bisherigen Accords das Licht der Welt. Der anvisierte Verkauf von 10.000 Exemplaren in Deutschland im ersten vollen Verkaufsjahr 1999 sollte bei dem angestrebten Preis-Leistungsverhältnis - vor allem mit Blick auf die bekannt guten Langlaufeigenschaften der Marke - keine Utopie sein.